Alle lachten über den riesigen "Bierbauch". In Wahrheit war es ein 35 Kilo schwerer Tumor.

Hector Hernandez aus dem US-Bundesstaat Kalifornien bezeichnet sich selbst als „big guy“ – als einen „großen Jungen“. Der 47-Jährige war nie richtig schlank. Vor allem an seinem Bauch schien sich ungewöhnlich viel Fett anzulagern. T-Shirts spannten über der runden Kugel. Das Fett quoll über den Hosenbund und ließ Hernandez in der Silhouette wie ein „D“ wirken.

Als er seinen Hausarzt auf den runden Bauch ansprach, winkte dieser ab. Das sei Veranlagung, Menschen würden Fett eben an unterschiedlichen Körperstellen anlagern. Hernandez nahm immer weiter zu, knackte die 300 Pfund-Grenze (rund 136 Kilogramm). „Ich dachte, ich sei einfach nur fett““, berichtet der 47-Jährige der „Washington Post“. Auf Partys begannen seine Freunde, sich über den riesigen „Bierbauch“ lustig zu machen. Dabei, so sagt Hernandez rückblickend, habe er eigentlich nie viel Bier getrunken.

Herzstechen und Verstopfungen – Bierbauch entpuppt sich als Tumor

Dem 47-Jährigen fallen weitere Ungereimtheiten auf: Zum Beispiel, dass sich sein Bauch ungewöhnlich „hart“ und „schwer“ anfühlt. Außerdem leidet er unter regelmäßig unter Verstopfung, hat immer wieder Probleme beim Atmen und Herzstechen. Hernandez entscheidet sich, eine zweite ärztliche Meinung einzuholen – und sollte Recht mit seinen Bedenken behalten: Der vermeintliche Bierbauch entpuppt sich als riesiger, 35 Kilo schwerer Tumor.

Hector Hernandez leidet an einem Liposarkom, einem sehr seltenen, bösartigen Tumor, der sich in den Fettzellen bildet. Tumore dieser Art können überall im Körper auftreten, typischerweise aber an den Gliedmaßen oder im Bauchraum. Es gibt verschiedene Arten von Liposarkomen: Einige wachsen sehr langsam und bleiben auf einen bestimmten Bereich begrenzt. Andere dagegen wachsen sehr schnell und neigen dazu, Metastasen zu bilden. 

Der Kalifornier wurde diesen Sommer an der „Keck School of Medicine“ (University of Southern Califonia) operiert. Die Mediziner dort waren verblüfft über die Größe des Tumors. Üblicherweise entfernen sie Liposarkome, die zwischen 20 und 30 Pfund wiegen. 

In einer mehrstündigen Operation entfernten sie das mutierte Gewebe und eine Niere, die beschädigt war. Hernandenz hatte großes Glück: Der Tumor hatte weitere Organe und die großen Blutgefäße verschont. Der 47-Jährige befindet sich derzeit auf dem Weg der Besserung und braucht wohl keine Chemotherapie oder Bestrahlung. Regelmäßige Kontrolltermine sollen sicherstellen, dass der Tumor nicht unbemerkt wiederkehrt.

Zwar muss er sich von dem Eingriff noch erholen, doch er fühlt sich bereits „wie ausgewechselt“, sagt der 47-Jährige. Er habe mehr Energie und sei um etliche Pfund leichter. Hector Hernandez, der „big guy“, sieht sich nun als großen Glückspilz.


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Wie lange sind Weine haltbar?

Wie lange sind Weine haltbar? Nicht jeder Wein hat das Zeug dazu, im Alter an Wert zu gewinnen. Im Gegenteil: Die meisten Weine werden so hergestellt, dass sie sofort – und das bedeutet jung – getrunken werden müssen. FOCUS Online erklärt, wie lange Weine sich halten.

Die meisten Weine sind nur begrenzt lagerfähig. Wie lange sie haltbar sind, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Säure- und Alkoholgehalt spielen dabei ebenso eine wichtige Rolle wie die Rebsorte. Einen Anhaltspunkt für die Lagerfähigkeit eines Weines ist der Preis: Je teurer der edle Tropfen ist, desto eher lässt er sich auch lagern. Eine Garantie für eine lange Lagerfähigkeit ist aber auch der höhere Preis nicht.

