Report zeigt schockierende Zahlen: Gesundheitszustand der Deutschen auf dem Tiefpunkt

Die Deutschen sind Bewegungsmuffel. Viele kommen pro Tag nicht einmal auf zehn Minuten Bewegung am Stück. Diese traurige Bilanz zieht der Report der DKV-Versicherung „Wie gesund lebt Deutschland?“. Der Bericht zeigt: Der Gesundheitszustand der Deutschen hat neue Tiefstwerte erreicht.

Die meisten Deutschen haben das Gefühl, ein gesundes Leben zu führen – doch die wenigsten tun das tatsächlich. Das geht aus dem Report "Wie gesund lebt Deutschland?" hervor. Für den Bericht im Auftrag der DKV Deutsche Krankenversicherung wurden fast 2900 Deutsche ab 18 Jahren am Telefon interviewt.

61 Prozent stuften ihren Gesundheitszustand als "gut" oder sogar "sehr gut" ein. Die Auswertung der Interviewfragen ergab jedoch: Nur neun Prozent der Befragten leben tatsächlich rundum gesund. Den Report führte die DKV gemeinsam mit der Sporthochschule Köln mittlerweile zum fünften Mal durch. Der aktuelle Wert ist ein neuer Tiefpunkt seit 2010.

Die Deutschen bewegen sich zu wenig

Das größte Problem der Deutschen ist ein Mangel an Bewegung. Weniger als die Hälfte ist körperlich aktiv. Erwachsene sollten nach Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation pro Woche mindestens 150 Minuten moderater Aktivität (zum Beispiel zügiges Gehen) oder 75 Minuten intensiver Aktivität nachgehen (zum Beispiel Joggen). Allerdings erreichten nur 43 Prozent der Befragten dieses empfohlene Mindestmaß. 2010 waren es noch 60 Prozent.

Jeder Zehnte gab in der Befragung an, überhaupt keiner körperlichen Aktivität nachzugehen, die länger als zehn Minuten am Stück dauert. Studienleiter Ingo Froböse führt das Bewegungsdefizit auf zwei Entwicklungen zurück: Zum einen werde heute weniger körperliche Arbeit verrichtet, zum anderen habe auch der Sport in der Freizeit nachgelassen. Fast 80 Prozent der Befragten machen außerhalb des Jobs nicht genug, um das Mindestmaß zu erreichen. Sie gehen etwa nicht häufig genug zu Fuß oder fahren Fahrrad, um von A nach B zu kommen.

Dafür sind die Deutschen ein Volk der Vielsitzer. Auf fast acht Stunden summieren sich im Durchschnitt die Sitzzeiten an Werktagen – bei der Arbeit, aber auch am Fernseher, am Computer oder im Auto. Männer sitzen dabei länger als Frauen, Alte insgesamt weniger als Jüngere. Beim Fernsehen ist der Trend allerdings umgekehrt: Je älter die Befragten, desto länger hocken sie vor dem TV.

Immer weniger Raucher

Die erfreuliche Botschaft aus Sicht der Gesundheitsexperten: In Deutschland gibt es immer mehr Nichtraucher. Nur noch 21 Prozent greifen demnach zur Zigarette. Und immerhin 82 Prozent trinken laut Umfrage gar nicht oder nur gelegentlich Alkohol. Auffällig dabei aber: Je mehr die Befragten verdienen, desto häufiger heben sie das Glas.

Einsamkeit als Risikofaktor für Krankheiten

Auch das subjektive Erleben von Einsamkeit war Teil des diesjährigen DKV-Reports. Einsamkeit kann das Auslösen von Krankheiten begünstigen und zu einem Risikofaktor für kardiovaskuläre und andere Erkrankungen werden. Wer sich einsam fühlt, leidet unter chronischem Stress, mit entsprechend schädlichen Konsequenzen.

Laut den Ergebnissen im DKV-Report 2018 fühlen sich elf Prozent der Befragten manchmal einsam. Ältere Menschen verspüren das Gefühl der Einsamkeit tendenziell häufiger als jüngere. Ein Drittel der befragten Hausfrauen und -männer fühlen sich einsam. Weitaus weniger trifft das hingegen auf Menschen zu, die im Berufsleben stehen.

