Gegen Husten sind Kräuter gewachsen



Husten belastet die Lunge sowie die Bronchien und stört den Schlaf, der für die Genesung so wichtig ist. Gründe genug, etwas dagegen zu tun

Kräutertees helfen den Husten los zu werden

Husten kann Leben retten. Wenn ein Fremdkörper in die Atemwege geraten ist, bestünde akute Erstickungsgefahr, wären wir nicht in der Lage, den Fremdkörper mit einem kräftigen Hustenstoß wieder aus der Lunge zu befördern. Dabei geht der Körper so energisch zu Werke, dass die entweichende Luft beinahe Schallgeschwindigkeit erreicht.

Auf der anderen Seite bedeutet der bronchiale Befreiungsschlag bei einer Erkältung eine Strapaze für die Lunge und die Bronchien. Deshalb macht es Sinn, etwas gegen den Husten zu tun. Das gilt vor allem für die Frühphase, wenn die Hustenmelder in den Atemwegen von Erkältungsviren in Daueralarm versetzt werden, ohne dass Schleim vorhanden wäre, der abgehustet werden müsste. Diese Phase des trockenen Reizhustens dauert etwa drei bis fünf Tage, dann bilden die Bronchialzellen Schleim, der das Immunsystem bei der Bekämpfung der Kankheitserreger unterstützt.

Pflanzliche Doppelwirkung

In Phase eins braucht der Körper Hustenmittel, die den Hustenreiz unterdrücken, damit der Patient nachts durchschlafen kann und das Bronchialgewebe nicht weiter geschädigt wird. In der zweiten Phase sind Mittel angezeigt, die helfen, den Schleim loszuwerden. Forschungen der Universtiät Bonn haben gezeigt, dass Thymian und Efeu bei beiden Hustenarten wirken. Sie lösen den Schleim und entkrampfen die Bronchialmuskulatur, was trockenen Reizhusten lindert.

 

Auch wenn mehr als ein Dutzend Arzneipflanzen bei Husten zum Einsatz kommen, sind es nur drei Gruppen von Inhaltsstoffen, die ihre Wirksamkeit ausmachen: Schleim, Saponine und ätherische Öle. Schleimhaltige Heilpflanzen wie Malve und Eibisch schützen die angegriffene Oberfläche der Atemwege und helfen daher bei trockenem Reizhusten. Heilkräuter mit ätherischen Ölen wirken leicht desinfizierend und verflüssigen das Bronchialsekret, weshalb sie als Schleimlöser eingesetzt werden. Saponine, die etwa in Primel und Efeu stecken, sind seifenartige Pflanzeninhaltsstoffe. Ihre Wirkung kommt dadurch zustande, dass sie im Magen einen Nerv reizen, der für die Aktivität der Drüsen verantwortlich ist, den Nervus vagus. Durch diese Reizung bilden die Drüsen des Bronchialgewebes mehr dünnflüssigen Schleim, sodass das Sekret leichter abgehustet werden kann.

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Was ist Tinnitus?



Wenn es im Ohr ohne erkennbare Ursache pfeift, rauscht oder summt, nennt man das Tinnitus. Mehr über die Ohrgeräusche erfahren Sie im Video

Ohrgeräusche ohne lokalisierbare Quelle heißen Tinnitus. Ursache können zum Beispiel Ohrerkrankungen sein. Häufig ist der genaue Auslöser nicht feststellbar. Die Geräusche halten an oder sind nur zeitweise da. Manche Menschen empfinden sie als sehr belastend, andere kommen ganz gut damit zurecht. Mehr zum Thema Tinnitus erfahren Sie in unserem Erklärvideo.

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So vermeiden Sie eine Sommergrippe



Auch im Sommer und bei Hitze kann man sich erkälten. Lesen Sie hier, wo überall Erkältungsviren lauern und mit welchen Maßnahmen Sie einer Sommergrippe vorbeugen können

Kleine Erfrischung gefällig? Doch aufgepasst: Aus einer Unterkühlung kann auch mal eine Erkältung werden!

Wer denkt bei 30 Grad im Schatten schon an eine Erkältung? Schließlich hat das ja was mit Kälte zu tun. Trotzdem treten 20 Prozent aller Fälle nicht im Herbst oder Winter, sondern in der warmen Jahreszeit auf.

"Auch bei der sogenannten Sommergrippe handelt es sich um eine Infektion mit Viren, die durch Tröpfchen beim Niesen, Husten oder Sprechen übertragen werden", sagt Professor Matthias Stoll, Immunologe an der Medi­­zinischen Hochschule Hannover. "Und da bei Kontakt mit erkälteten Personen Ansteckungsgefahr besteht, gelten im Sommer die gleichen Hygieneregeln wie im Winter."

Bei hohen Temperaturen haben diese Krankheitserreger zwar schlechtere Ver­brei­tungschancen. Wenn jedoch Klimaanlagen, Zugluft, Nässe oder eisige Getränke die Temperatur der Schleimhäute senken, werden diese schlechter durchblutet, was die unspezifische Immunabwehr schwächen kann. "Mikroben dringen dann leichter in die Schleimhaut­zellen ein", erklärt Stoll.

Das subjektive Empfinden könne in diesem Zusammenhang täuschen: "Frösteln und kalte Füße sind nicht die Ursache der Erkältung, sondern das erste Symptom einer bereits stattgefundenen Infektion." Wer aber weiß, wo die typischen Kältefallen lauern, verbessert seine Chancen auf einen unbeschwerten Sommer.

Mit diesen Tipps beugen Sie einer Sommergrippe vor


Schutz vor Klimaanlagen: Viel trinken und eine leichte Jacke

Die Geräte sind nicht nur wegen der Kälte problematisch: Sie entziehen der Luft Feuchtigkeit, trocknen die Nasenschleimhäute aus und machen sie so anfälliger für Krankheits­erreger. "Außerdem funktionieren sie nur bei geschlossenen Fenstern. Es findet also kein Luftaustausch statt", erklärt Immunologe Stoll. "So können sich Erkältungs­viren leicht verbreiten."