Weine werden heute jung konsumiert

Nur rund fünf bis zehn Prozent aller produzierten Weine werden heute überhaupt noch für eine längere Zeit gelagert. Die meisten Rebsäfte können bereits kurz nach der Abfüllung getrunken werden – und sollten innerhalb von zwei Jahren konsumiert werden. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Nur die wenigsten Kunden verfügen überhaupt über eine geeignete Lagerstätte. Das bedeutet, die Wenigsten haben einen wohltemperierten Weinkeller. Ob und wie lange sich ein Wein aufbewahren lässt, hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Alkoholgehalt: Alkohol ist ein sehr gutes Konservierungsmittel und tötet Bakterien ab. Je mehr Alkoholgehalt ein Wein aufweist, desto eher ist er lagerfähig. Mindestens 12,5 Prozent sollten es sein. Einen Hinweis gibt auch der Ausbau des Weines: Im Barriquefass gereifte Weine haben meist einen Alkoholgehalt von rund 13 Prozent und sind somit gut lagerfähig.
  • Zuckergehalt: Auch Zucker wirkt konservierend, weswegen Auslesen, Beerenauslesen und Eisweine meist länger haltbar sind. Hier kann der Alkoholgehalt vernachlässigt werden.
  • Tanningehalt: Gerbstoffe machen Wein ebenfalls haltbar.
  • Säuregehalt: Viel Säure, vor allem im Weißwein, sorgt für eine längere Haltbarkeit des Weins, da sie das Wachstum von Bakterien verhindert.
  • Sulfite: Heute werden dem Wein häufig Sulfite zugesetzt, um ihn haltbarer zu machen. Die schweflige Säure vermindert Essigsäurebakterien und schützt den Wein vor Oxidation. Da Sulfite im Verdacht stehen, Allergien auszulösen, wird nach Alternativen gesucht. Mittlerweile haben Forscher Wein durch kalte Pasteurisierung haltbar gemacht.
  • Rebsorte: Manche Rebsorten lassen sich besser lagern als andere. Bei Rotweinen sind das vor allem die Sorten Cabernet Sauvignon, Nebbiolo, Sangiovese oder Syrah. Rote Weine aus dem Burgund oder aus Bordeaux zeichnen sich in der Regel durch eine gute Lagerfähigkeit aus. Bei Weißweinen sollten Sie zum Grünen Veltliner und zu säurebetonten Riesling greifen.

Wie lange ist Wein lagerfähig?

Leider wird auf Weinflaschen kein Mindesthaltbarkeitsdatum aufgedruckt, das dem Verbraucher einen Anhaltspunkt liefern würde, wie lange er mit dem Öffnen der Flasche warten kann. Im Folgenden sind einige Richtwerte aufgeführt:

  • Qualitätswein sollten Sie möglichst nicht lange lagern, sondern spätestens nach ein bis drei Jahren konsumieren. Ist der Wein sehr säurebetont, kann sich seine Lagerfähigkeit auf sechs Jahre erhöhen.
  • Kabinettwein hält sich nur ein bis zwei Jahre und als sortenreiner Riesling bis zu vier Jahre.
  • Spätlesen sind drei bis fünf Jahre lagerfähig und Auslesen vier bis sechs Jahre. Beerenauslesen können sogar bis zu zehn Jahre aufbewahrt werden.

Wie wird Wein richtig gelagert?

Am besten lagern Sie Ihren Wein in einem kühlen und feuchten Keller. Ideal ist eine Temperatur von 10 bis 12 Grad. Wenn Sie keinen Keller haben, ist ein Weinklimaschrank die Alternative. Auch unterm Bett im Schlafzimmer kann Wein gelagert werden, so das Deutsche Weininstitut. Temperaturen über 20 Grad und Lichteinfall müssen auf jeden Fall vermieden werden. Weine, die mit einem Korken verschlossen sind, sollten liegend gelagert werden, damit der Korken feucht bleibt. Weine mit Kunststoffkorken oder Schraubverschluss können Sie bedenkenlos im Stehen aufbewahren. Wenn der Wein einmal geöffnet ist, sollten Sie ihn mit einem Korken verschließen und in den Kühlschrank stellen. Oder einfach austrinken.


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Wie Erwachsene mit Herzfehlern leben



Die Zahl der Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler steigt. Viele werden nicht richtig betreut

Nachsorge: Jedes halbe Jahr wird bei Steffen W. der Blutfluss im Herzen per Ultraschall überprüft

Wissen Sie, was das Schlimmste ist? Das mit den Haaren." Steffen W. verzieht das Gesicht und sagt "Autsch!", während Ambulanzleiterin Christina Knichwitz eine Elektrode nach der anderen von seiner Brust zupft. Belastungs-EKG. "Das macht sie wieder besonders gerne", meint W. "Steffen, da musste durch", antwortet Knichwitz. Beide lachen.

Man kennt sich, hier in der Klinik für Angeborene Herzfehler und Klappenerkrankungen am Uniklinikum in Münster (UKM). Schließlich kommt der Fachwirt für Versicherungen und ­Finanzen (30) seit zehn Jahren zur Kontrolle. Fast genauso lange, wie es die Klinik gibt.  Ein Foto von ihm auf dem Ergometer hängt im Kaffeezimmer der Station. Zu jedem Untersuchungstermin bringt er Kekse mit. Die Mitarbeiter der EMAH- Station bezeichnet er als zweite Familie. Die kümmert sich um sein Herz. Bei allem Geschäker eine existenzielle Angelegenheit – und eine hochemotionale.

EMAH ist die Abkürzung für Erwachsene mit angeborenem Herzfehler. ­Etwa 300 000 leben laut Schätzung der Patientenorganisation Deutsche Herzstiftung in Deutschland. Und ihre Zahl steigt: Pro Jahr kommen rund 6500 Kinder mit Herzfehler auf die Welt, einer von hundert Neugeborenen ist be­troffen. Ihre Überlebenschancen sind heute so gut wie nie zuvor.

Dank moderner Kardiologie, Chirurgie und Intensivmedizin können Ärzte viele Herzfehler bereits vor der Geburt diagnostizieren und im frühen Säuglingsalter korrigieren. Über 90 Prozent der betroffenen Babys erreichen das Erwachsenenalter.