Source: Read Full Article

Sport mit künstlichen Gelenken

Helmut Reckmann spielt Beachvolleyball. Mindestens einmal die Woche. Er hat sich dazu sogar ein eigenes Feld gebaut. Dort trainiert er mit seinen Mannschaftskameraden vom Lehndorfer TSV oder mit seinen Kollegen von der Arbeit.

Das wäre nicht weiter erwähnenswert, hätte der 77-Jährige nicht ein künstliches Knie. 2015 war die Operation. Seitdem befindet sich in seinem linken Bein eine ­sogenannte Totalendoprothese (TEP): ein komplett künstliches Kniegelenk, bestehend aus Metall und Kunststoff.

Stürze und ruckhafte Bewegungen sind kritisch

Dass Reckmann Volleyball spielt, findet selbst sein Operateur Professor Karl-Dieter Heller, Chef der Orthopädischen Klinik im Herzogin-Elisabeth- Hospital in Braunschweig, etwas bedenklich. Schließlich gehört die Sportart aus gutem Grund nicht zu den Disziplinen, die Ärzte Patienten mit Gelenkersatz empfehlen. Das Sturz­risiko und die Kräfte, die bei den häufig ruckhaften Stoßbewegungen auf die Gelenke wirken, sind groß. Generell raten Mediziner aber, sich auch – oder gerade – mit einer Gelenkprothese zu bewegen. Training kräftigt Muskeln und Bänder, die wiederum dazu beitragen, dass das Kunstgelenk gut geführt wird und stabil bleibt.

"Je besser der Muskelmantel, desto besser kann man Sport treiben", sagt Dr. Sonja Herzberg, Chefärztin der Klinik für Orthopädie am Rehazentrum Bad Bocklet in Bayern. Wenn man die Prothese nämlich zu stark belastet, ohne dass Bänder und Muskeln sie schützen und stabilisieren, kommt es schneller zu Verschleiß: Die Materialien reiben stärker aneinander, nutzen sich ab, die Prothese lockert sich.

Darauf sollten Betroffene achten:

  • Erst nach drei bis sechs Monaten ist das Kunstgelenk voll einsetzbar und die Prothese an den Knochen angewachsen. "Das gilt vor allem für Hüftprothesen, die zementfrei angebracht werden", sagt Orthopäde ­Heller. Danach kann man wieder nahezu uneingeschränkt Sport treiben. Davor gilt es, sich locker zu bewegen.
  • Vermeiden Sie High-Impact-Sportarten, bei denen stoßartige Bewegungswechsel stattfinden oder man schnell stürzen kann.
  • "Drei Mal pro Woche 45 Minuten bis eine Stunde Bewegung sind optimal", sagt Heller. Dazu zählt auch schnelles Gehen.
  • "Je sportlicher der Patient vor dem Eingriff war, desto besser und schneller kann er nach der OP wieder mobil werden", sagt Orthopädin Sonja Herzberg. Hat man vorher eine ­Sportart gut beherrscht, kann man in der Regel danach wieder einsteigen.
  • Überfordern Sie sich nicht. Auch mit kleinen sportlichen Maßnahmen tun Sie viel für Ihre Beweglichkeit und Gesundheit. "Spazieren gehen, Rad fahren, das ist wunderbar", sagt Mediziner Karl-Dieter Heller.

Günstige Sportarten

Wird die Prothese zu instabil, muss sie ausgetauscht werden. Geht alles gut, bleiben Knie- und Hüftprothesen aber 15 bis 25 Jahre im Körper.

Mit Sport und Bewegung können Patienten mit künstlichen Gelenken Komplikationen entgegenwirken. Bei Knieprothesen raten Ärzte zu Sportarten wie Walking, Radfahren, Aquafitness, Schwimmen, Krafttraining, Bergwandern mit Stöcken oder auch Tanzen.

"Fließende Bewegungen mit möglichst wenig stoßhaften Belastungen sind gut", sagt Karl-­Dieter Heller. Bei künstlichen Hüften kommt noch Rudern hinzu oder Aerobic ohne Sprünge. Alles, was als High-Impact-Sport gilt, also Kontakt- und Mannschaftssportarten wie Fußball, Basketball, Kampfsport oder eben auch Volleyball, erhöht das Risiko, der Prothese zu schaden.

