Arzt leitet an Münchner Klinik acht Jahre lang Abteilung – obwohl er gar kein Arzt ist

Arzt leitet an Münchner Klinik acht Jahre lang Abteilung – obwohl er gar kein Arzt ist

2019-05-24

Am Münchner Klinikum rechts der Isar hat angeblich jahrelang ein Arzt gearbeitet, der keiner ist, berichtet die Süddeutsche Zeitung (Samstagsausgabe). Seit 2011 schon leitet der 44-Jährige die Experimentelle Unfallchirurgie des Klinikums der TU München. Dort betreibt er vornehmlich Forschung, für die er nicht Arzt sein muss; er war nach SZ-Informationen mutmaßlich aber auch an Operationen beteiligt und hat Medizinstudenten geprüft.

Dabei hat der gebürtige Niederländer offenbar niemals die Approbation als Arzt erhalten und auch nicht Medizin studiert. Er ist vielmehr an der Universität Leiden in „Biomedizinischen Wissenschaften“ ausgebildet worden – einem naturwissenschaftlichen Studiengang, der viel Wissen über den menschlichen Körper vermittelt, aber mit Klinik und Patientenversorgung nichts zu tun hat.

Gilt als Forscher als hochkompetent

Das Klinikum konnte die Frage, ob Patienten durch die Mitarbeit des Mannes gefährdet wurden, zunächst nicht beantworten ­– man habe „den Sachverhalt noch nicht umfassend prüfen“ können. Der Professor sei als wissenschaftlicher Mitarbeiter eingestellt worden, für diese Position sei dem Klinikum zufolge „keine Approbation als Arzt erforderlich“. Der 44-Jährige flog offenbar auf, weil eine Doktorandin eine spezielle Genehmigung von ihm gebraucht hätte, die nur ein approbierter Arzt einholen kann.

Bei den Kollegen im Klinikum rechts der Isar ist der vermeintliche Arzt beliebt ­– als Forscher gilt er als hochkompetent. Was ihn dazu brachte, sich als Arzt auszugeben, ist unklar, der Mann äußerte sich dazu nicht. Naheliegend wäre, dass der medizinische Titel seine Karriere befördert hat. Im Klinikbetrieb haben Naturwissenschaftler bei aller Kompetenz häufig das Nachsehen – selbst wenn es um Forschung geht, für die sie oft besser ausgebildet sind als Ärzte.


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