Außerdem bereiten größere Unterschiede zwischen Innen- und Außentemperatur dem Körper erhebliche Anpassungsschwierigkeiten. Vor allem bei schweißnasser Haut kühlt er schnell aus. Einen gewissen Schutz vor dem Kälteschock in Supermärkten oder öffentlichen Gebäuden bieten leichte Jacken oder Pullis. Wegen der trockenen Luft sollten Gesunde in klimatisierten Räumen zwei bis drei Liter am Tag trinken.

Unterkühlung durch Zugluft möglichst vermeiden

Einen leichten Luftzug durch offene Fenster und Türen, Ventilatoren oder das Gebläse im Auto empfinden wir bei hohen Temperaturen als angenehm. Doch durch anhaltende Zugluft wird der Körper schnell unterkühlt. Dann sinkt auch die Temperatur in der Rachenschleimhaut. Sie trocknet aus und büßt ihre Abwehrfunktion ein. Bereits aufgenommene Viren haben dann leichtes Spiel.

"Bei lokalem Luftzug auf die Muskulatur können zudem schmerzhafte Verspannungen auftreten", sagt Experte Stoll. Deshalb sollte man auch Ventilatoren nur kurze Zeit laufen lassen und in ausreichend großem Abstand aufstellen. Was Sie im Auto nicht tun sollten: schwitzend bei offenem Fenster fahren oder die Klimaanlage voll aufdrehen und sich von der Lüftung anblasen lassen. 

Verschwitzte Kleidung so bald wie möglich wechseln

Im Sommer werden selbst leichte körper­liche Aktivitäten schnell zu einer schweiß­treibenden Angelegenheit. Schwitzen ist zwar gesund und reguliert die Körper­temperatur. Doch in der feuchten Kleidung kühlt man schnell aus. Deshalb die Sachen so bald wie möglich wechseln und beim Sport immer etwas zum Um­ziehen mit­nehmen.

­Funktionskleidung aus Poly­ester oder ­Poly­propylen ­eignet sich bei Hitze übrigens besser als ­Baumwolle: Die Synthetikfasern transpor­tieren den Schweiß von der Haut weg, sodass er auf der Außenseite des Kleidungsstücks ver­dunsten kann. Baumwolle ­speichert dagegen die Feuchtigkeit, klebt wie eine kalte Schicht auf dem Körper und senkt dadurch die Haut­temperatur. 

Nach dem Baden gleich abtrocknen und umziehen

Ein Sprung in kaltes Wasser bringt die beste Abkühlung. Die Erfrischung sollte aber nicht zu lange dauern: Zittern und blaue Lippen sind erste Anzeichen einer ­­Unterkühlung, die Erkältungsviren Tür und Tor öffnet. Nach dem Schwimmen oder Planschen gleich abtrocknen und umziehen. "Nasse Bade­kleidung erhöht zudem die ­Gefahr von Harnwegs­infekten", warnt Stoll, "vor allem weil sich die auslösenden Bakte­rien bei Feuchtigkeit sehr wohlfühlen."

Kalte Getränke schwächen die Abwehrkraft der Mundschleimhaut

Eisgekühlte Getränke verheißen eine wohltuende Erfrischung. "Wer auch noch gerne Eiswürfel lutscht, kann die Mundschleimhaut so stark herunterkühlen, dass sie ihre Abwehrkraft gegen Krankheitserreger verliert", sagt Stoll. Er rät deshalb, auf Eiswürfel zu verzichten und nur leicht Gekühltes zu trinken – am besten nur schluckweise. Eiskalte Getränke regen außerdem die Durch­­blutung an, sodass einem erst recht heiß wird. 

Jacke, Pulli, Socken: Auf Temperatursturz vorbereitet sein

Vor allem im Frühsommer oder Herbst kann die Temperatur erheblich schwanken. Nach einem Gewitter oder nach Sonnen­untergang wird es mitunter schnell ungemütlich kalt. Deshalb bei Ausflügen, Grillpartys oder im Biergarten immer einen Pulli und warme Socken dabeihaben.  

Wenn einen die Sommergrippe doch erwischt hat

Kratzen im Hals, Kribbeln in der Nase, Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen: Die Symptome einer Sommergrippe unterscheiden sich nicht von denen einer Erkältung im Winter. Damit das Immunsystem die Viren bekämpfen kann, ist vor allem Ruhe angesagt.

Wenn keine schwere Herz- oder Nierenerkrankung dagegenspricht, sollten Sie täglich zwei bis drei Liter Wasser oder Kräutertee trinken. Das befeuchtet die Schleimhäute und gleicht Flüssig­keits­verluste aus. Erkältungsmittel aus der Apotheke lindern die lästigen Symptome. Lassen Sie sich beraten!

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Herzlichen Glückwunsch! Die Gewinner des Gewinnspiels



Hier finden Sie die Gewinner des aktuellen Preisrätsels aus den Printmagazinen auf einen Blick

Glück gehabt? Hier erfahren Sie hier, wer gewonnen hat

Die Preise wurden unter allen Teilnehmern mit dem richtigen Lösungswort verlost. Aus Gründen des Datenschutzes sind die Wohnorte der Gewinner nur mit dem Anfangsbuchstaben eingegeben. Die Gewinner werden außerdem per Post benachrichtigt.

Preisrätsel aus den Printmagazinen

Apotheken Umschau, Senioren Ratgeber und Diabetes Ratgeber vom November 2018
Die Namen der Gewinner werden unter anwaltlicher Aufsicht gezogen und ab dem 3.1.2019 online gestellt.