Sportkanone trotz Prothese

Wie Helmut Reckmann zeigt, heißt das aber nicht automatisch, dass es nicht machbar ist. Der 77-Jährige hat sein gesamtes Leben lang Sport getrieben. In seiner Jugend turnte er. "Mit der Zeit verletzte ich mich immer häufiger. Da war klar, bald ist hier Schluss", sagt Reckmann. Als er zu studieren begann, hörte er auf. Bereits damals stellten die Ärzte bei ihm Knieschäden fest.

Dennoch: Reckmann will nicht leben, ohne sich ständig zu bewegen. "Ohne Sport fehlt mir etwas", sagt er. Er beobachtete als Rettungsschwimmer bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) viele Jahre die Küste der Ostseeinsel Fehmarn, baute sein Haus komplett selbst, fing später doch wieder mit dem Turnen an, dann mit Volleyball. Heute macht er mindestens zweimal die Woche Krafttraining, einmal Wirbelsäulentraining und einmal Seniorenfitness. Ob er manchmal auch keine Lust hat, zum Training zu gehen? Nein. Wenn seine Kollegen an­rufen, auch spontan, schnappt er sich seine Sporttasche und macht sich auf den Weg.

So konnte ihn auch die Knie-Operation nicht verdrießen – zumal es nicht die erste an seinen Gelenken war. Auch an den Fußgelenken und am anderen Knie wurde er schon operiert. Bereits in der Reha erklomm er auf Krücken den nächstgelegenen Berg.

Wandern mit zwei künstlichen Hüften

Auch Lars Rehmann geht wieder wandern, mit seiner Frau und seinen beiden Kindern. Er hat inzwischen zwei künstliche Hüften. Der erste Eingriff vor zwei Jahren war nicht leicht für Rehmann. "Danach war mein gesamtes Herz-Kreislauf- System am Boden", erinnert er sich. Noch am Tag des Eingriffs aufstehen, so wie es empfohlen und unterstützt wird – daran war nicht zu denken.

Aber es wurde von Woche zu Woche besser, und der Ehrgeiz, wieder beweglich zu werden, packte den heute 42-Jährigen. Nach acht Wochen war er wieder im Büro. Heute ist Rehmann sehr glücklich, dass er die Kunstgelenke hat einsetzen lassen. "Der Schmerz war einfach unerträglich geworden", sagt er. "Als ich einmal mit meiner Tochter in einem Einkaufszentrum 200 Meter zu einem Geschäft gehen wollte und vor Schmerz geheult habe, da reichte es mir."

Ohne Tennis geht es nicht

Auch Rehmann hält sich fit. Mit Krafttraining, dem Ergometer und Stabilitätsübungen. Mindestens zweimal die Woche. Für ihn ist das so gut wie nichts. Lars Rehmann kommt aus dem Leistungssport. In den 90er-Jahren zählte er zu Deutschlands Top-Nachwuchs­talenten im Tennis, sein Name fiel im Zusammenhang mit Nicolas Kiefer, Tommy Haas oder Rainer Schüttler.

Doch eine Hüftdysplasie und wohl auch durch den Leistungssport früh beginnende Arthrose stoppten Rehmann auf seinem Weg in die deutsche Tennis-Elite. Heute hilft ihm die Selbstverständlichkeit, mit der er jahrelang täglich mehrere Stunden trainierte.

Im Gegensatz zu Helmut Reckmann weiß Rehmann durchaus etwas mit dem Begriff "innerer Schweinehund" anzufangen. "Von Spaß am Bewegen konnte damals teilweise wirklich nicht die Rede sein", sagt er. Heute genießt er den Sport wieder. Ihm ist aber auch klar geworden: "Keine Schmerzen zu haben ist ein Geschenk."

Lars Rehmann spielt mittlerweile wieder regelmäßig Tennis. Ganz ohne geht es eben nicht. Am liebsten zusammen mit seinen Kindern. Die sind nämlich kaum zu bremsen. Ähnlich wie Helmut Reckmann. Für ihn ist sogar Beachvolleyball mit künstlichem Gelenk selbstverständlich. Genauso wie sein künstliches Knie.

Bandage gegen Kälte

Nur einmal spürte er im Winter beim Fahrradfahren, dass sich ­etwas Fremdes in seinem Bein befindet. Der Fahrtwind hatte das Metall wohl sehr auskühlen lassen. "Ich schnitt mir aus einem alten Neo­prenanzug, den ich noch vom Rettungsschwimmen hatte, ein Stück vom Knie heraus." Diese Bandage streift er jetzt bei Kälte über. Alles gut.

Source: Read Full Article