Wir sind süchtig nach Kohlenhydraten! Warum die Low-Carb-Ernährung so schwer fällt

Forscher haben die Low-Carb-Ernährung gerade zum besten Prinzip erklärt, um ein gesundes Gewicht zu halten. Lieblingsessen wie Currywurst, Pizza und Kuchen sind dabei eigentlich tabu. Damit der Verzicht leichter fällt, dürfen wir gelegentlich sündigen.

Wenn von Low-Carb die Rede ist, ist eine Ernährung gemeint, die weitgehend auf „carbs“, also Kohlenhydrate, verzichtet – zumindest auf die schnell verwertbaren, die nicht lang satt und dick machen: Nudeln, Weißbrot, Kuchen und Zucker. Die guten Kohlenhydrate, vor allem Gemüse und Vollkorn, sind durchaus willkommen – als Begleitung von magerem Fleisch und Fisch, gedünstet oder in gutem Pflanzenöl gebraten.

Wer dem Low-Carb-Prinzip konsequent folgt, kann nicht nur gesund abnehmen, sondern das neue Gewicht auch dauerhaft halten. Letzteres hat eine Ernährungsstudie nachgewiesen, die im November 2018 im Fachmagazin „BMJ“ veröffentlicht wurde.

Low-Carb-Diät verbrennt besonders viele Kalorien

Die Studie unter er Leitung von Ernährungsmediziner David Ludwig von der Universität Harvard fand heraus, dass eine Low-Carb-Diät am besten hilft, nach dem Abnehmen auch schlank zu bleiben. Nach fünf Monaten Low-Carb-Diät verbrannten die Probanden täglich 250 Kilokalorien mehr als die Kontrollgruppe, die eine Low-Fat-Diät machte. Der Spiegel des Hunger-Hormons Ghrelin lag durch den Kohlenhydratverzicht besonders niedrig. Das kurbelte den Stoffwechsel an und half, den Jojo-Effekt nach der Diät zu vermeiden.

Eine Zucchini ersetzt keine Zuckerwatte

So erfolgversprechend Low-Carb als Diät und Ernährungsprinzip ist, es gibt einen Haken: Es sind oft die „verbotenen“ Kohlenhydrate, die uns besonders gut schmecken, zufrieden und glücklich machen. Und: Es fällt schwer, nur davon zu naschen, also zum Beispiel nur eine Schokoladenrippe zu essen statt die ganze Tafel. So wird aus einem heftigen Verlangen leicht ein unkontrolliertes Futtern.

Diese Lust hat viel mit Kindheitserfahrungen zu tun, mit Geschmackserlebnissen wie Fischstäbchen mit Pommes, Spaghetti Bolognese oder Nuss-Nougat-Creme auf Rosinenbrötchen. Oft gab es damals auch etwas Süßes oder ein Lieblingsessen als Belohnung oder zum Trost. Das wirkt auch bei Erwachsenen, wenn sie gefrustet sind: Sie greifen dann zum Schokopudding, nicht zu Gemüsesticks.

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Und die Vorliebe für Süßes, Cremiges und Weiches – alles Kohlenhydrate und Stärke – bekommen wir schon in die Wiege gelegt. Säuglinge nuckeln an der süßlichen Muttermilch und sind für alle Zeiten auf zuckrig programmiert.

Schnell verwertbare Kohlenhydrate und Insulin – ein Teufelskreis

Und dann ist da die Sache mit dem Insulin. Das Hormon signalisiert den Fettzellen, Fett zu speichern. Außerdem wird die Insulinausschüttung nach einem Essen maßgeblich von den verspeisten Kohlenhydraten bestimmt, besonders von den leicht verdaulichen Teigwaren, Stärken und Zucker  – genau die Basis der Produkte, nach denen wir oft so ein besonderes Verlangen verspüren. Schon eine kleine Menge Carbs regt die Insulinausschüttung an. Und je mehr Insulin ausgeschüttet wird, umso mehr verlangt unser Körper nach Kohlenhydraten – ein Teufelskreis.

Fett statt Kohlenhydrate – und kein Kalorienzählen

Ernährungsmediziner David Ludwig schlägt als Ausweg aus der unbändigen Lust auf Kohlenhydrate einen Nährstoff vor, der auch keinen guten Ruf hat: Fett. Denn: Es macht satt und hat keinerlei Einfluss auf die Insulinausschüttung. Er meint damit aber nicht Butter und Speck, sondern hochwertige Pflanzenöle, Nüsse, fetten Fisch oder Avocados. „Mit gesunden Fetten lassen sich Heißhungerattacken überwinden“, sagt der überzeugte Anhänger der Low-Carb-Ernährung.

Wer sich an das Prinzip hält, muss auch nicht ständig Kalorien zählen – und darf sich zwischendurch auch mal eine Kohlenhydrat-Bombe vom Pizzabäcker oder aus der Konditorei leisten.

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