Repariert, nicht geheilt

"Insgesamt ist die Lebenserwartung eingeschränkt", sagt Professor Helmut Baumgartner, der das EMAH-Zentrum am UKM leitet. Werden die Patienten – wie Steffen W. – kontinuierlich spezialisiert betreut, sei ein guter Langzeitverlauf zu erwarten. Doch genau daran hapert es häufig.

Steffen W., flottes Mundwerk,  blonder Dreitagebart, spitzbübisches Grinsen, wurde mit Fallotscher Tetralogie geboren. Ein vierfacher Herzfehler, bei dem unter anderem die Klappe der Lungenschlagader und die darunter liegende Muskulatur zu eng und die Scheidewand zwischen den Herzkammern undicht ist.

Anders als bei Gesunden mischen sich sauerstoffarmes und sauerstoffreiches Blut. Als W. drei Jahre alt war, erfolgte eine aufwendige Herz-OP.

Fünfzehn Jahre später verlor er morgens auf dem Weg zur Ausbildung das Bewusstsein und die Kontrolle über sein Auto. Der Unfall ging glimpflich aus, verdeutlichte Steffen W. aber drastisch, was für alle Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler gilt: Dein Herz ist repariert, aber nicht geheilt.

Für den Kinderkardiologen aber war Steffen inzwischen zu alt. "Und normale Kardiologen sind oft nur auf erworbene Herzerkrankungen eingerichtet", sagt Dr. Ulrike Bauer, die den Forschungsverbund Kompetenznetz Angeborene Herzfehler leitet.

Normales Leben

Steffen hatte Glück. Gerade war das EMAH-Zentrum in Münster eröffnet worden. Seit der zweiten Operation geht es ihm gut. Die Blutwerte stimmen. Er macht Fitnesstraining, fliegt in den Urlaub, gerade waren er und seine Frau Nadine in der Türkei. Er nimmt keine Medikamente, braucht keine spezielle Diät. "Ich lebe ganz normal mein Leben." Manchmal braucht er eine Pause, die macht er dann auch.

Das Herz? Im Alltag kaum ein Thema, wenn ihn nicht gerade jemand am Strand auf die große Narbe anspreche. Trotzdem muss sein Gesundheitszustand regelmäßig gecheckt werden, wie bei fast allen Erwachsenen mit einem angeborenen Herzfehler.

EKG, Ultraschall und MRT zeigen: Arbeiten die Klappen richtig? Gibt es Gerinnsel? Stimmen Blutstromrichtung und -volumen, reicht die Sauerstoffsättigung? "Nur so können wir abschätzen, ob und vor allem wann ein weiterer Eingriff notwendig ist", sagt Experte Baumgartner.

Spezielle Behandlung

Werde zu früh operiert, könne später ein weiterer Eingriff vorzeitig notwendig sein. Warte man zu lange, drohten vielleicht irreparable Schäden.

Am besten gelingen Behandlungen und Nachsorge laut einer kanadischen Studie in spezialisierten EMAH-Einrichtungen. Im Vergleich zu nicht spezialisierten traten weniger Komplikationen auf, die Patienten lebten länger.

In Deutschland ist die Versorgung in einem dreistufigen Modell organisiert. Basis sind die Hausärzte, die mit den Patienten ihre Behandlung besprechen sowie planen und sie an regionale zertifizierte EMAH-Schwerpunktpraxen oder -kliniken verweisen. Für weitergehende Untersuchungen gibt es überregionale EMAH-Zentren mit Maximalversorgung wie zum Beispiel am UKM.

Alltagsleben neu planen

Doch das Medizinische ist nur eine Seite. Viele Patienten brauchen eine Rundumberatung: Welche Sportarten sind okay? Welche Jobs kommen in­­frage? Was ist mit Autofahren? Können bei einer Schwangerschaft Probleme auftreten? Worauf sollten sie bei Versicherungen achten?

Einrichtungen wie die am UKM bieten deshalb neben Kardiologen auch Psychologen und Sozialarbeiter, die Betroffene individuell beraten. "Leider wird nach wie vor nicht einmal die Hälfte aller Erwachsenen spezialisiert betreut", bedauert Baumgartner. Nach der Volljährigkeit fallen viele in eine Versorgungslücke.

Das liegt laut Ulrike Bauer nicht nur an fehlender Information seitens der Hausärzte oder Kinderkardiologen. Sondern auch daran, dass nicht alle so bewusst und diszipliniert mit ihrer chronischen Erkrankung umgehen wie Steffen W.

Die Psyche nicht vergessen

"Wir vergessen allzu oft die psychologische Komponente", so Bauer. Erwachsene, die als Kinder manchmal fünf OPs und Monate im Krankenhaus und auf Reha hinter sich hätten, wollten irgendwann nichts mehr damit zu tun haben."Sie wollen schlicht nicht mehr krank sein, verdrängen das, denken: Mir geht es doch ganz gut", berichtet Bauer.

Schuld daran sei auch der Zeitgeist, der Menschen mit Herzfehler vermittle, weniger leistungsfähig zu sein. Schlimmstenfalls kämen diese deshalb nicht mehr zur Vorsorge – sondern irgendwann mit lebensbedrohlichen Komplikationen in die Notaufnahme.  

Noch nicht lange werden so viele Kinder mit angeborenem Herzfehler  erwachsen. In den 1930er-Jahren verstarben 80 Prozent im ersten Lebensjahr. Seit 1990 hat sich die Gesamt- Sterblichkeit um über 60 Prozent reduziert. Eine Erfolgsgeschichte.