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Großes Preisrätsel aus Apotheken Umschau, Diabetes Ratgeber und Senioren Ratgeber vom Oktober 2018
Lösungswörter: Vollkornbrot, Haarfarbe, Sehstaerke, Fitnesstest
Teilnahmeschluss: 15. November 2018

Erster Preis: 1 x 2.500 Euro
1. Frau Angelika Hempelmann in G…    
                                                                                                                 
Zweiter bis vierter Preis: je 1.000 Euro
2. Frau Renate Ganzmann in S…        
3. Frau Elfriede Schmid in M…            
4. Frau Christina Jathe in I…                           
                               
Fünfter bis 14. Preis: je 500 Euro
5. Frau Wilma Weinberger in M…            
6. Frau Gabi Jobst in B…        
7. Frau Silvia Koch-Sibinski in S…            
8. Frau Monika Hiepler in B…        
9. Herr Rainer Baser in B…        
10. Frau Ursula Schäfer in R…            
11. Herr Nils Lenz in G…            
12. Frau Maria Harder in B…        
13. Herr Roy Mehner in B…            
14. Herr Kurt Roth in A…                   
           
15. bis 24. Preis: je 250 Euro
15. Herr Erhard Scharf in M…            
16. Frau Lisa Wuczkowic in B…    
17. Frau Karola Bauer in M…            
18. Frau Bärbel Bouss in R…        
19. Frau Regina Heischel in M…
20. Herr Roman John in B…            
21. Frau Waltraud Pokorny in L…            
22. Herr Heinz Buchholz in E…        
23. Herr Gunter Zönnchen in D…            
24. Herr Dieter Kruse in N…                                                      
                             
25. bis 44. Preis: je 100 Euro
25. Frau Ursula Frisse in K…            
26. Frau Hildegard Wilfling in O…            
27. Frau Ute Bartels in A…    
28. Herr Bernhard Kafka in K…            
29. Frau Hermine Schönwandt in H…            
30. Herr Kurt Waibel in B…            
31. Herr Roland Binder in B…            
32. Herr Wolfgang Halenkamp in M…            
33. Herr Hans-Joachim Quade in B…            
34. Frau Bianca Griebel in T…            
35. Frau Theresia Jones in R…            
36. Frau Ute Otterbach in B…            
37. Frau Margot Günther in D…    
38. Herr Wilfried Biehler in B…            
39. Herr Horst Heidingsfelder in S…
40. Frau Helga Schwabe in M…            
41. Frau Sandra Heinzelmann in M…            
42. Herr Hans Haering in S…                
43. Frau Hanna Beiche in N…                
44. Frau Ingrid Binder in O…                          

Preisrätsel extra aus Apotheken Umschau und Senioren Ratgeber vom Oktober 2018
Lösungswörter: Eincremen, Stimme, Ehrenamt
Teilnahmeschluss: 15. November 2018

Erster Preis: 1 x 2.500 Euro
1. Frau Vera Klunker in B…
                                    
Zweiter Preis: 1 x 1.000 Euro
2. Herr Manfred Gilinka in B…            
           
Dritter bis vierter Preis: je 250 Euro
3. Frau Maya Zobel in S…        
4. Frau Irmgard Resch in I…                      
                                                                                                  
Fünfter bis 14. Preis: je 100 Euro
5. Frau Karin Rumpel in W…            
6. Frau Marita Thielmann in X…            
7. Frau Christa Kruckow in W…        
8. Herr Achim Birkner in J…        
9. Frau Ellen Wagner in M…    
10. Frau Helga Schmelzer in H…    
11. Frau Gudrun Hennig in V…            
12. Frau Ursula Rosenberger in S…            
13. Herr Peter Häberle in A…    
14. Frau Marianne Sesterhenn in B…  

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Schuld sind die Wechseljahre – oder?



Hitzewallungen, Schlaflosigkeit, Unruhe: Die Wechseljahre werden für viele Beschwerden verantwortlich gemacht. Doch manche Symptome können auch auf eine Erkrankung hinweisen

Karten mit zwei Gesichtern: Kommen diese Symptome von den Wechseljahren oder einer Krankheit?

Wieder einmal nachts stundenlang wach gelegen und dem Klopfen des eigenen Herzens gelauscht? Schweißgebadet aufgewacht und das Programm des nächsten Tages lustlos und unkonzentriert abgespult? Für Frauen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren ist die Sache dann meistens schnell klar: "Die Wechseljahre." Symptome, die auf körper­liche oder seelische Erkrankungen hinweisen könnten, ­werden häufig ­ignoriert.

"Ab Mitte 40 müssen Frauen verstärkt auf ihre Gesundheit achten", sagt die Kieler Gynäkologin Dr. Dorothee Struck. Es sei gefährlich, alles auf die Wechseljahre zu schieben: "Organische Erkrankungen können dann ebenso übersehen werden wie eine behandlungsbedürftige Depression." Sie überweist ihre Patientinnen im Zweifelsfall an einen Internisten oder Hormonexperten: "Frauen mit anhaltenden, stark belastenden Beschwerden sollten sich gründlich durchchecken lassen."

Hormonelle Störungen als Ursache von Hitzewallungen

Sofort an die Wechseljahre denken die meisten Frauen zum Beispiel bei Hitzewallungen und Schweißausbrüchen. Etwa jede zweite Frau ist in den mittleren Lebensjahren mehr oder weniger stark davon betroffen. Doch der Mainzer Hormonspezialist Professor Matthias Weber warnt davor, diese Beschwerden pauschal dem Klimakterium zuzuordnen. "Dahinter können auch andere hormonelle Störungen stecken, etwa eine Überproduktion von Stresshormonen im Nebennierenmark", sagt der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.

Auch Tumore, die bestimmte Hormone bilden, führen in seltenen Fällen zu Beschwerden, die an Hitzewallungen erinnern. Ein schlecht eingestellter oder unerkannter Typ-2-Diabetes kann mit Müdigkeit und Leistungsabfall einhergehen. Und bestimmte Arzneien rufen mitunter ebenfalls ähnliche Symptome hervor wie die Wechseljahre – etwa Kortisonpräparate, die beispielsweise bei Rheuma verordnet werden. 

Schweißausbrüche: Oft ist die Schilddrüse schuld

Am häufigsten steckt hinter fliegender Hitze jedoch die Schilddrüse. "Eine Überfunktion kann neben erhöhter Wärmeempfindlichkeit zudem Herzrasen, Nervosität und Schlafstörungen verursachen", sagt Weber. Dementsprechend häufig verwechseln Frauen die Symptome mit Beschwerden der Wechseljahre.

Dasselbe gilt für eine Unterfunktion des ­Organs. Typische Anzeichen: Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit und Gewichtszunahme. Bei derartigen Beschwerden rät Endokrinologe Weber, die Schilddrüsen­werte überprüfen zu lassen: "Das gehört beim Hausarzt mittlerweile zur Routine." Allerdings werde bei grenz­wertigen Befunden oft über­reagiert. Im Zweifelsfall sollten die Patientinnen einen Facharzt aufsuchen. 

