Wer Fruchtsaft trinkt, stirbt früher? Das steckt hinter der US-Schock-Studie

Wer Fruchtsaft trinkt, stirbt früher? Das steckt hinter der US-Schock-Studie

2019-05-22

In Fruchtsäften stecken viele gesunde Vitamine, aber auch jede Menge Fruchtzucker. Experten raten daher von einem übermäßigen Konsum ab. Doch sind Fruchtsäfte wirklich so schlimm, wie US-Forscher nun behaupten? Sie fanden heraus: Fruchtsäfte verkürzen die Lebenszeit – und zwar stärker als Soft Drinks.

Wollen Hersteller ihr Getränk "Fruchtsaft" nennen, dürfen sie keinen zusätzlichen Zucker hinzufügen. Das Getränk muss zu 100 Prozent aus Früchten bestehen. Trotzdem enthalten manche Fruchtsäfte so viel Zucker wie ein Soft Drink. Schuld daran ist der natürliche Fruchtzucker des verwendeten Obst, auch Fruktose genannt.

Ein weiteres Manko der Getränke: Sie enthalten weniger gesunde Inhaltsstoffe als frisches, rohes Obst – etwa weniger Ballaststoffe und weniger sekundäre Pflanzenstoffe. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt daher maximal 200 Milliliter Fruchtsaft pro Tag, also ein kleines Glas.

Fruchtsaft gefährlicher als Soft Drinks?

Obwohl Experten schon länger von einem exzessiven Fruchtsaft-Konsum abraten, überrascht nun eine Studie aus den USA: Sie stellt Fruchtsäfte als potenziell lebensgefährlich dar. Ein Forscherteam aus Atlanta hatte sowohl gezuckerte Soft Drinks als auch Säfte mit 100 Prozent Fruchtgehalt unter die Lupe genommen und war zu dem Schluss gekommen: Beide verkürzen die Lebensdauer – Fruchtsäfte sogar noch drastischer als Limonade.

Konkret steigere ein großes Glas Fruchtsaft (350 Milliliter) täglich das Risiko, frühzeitig zu sterben, um 24 Prozent. Ein entsprechendes Glas Limonade, etwa Cola oder Fanta, erhöhe das Risiko dagegen nur um elf Prozent. So weit die Ergebnisse der aktuellen Studie. Hierfür hatten die Forscher Daten von 13.440 Erwachsenen ab 45 Jahren analysiert.

Studie mit großen Mängeln

Jeder Proband hatte einen Fragebogen zu seiner Ernährung ausgefüllt. Darauf hatte er zu 110 vorgegebenen Lebensmitteln und Getränken angeben können, wie häufig er jenes konsumierte. Das große Problem: Die Probanden füllten den Fragebogen nur ein einziges Mal zu Beginn der Studie aus. Ob sich ihr Ess- und Trinkverhalten im Laufe der kommenden Jahre veränderte, erfuhren die Wissenschaftler nicht.

Auch ob die Probanden wahrheitsgetreu antworteten oder ihre Ernährung möglicherweise besser darstellten als sie war, lässt sich bei dieser Art der Befragung unmöglich herausfinden.

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Sechs Jahre nach Studienbeginn kontaktierten die Forscher die Probanden erneut. Nun wollten sie wissen, wer in der Zwischenzeit gestorben war und ob deren Tod in Zusammenhang mit ihrer Ernährung stehen könnte – speziell mit ihrem Konsum von Soft Drinks beziehungsweise Fruchtsäften. Rein statistisch zeigte sich tatsächlich die genannte Korrelation.

Allerdings waren zu diesem Zeitpunkt erst 1168 Probanden gestorben – eine relativ geringe Anzahl, um einen sicheren Zusammenhang zwischen Todesursache und Getränkekonsum herzustellen.

Fazit

Wie sich einzelne Lebensmittel oder Getränke auf die Gesundheit eines Menschen auswirken, ist extrem schwer zu erforschen. Möglicherweise ernähren sich Menschen, die gerne zu Fruchtsäften oder Limonaden greifen, generell ungesünder als Menschen, die vorzugsweise Wasser trinken. Sterben Sie früher als der Durchschnitt, muss das nicht speziell am Fruchtsaft liegen, schuld kann die gesamte Ernährung sein.

Generell sind Fruchtsäfte wesentlich gesünder als etwa Fruchtnektar, Fruchtsaftschorle oder Fruchtsaftgetränke, da sie deutlich mehr Frucht und keinen Haushaltszucker enthalten. Mehr als ein Glas sollten Sie trotzdem nicht pro Tag trinken. Nehmen Sie wichtige Vitamine und Nährstoffe lieber durch rohes oder schonend gegartes Obst zu sich.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt die Vorteile:

  • Frisches, ganzes Obst hat mehr Ballaststoffe und mehr sekundäre Pflanzenstoffe als Fruchtsaft.
  • Ganzes Obst hat in der Regel weniger Kalorien.
  • Obst hat ein höheres Volumen und trägt dadurch stärker zur Sättigung bei.
  • Auch das lange Kauen im Gegensatz zum schnellen Herunterschlucken von Säften trägt zu einem besseren Sättigungseffekt bei.
  • Wer einen knackigen Apfel isst, hat ein „Kauerlebnis” und eine größere geschmackliche Varianz als bei einem Fruchtsaft.
  • Besonders bei Kindern ist der Bezug zu Lebensmitteln in ihrer natürlichen Form wichtig. Dieser geht verloren, wenn Obst nur in Form von Fruchtsäften konsumiert wird.
  • Und gut für die Umwelt: Obst braucht keine Verpackung.

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