Fast wäre Steffen kein Teil von ihr geworden. Der Strahlemann von heute war einst ein echtes Sorgenkind. Hatte kaum Kraft zu trinken. Durfte nicht schreien. Musste getragen werden, weil er beim Krabbeln blau anlief.

Seine Eltern Bernd und Martina W. erinnern sich: "Tun Sie sich einen Gefallen, gewöhnen Sie sich erst gar nicht an dieses Kind", hatten die Ärzte ihnen geraten.

Viele Schläuche, kaum Kind

Die Fallotsche Tetralogie wird heute bei Babys unter einem Jahr operiert. Damals ging das noch nicht. Steffens Eltern waren in ständiger Sorge: "Was, wenn Steffen morgen nicht mehr aufsteht?" Das Schlimmste war die Hilflosigkeit, sagt Vater Bernd. Das ein­zige Ziel der Familie: den Sohn schonen, aufpäppeln.

Irgendwann wurde die OP unabdingbar – und für die Eltern ein traumatisches Ereignis. 16 Stunden Warten, danach überall Schläuche, das Kind kaum zu sehen. Die Albträume kommen noch immer. Doch dass ­Steffen heute hier sei, gesund und glücklich, mache all die bösen Erinnerungen wett.

Hilfe für Betroffene

Erwachsene mit angeborenem Herzfehler finden im Internet Informationen unter:

www.emah-check.de (Deutsche Herzstiftung)

www.kompetenznetz-ahf.de

Das Kompetenznetz betreibt auch das Nationale Register für Angeborene Herzfehler und sammelt Daten, um die Gesundheit der Patienten zu erforschen.

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Muskelverspannungen loswerden



Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen sind oft stressbedingt und sollten daher ganzheitlich behandelt werden

In Balance: Ein gutes Körpergefühl vermeidet Beschwerden

Die Erfolge sind bisweilen verblüffend: Anfangs völlig verspannte Kursteilnehmer sind schon nach wenigen Unterrichtseinheiten deutlich beweglicher. "Manche können zunächst nicht mit ausgestreckten Beinen flach auf dem Rücken liegen", erzählt der Würzburger Feldenkrais-Lehrer Klaus-Dieter Moritz. "Am Ende der Übungseinheit geht das oft ohne Probleme." Anderen sei es nicht möglich, den Arm seitlich über Schulterhöhe anzuheben – und danach können sie sich wieder die Haare kämmen. "Indem sie die Selbstwahrnehmung schulen, können Betroffene ihre Beweglichkeit und Körperhaltung grundlegend verbessern", erklärt Moritz. Davon profitieren vor allem Patienten, deren Schmerzen auf Funktionsstörungen des Bewegungsapparats zurückgehen.

Die von dem israelischen Physiker Moshe Feldenkrais begründete Methode ist eine von verschiedenen Behandlungsformen, mit denen sich bei schmerzhaften Muskelverspannungen gute Erfolge erzielen lassen. Insbesondere bei Nacken- und Rückenschmerzen haben sich die achtsam und unter Anleitung durchgeführten Bewegungen bewährt. "Viele Teilnehmer berichten, dass vor allem Verspannungen im Bereich der Lendenwirbelsäule deutlich nachlassen", sagt Moritz.

Keine Frage des Alters

Schmerzhafte Muskelverspannungen  im Schulter-, Rücken- und Nackenbereich gehören zu den häufigsten Beschwerden und betreffen keineswegs nur ältere Menschen: Laut Barmer Ersatzkasse leiden bereits in der Altersgruppe der 15- bis 25-Jährigen 16 Prozent der Frauen und fast 12 Prozent der Männer an Rückenschmerzen. Die Ursachen sind Bewegungsmangel und einseitige Körperhaltungen, aber auch Stress und psychische Belastungen. Angsterkrankungen und Depressionen gehen ebenfalls oft mit Verspannungen und Verkrampfungen in der Nacken-, Schulter- und Rückenregion einher.

"Bei Stress und innerer Anspannung ziehen viele Menschen unbewusst die Schultern hoch oder beißen die Zähne zusammen", erklärt Professorin Heike Rittner, Leiterin der Würzburger Schmerztagesklinik am Zentrum für Interdisziplinäre Schmerzmedizin der Universitätsklinik Würzburg. "Und wenn die Muskeln dauerhaft angespannt sind, kommt es irgendwann zu Schmerzen und Verhärtungen."

Dass sich die Muskulatur bei Stress anspannt, ist eine physiologisch durchaus sinnvolle Reaktion: Unseren Vorfahren ermöglichte dieses reflexhafte Verhalten, bei Gefahr zu kämpfen oder zu flüchten. "Heute stehen viele Menschen unter Dauerstress und sind permanent angespannt", sagt Ute Merz vom Deutschen Verband für Physiotherapie. "Sie können nicht mehr abschalten, und ihre Muskelspannung ist ständig erhöht. Das merken sie aber oft erst, wenn es anfängt wehzutun."