Gynäkologin Struck kennt allerdings auch den umgekehrten Fall: dass Frauen typische Erscheinungen wie Herzrasen und nervöse Herzbeschwerden nicht mit der Hormonumstellung in Verbindung bringen. Weil Frauen nach der Menopause weniger herzschützende Östrogene produzieren, steigt ihr Risiko für Probleme mit Herz oder Kreislauf auf das Niveau der Männer an. Auffälligkeiten müssen deshalb grundsätzlich kardiologisch abgeklärt werden. Die Angst vor einer Herzerkrankung sei aber in den meisten Fällen unbegründet, betont Struck.

Viele Beschwerden haben nichts mit den Wechseljahren zu tun

Doch welche Symp­tome sind tatsächlich spezifisch für die Zeit des Klimakteriums? Das hat Professorin Kerstin Weidner am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden untersucht. Für ihre Studie fragte die Direktorin der Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik rund 1400 Frauen und 1200 Männer, was sie für wechseljahrestypische Symptome halten. 

Das Fazit: "Körper­liche Beschwerden und Schlafstörungen nehmen bei Frauen und Männern mit steigendem Alter zu." Doch nur Hitzewallungen und Schweißausbrüche stellten sich als spezifisch für die Wechseljahre der Frau heraus. Psychische Beschwerden wie Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Ängstlichkeit und Erschöpfung kommen dagegen in jedem Alter vor.

"Obwohl unter anderem Depressionen in dieser Lebensphase nicht häufiger auftreten, wird den Wechseljahren oft zu Unrecht ein Krankheitswert zugeschrieben", bedauert Weidner. Auch Endokrinologe Matthias Weber hält nichts davon, alle Frauen nach der Menopause pauschal zu Patientinnen zu machen: "Wir brauchen einen gesunden Mittelweg zwischen der Übertherapie harmloser Beschwerden und der Bagatellisierung ernster Symptome." 

Einfache Gegenmaßnahme: Ein gesunder Lebensstil

Zumal die Wechseljahre durchaus auch positive Seiten haben. Laut Gynäkologin Struck bietet diese Lebensphase die große Chance, Weichen neu zu stellen und Freiräume zu nutzen: "Statt Hormone zu schlucken, sollten Frauen überlegen, in was sie ihre Energie stecken wollen."

Da eine Hormontherapie auch Risiken birgt, sind Nutzen und eventuelle Nebenwirkungen gründlich abzuwägen. Zudem verschwinden die Hitzewallungen meist innerhalb weniger Jahre wieder. Oft helfen bereits einfache Maßnahmen: "Ab Mitte 40 fallen Lebensstilsünden stärker ins Gewicht", sagt Struck. Wer regelmäßig Alkohol, Nikotin und Kaffee konsumiere, müsse sich über Hitzewallungen nicht wundern.

Bei Gewichts­problemen rät die Ärztin zu gesunder Ernährung und viel Bewegung. Frauen ab Mitte 40 empfiehlt die Expertin zudem, sich alle zwei Jahre beim Hausarzt gründlich untersuchen zu lassen und einmal im Jahr die gynäko­­logische Krebsvorsorge zu nutzen. So werden mögliche Erkrankungen früh erkannt.

Pflanzliche Präparate als Alternative zur Hormonersatztherapie

Sie wollen keine Hormonpräparate einnehmen? Nach ärztlicher Rücksprache können Sie es mit pflanzlichen Alter­nativen versuchen.  

  • Hitzewallungen bessern sich durch Präparate mit Traubensilberkerze oder Sibirischem Rhabarber. Positive Effekte sind aber erst nach mehreren Wochen zu erwarten. 
  • Nervosität und Schlafstörungen sprechen oft gut auf pflanzliche Mittel mit Baldrian, Melisse, Passionsblume oder Lavendelöl an. 
  • Depressive Verstimmungen und Antriebslosigkeit lassen sich mit hoch dosierten Johanniskraut-Präparaten in den Griff kriegen. Ein Arzt sollte aber abklären, ob eine Depression dahintersteckt.

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Neue Medikamente gegen Tuberkulose



Die Tuberkulose kommt in Deutschland nur noch selten vor. Weltweit ist die Schwindsucht aber immer noch eine tödliche Bedrohung. Neue Arzneimittel sollen helfen

Das Röntgen der Lunge ist eine wichtige Untersuchung bei Tuberkuloseverdacht

Die Aufnahme auf dem Bildschirm zeigt eine Lunge. Irgendwo im oberen Bereich zeichnen sich helle Stellen ab, zarte Wolken im Schwarz-­Weiß-Grau des Röntgenbildes. Dr. Ulrich Krämer tippt mit dem Finger darauf. "Die da, die gehören da nicht hin." Helle Schatten, dunkle Flächen oder kleine weiße Punkte, die dem Berliner Radiologen verraten, dass es sich um Tuberkulose (TB) handelt. 

Die Infektionskrankheit ist ein alter Feind. Als Schwindsucht oder Weiße Pest gefürchtet, raffte die Volksseuche Millionen dahin – oft im Schlepptau von Kriegen oder Hungersnöten. Geschwächte Abwehrkräfte leisten dem Ausbruch Vorschub. Unbehandelt kann das Leiden Betroffene auszehren, bis es zu töd­lichen Lungen- oder anderen Organschädigungen kommt.

Tuberkulose in Deutschland: Selten, aber nicht verschwunden

Ende des 19. Jahrhunderts war die Schwindsucht die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Aber auch heute noch bekommen Mediziner, wie hier im Berliner Helios-Klinikum Emil von Beh­ring, Tuberkulosepatienten zu sehen. 5915 Erkrankungen registrierte das Robert-Koch-­In­sti­tut 2016 in Deutschland, in Berlin waren es 375. Das sind nicht viele. Nach den Kriterien der Welt­gesundheits­organisation WHO leben wir in einem "Niedrig-Inzidenzland".

"Tuberkulose ist bei uns eine seltene Erkrankung, die sich gut therapieren lässt", sagt Professor Torsten Bauer, Chefarzt der Lungen­klinik. Hier gibt es alles, was Ärzte für die Diagnose und Behandlung brauchen: eine Röntgenabteilung und ein modernes Labor, um den Erreger nachzuweisen. Die Medikamente für die Therapie. Doch Bauer, auch Generalsekretär des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose, weiß, dass damit nicht alle Probleme gelöst sind: "Besiegt ist die Tuberkulose nicht, sie war nie ganz verschwunden."

