Dickmacher: Schlafmangel steigert Gier nach Junkfood

Nach einer viel zu kurzen Nacht mit Heißhunger auf Schokolade, Burger und anderes Junk-Food zu reagieren, hat offenbar weniger mit den Hormonen zu tun, als bislang angenommen. Forscher fanden heraus, dass der „Müdigkeitsappetit“ ganz anders entstehen könnte.

Wer nach dem Marathon aus Weihnachtsfeiern, Weihnachten und Silvester ein paar Pfunde mehr auf die Waage bringt, ist ziemlich sicher der Versuchung von Punsch, Lebkuchen und Bratwürsten erlegen. Und kann wahrscheinlich nicht einmal etwas dafür. Denn lange Abende und der fehlende Schlaf spielen vermutlich eine entscheidende Rolle, wenn der Appetit nach Junkfood oder Süßem nicht zu bremsen ist.

Das Belohnungssystem im Gehirn wird aktiviert und steigert die Lust auf Junkfood

Neurowissenschaftler der Universität zu Köln beschreiben im Journal of Neuroscience, weshalb Schlafmangel zu Heißhunger führt. Der Schlafentzug aktiviere das Belohnungssystem im Gehirn, das das Verlangen nach Junkfood befeuert. Schon eine durchgemachte Nacht reicht, dass ungesundes Essen wesentlich attraktiver erscheint, als eine gesunde Mahlzeit.

Die Wissenschaftler bauten bei ihren Untersuchungen auf Erkenntnissen auf, dass es einen Zusammenhang von Schlafstörungen mit Übergewicht und Typ 2-Diabetes gibt. Als Ursache dafür wurde bisher häufig der Hormonhaushalt gesehen, der durch den Schlafmangel durcheinander gerate und deshalb den Heißhunger auf Süßes oder Fettiges wecke. Nach der neuen Studie spielen die Hormone kaum eine Rolle, dafür die Amygdala des Gehirns. Das ist der Ort, an dem die Belohnung für Nahrung verarbeitet wird.

Schlafen oder durchmachen beeinflusst die Lust auf Essen

Bei einem Test bekamen 32 gesunde Männer im Alter zwischen 19 und 33 Jahren Pasta, Schnitzel, einen Apfel und Erdbeerjoghurt zum Abendessen. Anschließend wurde eine Gruppe nach Hause geschickt und ihr Schlaf gemessen. Die andere Gruppe blieb die ganze Nacht lang wach. Am folgenden Morgen kamen alle wieder zusammen und bestimmten ihren Hunger und Appetit-Level, zudem wurden der Blutzucker und der Hormonspiegel gemessen. Im Anschluss ging es um ihr subjektive Empfinden zu Lebensmitteln. Sie sollten angeben, wie viel Geld sie bereit wären für bestimmte Dinge zu bezahlen, die ihnen gezeigt wurden – darunter 24 Snacks. Dabei wurden ihre Gehirnströme im MRT gemessen.

Nach weiteren Tests ergab sich, dass alle Teilnehmer – ob mit oder ohne Schlaf – am Morgen in etwa gleich hungrig waren. Sie hatten auch ähnliche Blutzucker- und Hormonspiegel. Doch die Testpersonen, die nicht geschlafen hatten, hätten mehr Geld für Schokoriegel ausgegeben.

Schokoriegel setzen das Belohnungssystem im Hirn in Gang

"Diesen Effekt konnte man aufgrund der bisherigen Studienlage erwarten“, beschreibt der Neurowissenschaftler Jan Peters. Allerdings seien eben nicht Hormone dafür verantwortlich, wie die Blutanalysen zeigten. MRT-Bilder machten verstärkte Aktivitäten in den Gehirnregionen Amygdala und Hypothalamus sichtbar. Schon eine Nacht Schlafentzug löse einen Kreislauf aus, der ein auf Essen gepoltes, neuronales Belohnungssystem in Gang setze. Das Angebot von Snacks wirkte wie ein Belohnungsreiz.

Warum diese Regionen bei übernächtigten Menschen stärker aktiviert werden, müsse in weiteren Versuchen geklärt werden.

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