Das Körpergefühl geht verloren

Um den Schmerz zu vermeiden, nehmen die Betroffenen Schonhaltungen ein, die wiederum zu neuen Verspannungen führen – und somit erneut zu Schmerzen. So entsteht ein Teufelskreis, aus dem die Patienten alleine nicht mehr herauskommen: Der Schmerz wird chronisch. "Schmerzpatienten haben oft kein Körpergefühl mehr und spüren gar nicht, wie angespannt ihre Muskeln sind", sagt Physiotherapeutin Merz. Das erste Therapieziel sei deshalb, ihnen die Verspannungen bewusst zu machen.

Schmerztherapeutin Rittner arbeitet zu diesem Zweck mit Biofeedback: Die Muskelspannung wird elektronisch gemessen und auf einem Computerbildschirm sichtbar gemacht. Durch Entspannungstechniken und Visualisierungen versuchen die Patienten, ihre Muskeln bewusst zu entspannen, und bekommen mit der Zeit ein besseres Körpergefühl.


Verspannung bewusst machen

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Klaus-Dieter Moritz, kommt dabei aber ganz ohne Technik aus. "Im Lauf des Lebens prägen sich ungünstige Bewegungsmuster und Fehlhaltungen ein, die der Körper immer wieder automatisch abruft", erklärt der lizenzierte Feldenkrais-Lehrer. Sie schränken die Beweglichkeit zunehmend ein. Mit der Zeit entstehen chronische Verspannungen und haltungsbedingte Verschleißerscheinungen an den Gelenken und der Wirbelsäule. "Durch achtsame Bewegungen machen sich die Patienten ihre eingefahrenen Muster bewusst und entdecken gesündere, kraftsparende Alternativen", sagt Moritz. Nicht nur die körperliche Beweglichkeit soll verbessert werden, auch die geistige Lernfähigkeit und Kreativität. "Für Moshe Feldenkrais war ein bewegliches Gehirn wichtiger als ein beweglicher Körper", weiß Moritz.

Allerdings müssen die Übungen durch einen qualifizierten Lehrer angeleitet werden und sind recht zeitintensiv. Um schnelle Erfolge zu erreichen, empfiehlt Schmerztherapeutin Rittner daher zunächst die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, die Patienten in kurzer Zeit lernen und selbstständig zu Hause üben können. Durch bewusstes An- und Entspannen einzelner Muskelgruppen schulen sie ihre Körperwahrnehmung. Auch Physiotherapeuten arbeiten gezielt mit solchen Entspannungstechniken. "Die Kunst besteht darin, die Balance zwischen Anspannung und Entspannung wiederherzustellen", sagt Ute Merz.

Wenig Medikamente verfügbar

Dies ist umso wichtiger, weil die Verspannungen kaum medikamentös behandelt werden können: Mehrere muskelentspannende Wirkstoffe wie Tetrazepam oder Flupirtin wurden inzwischen wegen massiver Nebenwirkungen vom Markt genommen. Und Entzündungshemmer wie Diclofenac sollten nur kurzfristig und unter Beachtung möglicher Gegenanzeigen eingenommen werden. "Deshalb gehen wir das Problem in der multimodalen Schmerztherapie von verschiedenen Seiten an", erläutert Rittner.

Wer jedoch angenehme Wohlfühl-Massagen erwartet, wird enttäuscht: Statt "behandelt" zu werden, müssen die Patienten selbst etwas tun. Rittner betont: "Das ist zwar eine Herausforderung, zeigt aber langfristig gute Erfolge." Auch für Physiotherapeutin Merz ist bei Muskelverspannungen Bewegung das Mittel der Wahl: "Körperliche Aktivität gleicht einseitige Haltungen aus, macht den Kopf frei und sorgt für die nötige Entspannung", sagt sie. Ob die Leute walken, radeln oder schwimmen, sei nicht so wichtig. "Hauptsache, es macht ihnen Spaß und sie bleiben dran." Bei schmerzhaften Verspannungen stellen Physiotherapeuten zudem individuelle Übungen zusammen, welche die Muskeln gezielt dehnen und schlaffe, vernachlässigte Partien stärken sollen.

Hilfe aus der Apotheke

 

  • Rezeptfreie Schmerzmittel helfen kurzfristig bei akuten Beschwerden. Ohne ärztlichen Rat nicht länger als drei Tage einnehmen.
  • Schmerzsalben wirken ­entzündungshemmend. Das ­Risiko für Nebenwirkungen ist deutlich geringer als bei Schmerztabletten.
  • Wer pflanzliche Mittel bevorzugt, kann es mit Beinwellwurzel-Extrakt oder arnikahaltigen Salben versuchen.
  • Wärmeauflagen mit Tiefenwirkung lockern die Muskeln und lindern den Schmerz. Es gibt sie in verschiedenen Größen und Formen.
  • Magnesium ist für eine normale Muskelfunktion unentbehrlich. Ein Mangel kann Verspannungen und Krämpfe hervorrufen.

Die Haltung beeinflusst auch die Psyche

Dabei achtet Ute Merz auch auf die Körperhaltung ihrer Patienten: "Eine gebeugte, einseitige Schonhaltung verstärkt nicht nur die Beschwerden, sondern wirkt sich negativ auf die psychische Verfassung aus." Durch regelmäßige Bewegung lasse sich die Haltung in der Regel bessern – und mit ihr die Stimmung. Auch Klaus-Dieter Moritz versucht, seine Kursteilnehmer innerlich und äußerlich aufzurichten. Zunächst lässt er sie bewusst Fehlhaltungen übertreiben. "Das Ziel ist eine stabile und gleichzeitig flexible Körperhaltung, die sich wiederum günstig auf die Psyche und das Selbstwertgefühl auswirkt."