Auch wenn das zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten war. Auf der Station 52, untergebracht in einem separaten ­Gebäude, hängen Schwarz-Weiß-Fotos der ­alten Lungenklinik Heckeshorn: Kinder bei der Liegekur, Schwestern mit Häubchen, große Gebäude und Holzbaracken mit Hunderten Betten. Der Bedarf war in den Fünfzigerjahren groß. Etwa 50 000 Tuberkulosekranke gab es allein in Berlin.

Die multiresistente Tuberkulose ist eine neue Herausforderung

Heute lässt sich die Herausforderung nicht mehr an Fallzahlen festmachen. Eher an Tablettenboxen im Stationszimmer. Da sind solche, auf die die Pfleger nur bis zu vier verschiedene Medikamente verteilen. Und Patienten, deren Tagesdosis aus bis zu 20 Tabletten und einer Spritze besteht.

Diejenigen, die nur vier Tabletten bekommen, haben die medikamentensensible Form der Tuberkulose: Der Erreger spricht auf einen Cocktail aus vier verschiedenen Antibiotika an. Sie bekämpfen die Bakterien in unterschiedlichen Entwicklungsstufen, damit sie sich nicht weiter vermehren können. "Das ist eine seit Langem etablierte Therapie, die in den meisten Fällen relativ gut vertragen wird", sagt Oberarzt Dr. David Krieger. 

Ist der Erreger jedoch gegen die beiden wichtigsten Medikamente resistent, sprechen Experten von einer multiresistenten Tuberkulose oder MDR-TB. In Deutsch­land gibt es nicht viele TB-Patienten, die daran erkrankt sind – rund 2,7 Prozent. Sie werden in spezialisierten Zentren wie dem Berliner Helios-Klinikum behandelt, denn die Therapie bedeutet für Patienten und Ärzte eine Herausforderung. "Man muss sich mit den Nebenwirkungen auskennen, die Medikamente immer wieder anpassen und die Patienten über lange Zeit motivieren", sagt Krieger.

Es fehlen neue Medikamente

Was in Deutschland kompliziert, aber machbar ist, lässt sich anderswo schwer realisieren – etwa in Ländern der ehemaligen Sowjetunion, Teilen Asiens oder Afrikas, wo mittlerweile mehr als ein Drittel der Patienten an MDR-TB leidet. "Da hilft ihnen die schöne alte Standardtherapie leider nicht mehr", sagt Dr. Sebastian Dietrich. Er leitet bei "Ärzte ohne Grenzen" in Berlin Tuberkuloseprojekte in Ländern, die besonders betroffen sind.

Dass die Behandlung bis zu zwei Jahre dauert und quälend ist, trifft Menschen dort mit großer Härte: "Die Therapie stehen viele nur sehr schwer durch", sagt Dietrich. Was fehlt, sind neue Medikamente. Doch die Pharmafirmen hatten ihre Forschung auf dem Gebiet weitestgehend eingestellt. Die wichtigsten Mittel von heute sind deshalb eigentlich von gestern: Pyrazinamid, Isoniazid, Ethambutol und Rifampicin sind seit einem halben Jahrhundert im Einsatz.

Ist der Erreger gegen sie resistent, müssen andere Arzneien genutzt werden – weil es keine Alternativen gibt auch solche, die wegen ihrer Nebenwirkungen eigentlich längst in der Mottenkiste der Medizin gelandet waren, wie Dietrich sagt. Antibiotika, die Nieren oder Leber schädigen können. Wirkstoffe, die bei manchen Patienten Psychosen, Depressionen oder Schwerhörigkeit hervor­rufen. Trotzdem sind sie für die Behandlung unverzichtbar. Noch.

Pretomanid gilt als neue Hoffnung gegen die MDR-Tuberkulose

Erst 2014 wurden die Wirkstoffe ­Delamanid und Bedaquilin für die TB-Behandlung zugelassen. "Aber zwei Medikamente reichen leider nicht", sagt Dietrich. Neue Hoffnung verspricht PA-824, auch Pretomanid genannt. Es schädigt über den Stoffwechsel das Erbgut des Bakteriums. Die Rechte an dem Präparat kaufte vor einigen Jahren die TB Alliance, eine Art virtuelles und nicht profitorientiertes Pharmaunternehmen. Die Gelder kommen unter anderem von der Bill- und-Melinda-Gates-Stiftung, der EU, den USA und Spenden. Universitäten, Pharma- und andere Forschungseinrichtungen sind Teil des Netzwerks.

Pretomanid ist das erste Medikament, das die TB Alliance bis zu Zulassungs­studien gebracht hat. "Eine kürzere, einfachere und günstigere Therapie der multiresistenten TB, das wäre in diesen Ländern ein wichtiges Ziel", sagt Dr. Bern-Thomas Nyang’wa von "Ärzte ohne Grenzen". Er koordiniert von London aus die "TB-Practecal-Study", eine der größten Patientenstudien mit dem noch nicht zugelassenen Medikament.

Auch eine bessere medizinische Versorgung ist nötig

Dass sich die Hilfsorganisation an der TB-Alliance-Studie beteiligt, war ein ungewöhnlicher Schritt. Man sei schließlich kein Pharmaunternehmen, sagt Nyang’wa. "Leider gibt es niemand anderen, der solche Studien durchführt, deshalb machen wir es jetzt." 630 Patienten aus Usbekistan, Weißrussland und Südafrika sollen daran teilnehmen. Ein Teil davon wird sechs Monate lang mit einer Kombination der beiden neuen Antibiotika Bedaquilin und Pretomanid und drei bereits erprobten Medikamenten behandelt. Eine Kontrollgruppe erhält die bisherige Therapie, wie die WHO sie empfiehlt.

Ergebnisse werden erst für 2021 erwartet; die bisherigen Erfahrungen lassen jedoch Hoffnung aufkommen, dass das neue Behandlungsschema funktionieren könnte. Es wäre ein Zwischenziel. Händeringend gesucht werden auch ein neuer Impfstoff und Tests, um Resistenzen schneller zu ­­erkennen, etwa bei Kindern.

Doch selbst solche Forschungserfolge würden ohne bessere medizinische Versorgung wenig nützen. Tuberkulose ist überall auf der Welt die Krankheit, an der sich zeigt, wie Gesellschaften mit den Schwächsten umgehen, sagt Nyang’wa. "Da haben wir noch ­einen langen Weg vor uns."

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Schulterprobleme: Alternativen zur OP



Patienten mit chronischen Schulterbeschwerden wird oft zu einer Operation geraten. Doch Experten empfehlen mittlerweile, es zunächst mit konservativen Therapien zu versuchen

Beweglich bleiben: Durch gezieltes Training lassen sich Schulterschmerzen oft lindern – ohne Operation

Entzündete Sehnen und andere Weichteile sind sehr häufig die Ursache für hartnäckige Schulterschmerzen. Orthopäden empfehlen dann oft eine Operation gegen das sogenannte Schulterengpass-Syndrom. An dem Gelenk wird ein Stück Knochen entfernt, um unter dem Schulterdach mehr Platz zu schaffen. 

Solche Dekompressions-Operationen erfolgen häufig. Doch eine britische Studie zeigte vor Kurzem: Der chirurgische Eingriff bringt den meisten Betroffenen nicht viel. Für Dr. Ben Ockert war dieses Ergebnis wenig überraschend.

"Viele Schulterexperten stellen die alleinige Dekompression schon seit Längerem infrage, denn nur wenige Patienten werden dadurch wirklich beschwerdefrei", sagt der leitende Arzt der Sektion Schulter- und Ellenbogenchirurgie an der Universitätsklinik München.

Schulteengpass-Syndrom: Viele Ursachen möglich

Denn es gibt vielerlei Krankheiten, die ein Schulterengpass-Syndrom verursachen können. Zum Beispiel Kalkablagerungen oder kleine Risse in einer Sehne und Verklebungen in der Gelenkkapsel. Auch Muskelverspannungen und Fehlhaltungen können ein Engpass-Syndrom hervorrufen. 

In all diesen Fällen hilft ein Mix aus Physiotherapie, Bewegung und Medikamenten häufig am besten. Experte Ockert: "Die konservativen Maßnahmen sollte man zunächst ausschöpfen. Oft wird die Schulter dadurch wieder gut."

Regelmäßige Physiotherapie fördert die Selbstheilung

"Kurzfristige Termine bei einem Physiotherapeuten sind mittlerweile schwer zu bekommen", sagt Chirurg Ockert. Dennoch wären anfangs drei Einheiten pro Woche am besten. "Pa­tienten, die sofort intensiv in die Behandlung ­­eingebunden werden, haben einen Startvorteil."

Verschiedene Techniken machen das Gelenk beweglicher, lindern Schmerzen und Entzündungen. Bei Bedarf kommen auch Wärme und Strom zum Einsatz. "Diese Maßnahmen sollen den Körper dabei unterstützen, die Selbstheilung anzuregen", sagt Professor Thomas Horstmann. Der Chefarzt am Medical Park in Bad Wiessee ­leitet an der Technischen Universität München eine Forschergruppe für Konservative und Rehabilitative Orthopädie. 

Doch der Patient muss aktiv mitarbeiten. "Wichtig ist, dass er in der Physiotherapie die Anleitung bekommt, um selbst seine Schulter zu trainieren", sagt Horstmann. Er muss die Übungen unter professioneller Aufsicht durchführen, bis er sie beherrscht. 

Besserung durch tägliches Trainieren

"Die meisten Menschen vernachlässigen die Muskeln hinten am Rücken", sagt Horstmann. Etwa beim Autofahren oder am Schreibtisch: Immer arbeiten nur die Gegenspieler, die die Schulter nach vorne ziehen. Auch das Schultergelenk leidet unter diesen andauernden, ein­seitigen Belastungen

Doch Muskeln lassen sich trainieren, im besten Fall verschwinden Gelenkprobleme in der Folge. Etwa ein Engpass-Syndrom, bei dem Sehnen oder Weichteilgewebe im Gelenk eingeklemmt werden. Häufige Ursache des Übels: Der Oberarmkopf sitzt zu weit oben am Schulterblatt. Gezielte Übungen bringen ihn zurück in seine zentrale Position, das Gelenk kann wieder reibungslos arbeiten.

Ausdauertraining lindert die Beschwerden bei einer Kalkschulter

Für eine diagnostizierte steife Schulter oder Kalkschulter gibt es andere Programme. "Ein paar Daten zeigen, dass eine Kalkschulter besser wird, wenn die Patienten auch ihre Ausdauer trainieren, sodass der Körper stärker durchblutet ist", erläutert Horstmann.

Allerdings erfordert es einiges an Durchhaltevermögen, bis eine Linderung eintritt. Chirurg Ockert: "Das ist wie beim Klavierspielen. Darin wird man auch nicht gut, wenn man nur einmal in der Woche beim Unterricht übt." Der Experte empfiehlt für die Schulter täglich zweimal 20 Minuten Training über mehrere Wochen hinweg.  

Schmerzmittel und Kortikoide bei starken Beschwerden

Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac und Paracetamol helfen über Phasen mit starken ­Beschwerden hinweg. Ärzte und Apotheker beraten, welcher Wirkstoff sich am besten eignet. "Aber die Medikamente nicht länger als zwei bis drei Wochen in Eigenregie einnehmen", sagt Ockert.

Denn diese haben Nebenwirkungen und behandeln auch nicht die Ursache. Bessert sich der Zustand der Schulter nicht, sollte ein Orthopäde das Gelenk untersuchen.

Manchmal spritzt der Arzt auch ein entzündungshemmendes Kortikoid, ein örtliches Betäubungsmittel oder einen Mix aus beidem in die Schmerzzone. Damit sollte man es jedoch nicht übertreiben, denn Kortikoide können die Sehnen schädigen.

Ockert zum Beispiel injiziert frühestens nach drei Monaten ein zweites und nach einem Jahr ein drittes Mal. "Wenn dann die ­Beschwerden bleiben und andere konservative Maßnahmen nicht greifen, hilft oft nur noch eine Operation."