Expertin Rittner betont die Bedeutung der Psyche: "Damit sich der Körper entspannen kann, muss sich zunächst die Seele entspannen." Stehen psychosoziale Probleme im Vordergrund, profitieren Patienten oft von einer begleitenden Psychotherapie oder einem Stressbewältigungstraining. "Allerdings müssen sie die Bereitschaft mitbringen, etwas in ihrem Leben zu verändern – etwa den Stress zu reduzieren und sich mehr zu bewegen." Wie sie das machen, sei eine Frage der persönlichen Vorlieben: "Für den einen ist ein gutes Fitness-Studio das Richtige, andere entspannen sich lieber beim Yoga oder schulen ihre Körperwahrnehmung in einem Feldenkrais-Kurs."

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Wie Ärzte Gesichtslähmungen behandeln



Fazialis-Parese: Ein Ausfall des Gesichtsnervs belastet die Betroffenen körperlich und auch seelisch. Welche Therapien die eingefrorene Mimik neu beleben

Ausfall der Mimik: Bei einer Fazialislähmung kann eine Gesichtshälfte maskenhaft erstarrt wirken

Es klingt wie ein Albtraum: Wie aus dem Nichts ist plötzlich eine Gesichtshälfte gelähmt. Man kann nicht mehr lächeln und nur noch verwaschen sprechen, der Mundwinkel auf der betroffenen Seite hängt herab, und das Auge schließt nicht mehr. Fällt der Fazialis-Nerv halb­seitig aus, stürzt das die Betrof­fenen oft in eine tiefe Krise.

Betroffene unterdrücken aus Scham Gefühlsregungen

"Für die Patienten hat eine Gesichtslähmung erhebliche Folgen. Sie ziehen sich aus der Gesellschaft zurück und vermeiden es, Gefühle zu zeigen, um die Asymmetrien nicht zu verstärken", erklärt Dr. Andreas Kehrer vom Universitätsklinikum Regensburg.

Für 20 bis 40 Menschen pro 100.000 Einwohner wird der entstellende Gesichtsverlust plötzlich Realität. Im Jahr 2016 begaben sich laut Gesundheitsberichterstattung des Bundes knapp 18.000 Patienten mit der Diagnose Fazialis-Parese in statio­näre Behandlung.

Die Erkrankung kommt laut Statistik in allen Altersgruppen vor, die höchsten Fallzahlen finden sich allerdings bei Menschen über 65. Was viele Betroffene nicht wissen: Es gibt sehr gute Behandlungsmöglichkeiten, die berechtigte Hoffnung auf eine wiederbelebte ­Mimik und mehr Lebensqualität machen – und dies sowohl in der akuten als auch in der chronischen Phase der Erkrankung. Das gilt selbst dann, wenn die Mediziner nicht wissen, was die Gesichtslähmung im konkreten Fall verursacht hat.

Die Mimik wieder aktivieren

Nur in 25 bis 40 Prozent der Fälle sind die Ursachen der Lähmung nachvollziehbar – zum Beispiel eine Infektion mit Herpes-Zoster- oder Grippeviren, eine Neuroborreliose, ein Hirntumor oder ein Unfall. Auch ein Schlaganfall kann eine halbseitige Gesichtslähmung hervorrufen. Für eine individuelle Therapie ist es wichtig, durch gründliche neurologische Untersuchungen zu klären, was der Auslöser sein könnte.

Am häufigsten diagnostizieren die Ärzte bei den Betroffenen jedoch eine sogenannte idiopathische Gesichtslähmung. Das heißt: Die Erkrankung tritt spontan auf, ohne dass die Mediziner eine klare Ursache dafür festmachen können. "Wahrscheinlich kommt es zu einer Entzündung, die den Nerv so stark anschwellen lässt, dass er sich selbst seine Blutversorgung abdrückt", erklärt Professor Steffen Eisenhardt von der Klinik für Plastische und Handchirurgie des Uniklinikums Freiburg.

Für Patienten mit einer spontan auftretenden Schädigung des Gesichtsnervs hat er aber auch eine gute Nachricht: "In 70 Prozent der Fälle bildet sie sich wieder zurück." Die Betroffenen werden in der Regel mit Kortison behandelt – nach den aktu­ellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neuro­logie die Therapie der ersten Wahl. Der Wirkstoff begünstige die vollständige Rückbildung der Lähmung, heißt es dort.

Das Zeitfenster nutzen

Was aber, wenn die Gesichtslähmung  bestehen bleibt? Beide Experten raten Betroffenen, dann nicht zu lange zu warten. "Der günstigste Zeitpunkt für eine Operation wird oft verpasst", kritisiert Kehrer.

Viele Patienten und deren behandelnde Ärzte würden zu lange auf unterstützende Verfahren wie Physiotherapie und Logopädie setzen. Diese Maßnahmen können zwar den Umgang mit der Erkrankung verbessern, haben aber keinen Einfluss auf die Regeneration des Fazialis-Nervs.