Vor der Operation kann Zweitmeinung sinnvoll sein

Einige Schulterprobleme erfordern eine Operation. Zum Beispiel Knochenbrüche, größere Risse in einem Rotatormuskel oder Gelenkschäden nach einer ­Verrenkung. Doch oft ist der Befund nicht so  eindeutig. Dann sollte man bei einer OP-Empfehlung in jedem Fall eine zweite Expertenmeinung einholen.

"Auch die Einschätzung eines nicht operierenden Orthopäden kann ­dabei helfen, eine gute Entscheidung zu treffen", sagt Horstmann. Dieser hat viel Erfahrung mit konservativen Therapien, kennt ­­deren Grenzen und hat kein Eigeninteresse an einer Operation.

Bevor ein Eingriff erfolgt, müssen die Ursachen des Gelenkleidens bekannt sein. Oft trägt das bild­gebende Verfahren der Magnetresonanz-Tomografie zu einer ­verlässlichen Diagnose bei. Erst wenn diese steht, kann die richtige Operation erfolgen – mit guten Aussichten, den Patienten von ­seinem Leiden zu befreien. Doch das gelingt nur selten, wenn man lediglich ein Stück Knochen entfernt und nicht auch die Problem­verursacher in der Schulter repariert.

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Warum sich Arthrose-Patienten zweimal überlegen sollten, ob sie diese oder andere gängige Spritzen in ihre schmerzenden Gelenke bekommen wollen

Knieuntersuchung: Arthrose kann Schmerzen verursachen

Als sich die Arthrose im Knie mit Schwellung und Schmerzen bemerkbar machte, hoffte er auf Linderung durch eine Spritze bei einem niedergelassenen Orthopäden. Der Patient Ende 50 bekam in das Gelenk eine Injektion mit Kortison. Nichts Besonderes. In deutschen Praxen eine alltägliche Prozedur.

Doch statt der erhofften schnellen Besserung eskalierten die Komplikationen. Mit der Spritze gelangten Keime in das Gelenk, es infizierte sich. Das Knie wurde mehrmals gespült, Antibiotika wurden verabreicht, irgendwann musste der Knorpel entfernt werden.

Das Gelenk war unbrauchbar geworden. Doch damit nicht genug. Bakterien hatten im Körper überlebt. Auch nach dem Einsetzen eines Kunstgelenks gab es weitere Entzündungen. Die Ärzte sahen keine Chance mehr, das Bein zu retten. Sie amputierten es.

Größte Katastrophe Amputation

"Wenn das nach einer Kortison-Spritze passiert, ist das eine Katastrophe", sagt die Orthopädin Christina Otto-Lambertz, die den Mann im Universitätsklinikum Köln behandelt hat. "Natürlich kommt das selten vor, aber dennoch besteht diese Möglichkeit." Sie warnt deswegen vor einem leichtfertigen Umgang mit Spritzen ins Knie und andere Gelenke.

Als Ärztin an einem großen Krankenhaus mit Maximalversorgung sieht sie Komplikationen nach Kortison-Injektionen häufig – im Gegensatz zu den niedergelassenen Orthopäden, die die Spritzen meistens gesetzt haben. Mit dem lokal verabreichten Wirkstoff wollen sie die akute Entzündung bei einer Arthrose bekämpfen. Treten ernsthafte Komplikationen auf, kümmern sich die großen Kliniken darum.

Otto-Lambertz ist überzeugt: "In Deutschland gibt es eine Übertherapie mit Kortison-Injektionen." Das liege nicht nur an den Ärzten, sondern auch an den Erwartungen der Patienten. "Es ist bei uns ganz fest in den Köpfen verankert, dass man beim Orthopäden eine Spritze bekommt, und danach muss es einem besser gehen."

Kortisonspritzen werden bereits seltener eingesetzt

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) weist darauf hin, dass den Ärzten das Problem bewusst sei. Der früher weitverbreitete Einsatz sei bereits zurückgegangen. "Kortison sollte bei Arthrose sehr zurückhaltend eingesetzt werden. Nur bei einem akuten Entzündungsschub und unter sorgfältiger Abwägung der Vor- und Nachteile", sagt der Orthopäde Professor Philipp Niemeyer von der DGOU.

Laut dem Institut für medizinische Statistik IQVIA sind Kortison-Injektionen durch Orthopäden in den vergangenen drei Jahren leicht rückläufig. Von Dezember 2016 bis November 2017 erfolgten durch Orthopäden 387 000 Kortikoid-Injektionen bei Kassenpatienten. Das sind fünf Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Zum Einsatz kommen die Injektionen bei den Orthopäden nicht nur bei Arthrosen, sondern auch bei Rückenschmerzen, Schulterverletzungen oder Sehnen­ansatz-Problemen.

Risiken bei Kortisonspritzen


Risiko Infektion: Mit der Injektion können Keime in den Körper gelangen

Risiko Knorpel: Kortison-Injektionen können die Knorpelmasse reduzieren

Risiko Hormone: Häufige Kortison-Injektionen können die körpereigene Kortison-Produktion stören

Studie: Nach Kortisonspritze Knorpel dünner

Bei Kortison-Injektionen in Gelenke kann der Knorpel leiden. Dafür gab es schon länger Hinweise. Nun erregte eine 2017 im Fachblatt JAMA veröffent­­lichte Studie Aufsehen. Die Autoren verglichen Injektionen in die Knie­­gelenke von Arthrose-Patienten – entweder mit dem Kortikosteroid Triamcinolon oder mit Kochsalzlösung. Zwei Jahre lang bekamen die 140 Teilnehmer alle drei Monate jeweils eine Spritze.

Das Ergebnis: Es gab keinen signifikanten Unterschied beim Knieschmerz. Aber wer mit Kortison behandelt worden war, hatte im Schnitt einen um 0,21 Millimeter dünneren Knorpel. In der Vergleichsgruppe hatte das Gelenkpolster nur um 0,10 Millimeter abgenommen.

Schmerz durch Spritze nur kurzfristig verringert

Damit ergänzt die Studie eine 2015 veröffentlichte Übersichtsarbeit des renommierten Cochrane-Netzwerks zu Kortison-Injektionen bei Kniearthrose, für die Studien mit 1767 Teilnehmern ausgewertet wurden. Die Autoren kommen zu einem ernüchternden Ergebnis.

Nach kurzfristiger Schmerz­reduktion von üblicherweise ein bis zwei Wochen zeigten größere, sorgfältiger durchgeführte Studien keinen statistisch aussagekräftigen Effekt mehr.

Schwache Belege für die Wirksamkeit

"Wir waren selbst überrascht, wie schwach die Belege für die Wirksamkeit sind", sagt der Hauptautor Professor Peter Jüni. Der Schweizer leitet das Zentrum für Klinische Forschung am St. Michael’s Hospital an der Universität Toronto (Kanada).

Wie konnte sich die Methode dennoch so stark durchsetzen? "Das ist eine althergebrachte Therapie, die eingeführt wurde, bevor es große, nach heutigen wissenschaftlichen Standards durchgeführte Studien gab", sagt Jüni.

Kortison schwächt lokal die Abwehr

Bei jeder Injektion – und auch bei sorgfältiger Desinfektion – können Keime in den Körper gelangen. Bei Kortison ist die Gefahr noch etwas größer, weil es die lokale Immunabwehr schwächt. Wie groß das Risiko für Infektionen und andere Komplikationen nach einer Kortison-Injektion ist, kann leider nicht genau bestimmt werden. Experten schätzen die Gefahr dafür auf maximal zwei Prozent.

Nur ein Bruchteil von Patienten mit unerwünschten Folgen einer Therapie beschwert sich offiziell wegen eines Behandlungsfehlers. "Man schätzt, dass es nur 1,5 bis drei Prozent zur Anzeige bringen", sagt Gerhard Schillinger, der bei der AOK den Bereich Medizin leitet.

Auswertung falsch verabreichter Kortisonspritzen

Für eine 2012 im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichte Studie untersuchten Otto-Lambertz und weitere Autoren Komplikationen nach Kortikoid-Injektionen und werteten dafür 278 einschlägige Fälle der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen aus den Jahren 2005 bis 2009 aus.

Dabei entdeckten sie folgende Fehler: Die Behandler achteten nicht ausreichend auf Hygiene, die Kortison-Injektion war dem Krankheitsbild nicht angemessen, die Injektionen wurden in zu dichter Folge und zu hoher Dosis verabreicht, sie landeten nicht an der richtigen Stelle. Infektionen wurden verkannt und die Patienten nicht über die Risiken aufgeklärt.

Dabei ging es auch um Kortison-Injektionen in die Wirbelsäule bei Rückenschmerzen und Depot-Injektionen in den Po-Muskel bei Allergien. "Wenn eine Infektion der Bandscheiben entsteht, kann sich diese bis in den Rückenmarkskanal fortsetzen und zu weiteren Komplikationen führen, wie etwa Lähmungen", sagt Otto-Lambertz.

Ein typisches Problem bei der Spritze in den Po-Muskel: Der Wirkstoff landet nicht im Muskel, sondern bleibt im darüberliegenden Fettgewebe. Dann kann das Gewebe an der Stelle absterben und große, hässliche Dellen hervorrufen.

Hyaluronsäure als Alternative?

Viele Orthopäden spritzen heute lieber Hyaluronsäure zur Hemmung der Entzündung. Die Kosten werden von der Krankenkasse nicht übernommen. Für die Ärzte ist die Abrechnung als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) ohnehin attraktiver.

Viele Orthopäden sind von den positiven Effekten überzeugt – trotz widersprüchlicher Studienergebnisse. Große Uni-Kliniken stehen der Viscosupple­mentation (Hyaluronsäure, die in Gelenke gespritzt wird) jedoch eher skeptisch gegenüber. "Ich kenne Patienten, die sagen, dass es ihnen etwas gebracht hat. Ihnen geht es danach drei bis vier Monate gut. Aber andere sagen, dass sie keine Verbesserung dadurch spüren", sagt der Orthopäde Dr. Arnd Steinbrück, Oberarzt in der Orthopädie des LMU-Klinikums in München-Großhadern.

Er selbst wendet Hyaluronsäure nicht an. Immerhin schadet die Substanz im Gegensatz zu Kortison dem Knorpel nicht. Es ist aber keine "Knorpelaufbauspritze", wie oft behauptet wird. "Das wäre zu viel versprochen", sagt Orthopäde Niemeyer.

Plättchenreiches Plasma als weitere Option

Immer mehr Orthopäden setzen auch auf sogenanntes Plättchenreiches Plasma (PRP). Dabei wird dem Patien­ten Blut entnommen, es wird zentrifugiert, und dann werden die Blutplättchen (Thrombozyten) in das Gelenk injiziert. Auch bei dieser Methode berichtet ein Teil der Patienten von einem Gefühl der Besserung. Arthrose-Betroffene sollten wissen, dass das Verfahren deutlich weniger erforscht ist als die Viscosupplementation. Und diese ist weiterhin umstritten.

Wissenschaftler Jüni arbeitet derzeit an der Aktualisierung einer Cochrane-Übersicht. Die letzte Auswertung von 89 Studien ergab, dass die Methode so gut wie wirkungslos ist. Denn: Nur kleinere, methodisch minderwertige Studien, die eine geringe Aussagekraft haben, belegen positive Effekte. Große, methodisch bessere Studien zeigen keinen Effekt.

Nebenwirkungen möglich

Zudem kann es bei Injektionen mit Hyaluronsäure oder PRP zu Infektionen und anderen Nebenwirkungen kommen. Das Fazit von Forscher Jüni: "Arthrose-Patienten sollten unbedingt alle anderen Therapie-Möglichkeiten ausschöpfen."

Was man selbst tun kann

Bevor Arthrose-Betroffene sich Spritzen in ihre Gelenke geben lassen, sollten sie dies tun:

  • Wer zu dick ist, sollte unbedingt abnehmen, um die Gelenke zu entlasten. Ratsam sind auch orthopädische Einlagen, um Fehlstellungen auszugleichen, sowie Physiotherapie. Mit Übungen kann das Muskelkorsett gestärkt werden.
  • Bei akuten Schmerzen sollte das Gelenk geschont, hoch gelagert und gekühlt werden. Vorübergehend können Schmerzmedikamente, wie Ibuprofen, oder auch verschreibungspflichtige stärkere Schmerzmittel eingenommen werden.

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