Operation als Ausweg

Innnerhalb von sechs bis maximal 18 Monaten ist es möglich, die noch intakte Gesichtsmuskulatur chirurgisch mit einem Ersatznerv zu versorgen. Das gelingt zum Beispiel, indem sie über ein Nerventransplantat an den Fazialis-Nerv der gesunden Gesichtshälfte angeschlossen wird oder indem man an einen anderen Nerv auf der gelähmten Seite anschließt, etwa den zum Kaumuskel. "Wenn der Fazialis-Nerv gelähmt ist, werden die Muskeln des Gesichts nicht mehr mit Stromimpulsen versorgt", erklärt Eisenhardt. "In der frühen Phase, wenn die Muskulatur ganz frisch gelähmt ist und sich noch nicht zurückgebildet hat, haben wir die Möglichkeit, da wieder Impulse hinzubringen."

Ist dieses Zeitfenster bereits geschlossen, können weitere Operations-Verfahren die Funktionen des Fazialisnervs wieder herstellen und neues Leben in das Gesicht bringen. Weil die mimische Muskulatur wie ein untrainierter Bizeps schwach und unbrauchbar geworden ist, muss sie nun ersetzt werden. Dazu transplantieren die Chirurgen funktionierende Muskeln aus der Körperperipherie in das Gesicht. Auch diese Muskeln müssen wiederum durch einen Ersatznerv aktiviert werden, der zuvor ebenfalls verpflanzt wird.

Betroffene brauchen viel Geduld

Bis die Patienten nach einer Muskel- und Nervenumlagerung wieder spontan lächeln und Gefühle zeigen können, dauert es einige Monate. Die meisten nehmen das in Kauf, um wieder ohne größere sichtbare Einschränkungen am sozialen Leben teilhaben zu können und mehr Lebensqualität zu erfahren.

Neuere wissenschaftliche Studien belegen gute Ergebnisse der Umlagerungs- und Transplantationsverfahren. Asymmetrien des Gesichts können damit in der Regel dauerhaft ausgeglichen werden. Nur in seltenen Fällen wurde von Komplikationen berichtet – bei einem Nerventransfer etwa betreffen sie weniger als sieben Prozent der operierten Patienten.

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Gesichtslähmung (Fazialisparese)

Eine Gesichtslähmung tritt oft ohne erkennbaren Grund auf. Zu den nachweisbaren, krankhaften Ursachen zählen Infektionen, Entzündungen oder ein Schlaganfall

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„Ich finde mein Leben heute schöner als vor der Diagnose“

SPIEGEL ONLINE: Herr Spiegel, Sie sind 36 Jahre alt, hetero, HIV-positiv und setzen sich für mehr Offenheit im Umgang mit der Infektion ein. Der Name Philipp Spiegel ist aber ein Pseudonym, weil Sie nicht unter Ihrem echten Namen über Ihre Erfahrungen sprechen wollen. Klingt nach einem Widerspruch.

Philipp Spiegel: Richtig, aber es ist das Dilemma, in dem ich mich seit Jahren befinde: Auf der einen Seite begleitet mich immer die Angst, entdeckt zu werden. Auch heute noch, fast fünf Jahre nach der Diagnose, wenn auch in sehr abgeschwächter Form. Auf der anderen Seite gibt es so viel Unwissenheit, Ignoranz und Vorurteile gegenüber HIV-Positiven. Da muss ich als Betroffener einfach den Mund aufmachen.

SPIEGEL ONLINE: Was läuft Ihrer Meinung nach schief?

Philipp Spiegel: Als heterosexueller Mann gehöre ich zu der Gruppe von HIV-Positiven, über die kaum jemand spricht. HIV und Aids werden immer noch mit Schwulsein, Drogen oder Prostitution assoziiert. Wenn ich jemandem von meinem Status erzähle, sehe ich, wie das Kopfkino los geht: Freddie Mercury, ausgemergelte Körper, Tod. Heute kann ich damit umgehen, aber lange Zeit machte es das unglaublich schwer, frei darüber zu sprechen.

SPIEGEL ONLINE: Wie leben Sie denn mit dem Virus?

Philipp Spiegel: Sehr gut, ich spüre im Alltag nichts davon. Nur einmal wurde ich krank, das war kurz nach der Infektion, wie ich jetzt weiß. Ich habe mich bei einer Frau angesteckt, die selbst nicht wusste, dass sie HIV-positiv ist. Es ging mir damals kurze Zeit körperlich sehr schlecht, vermutlich weil sich die Viren stark vermehrten. Seither bin ich in Wien in ärztlicher Behandlung und nehme Medikamente, täglich eine Pille. Nebenwirkungen habe ich keine. Alle drei Monate checkt mein Arzt mein Blut und kontrolliert, ob die Viren unterhalb der Nachweisgrenze sind. Weil das immer der Fall ist, kann ich niemanden anstecken. Ich kann Sex haben, ohne jemanden zu infizieren und ich könnte gesunde Kinder bekommen.

Im Video: HIV-positiv – Mein Leben mit dem Virus

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie jemanden infiziert?

Philipp Spiegel: Gott sei Dank nicht. Zwischen meiner Infektion und der Diagnose vergingen einige Monate und bei drei Frauen war es im Nachhinein fraglich. Aber sie haben sich testen lassen und sind HIV-negativ. Ich möchte nicht wissen, wie es sich anfühlt, jemanden infiziert zu haben.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie wütend auf die Frau, die Sie angesteckt hat?

Philipp Spiegel: Nein, ich gebe ihr keine Schuld. Sie wusste ja nicht von ihrer Infektion. Vielmehr habe ich mir selbst Vorwürfe gemacht, wie ich so blöd und unvorsichtig sein konnte.

SPIEGEL ONLINE: Wie hat Sie die Diagnose getroffen?

Philipp Spiegel: Ich war gerade in einem Ashram im tiefsten Indien und musste einen HIV-Test ablegen, um dort zu wohnen. Ich war mir meiner Gesundheit so sicher! Als die Blutergebnisse vor mir lagen, wollte ich sie nicht wahrhaben. Ich war wie in einer Schockstarre und sah mein Leben vor meinem inneren Auge Revue passieren. Mir war sofort klar, dass ich das nicht allein schaffe. Mein Bruder war der Erste, der auf meinen Hilferuf antwortete.

SPIEGEL ONLINE: Wie hat er reagiert?

Philipp Spiegel: Er ist das Problem sehr analytisch angegangen: Was wissen wir? Was bedeutet das? Was können wir tun? Mit einem Schlag war ich nicht mehr allein. Noch in der ersten Nacht habe ich gelernt, was das Virus kann, welche Medikamente wie wirken und dass man trotz einer HIV-Infektion bei guter Therapie eine normale Lebenserwartung hat. Richtig geholfen hat mir dieses Wissen aber erst Jahre später.

SPIEGEL ONLINE: Wie meinen Sie das?

Philipp Spiegel: Die psychischen Folgen der Diagnose waren viel gravierender als die körperlichen. In mir machte sich eine lähmende Angst breit. In der ersten Zeit hatte ich Angst, andere anzustecken und dass man mir die Viren ansieht. Dann hatte ich Angst vor den Reaktionen, wenn ich mich oute, vor Diffamierung und dem gemeinen Hass im Netz. Und eben Angst, entdeckt zu werden. Das Gefühl, gefangen zu sein, machte mich angespannt und aggressiv.

SPIEGEL ONLINE: Inzwischen haben Sie Hunderte Outings hinter sich. War es so schlimm wie befürchtet?

Philipp Spiegel: Zu Anfang ja, aber nicht aus dem erwarteten Grund. Familie und Freunde haben mich nie verurteilt. Stattdessen konnte ich aber jedes Mal mit ansehen, wie mein Gegenüber unter der zentnerschweren Last zusammensank, die ich ihm aufbürdete. Je näher mir jemand war, umso schockierter reagierte er oder sie. Ich musste dann beruhigen, obwohl mir selbst das Herz bis zum Hals schlug.

SPIEGEL ONLINE: Sie waren Überbringer der schlechten Nachricht und Tröster zugleich?

Philipp Spiegel: Genau.

SPIEGEL ONLINE: Und heute?

Philipp Spiegel: Heute belastet mich die Krankheit selbst viel weniger. Ich weiß das Wichtigste über das Virus und seine Folgen und kann dadurch meinem Gegenüber aus meiner Überzeugung heraus genau erklären, was es für mich heißt, HIV-positiv zu sein. Ich habe die Kontrolle zurückgewonnen und fühle mich endlich nicht mehr gefangen.

SPIEGEL ONLINE: Bei Ihrem Pseudonym bleiben Sie dennoch?

Philipp Spiegel: Ja, aber wer meinen echten Namen herausbekommen möchte, der kann ihn herausfinden. Ich will nicht erpressbar sein. Andererseits arbeite ich als Fotograf und sehe meine Arbeit unabhängig von der Auseinandersetzung mit der Infektion. Vielleicht nervt mich das Thema auch irgendwann und ich möchte es in der Öffentlichkeit zu den Akten legen.

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem wird das Virus Sie ein Leben lang begleiten, HIV ist nach wie vor nicht heilbar.

Philipp Spiegel: Richtig, aber ich bin heute unendlich dankbar für mein Leben. Würde ich keine Medikamente nehmen, müsste ich statistisch gesehen im nächsten Jahr sterben. Die Auseinandersetzung mit meiner eigenen Verletzbarkeit, mit meinem Tod hat mich demütig gemacht. Ich empfinde mein Leben sogar als reicher und schöner als vor der Diagnose.

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So beugen Sie einem Schlaganfall vor



Verstopft ein Gerinnsel ein Gefäß im Gehirn, hat das oft schwere Folgen für den Patienten. Doch die Risiken für einen Schlaganfall lassen sich beeinflussen. Welche Rolle Blutdruck, Ernährung und Bewegung spielen

Sport kann Risikofaktoren für den Schlaganfall günstig beeinflussen, zum Beispiel Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes vorbeugen

Es regnet. Statt der Alpen sind im oberbayerischen Aschau ringsum heute nur Wolkenberge zu sehen. Eigentlich kein Wetter für einen Spaziergang. Therese Schmid (66) macht sich trotzdem auf den Weg. "Es kann ja nicht immer die Sonne scheinen", sagt sie. Zweimal pro Woche gehen sie und ihr Mann die Strecke von ihrem Haus in Richtung Schule. Nicht um zu lernen, sondern weil sie an einer Studie teilnehmen.

"Druck runter, Aktivität rauf!" heißt das Präventionsprojekt, bei dem ältere Bürger aus dem Ort Kinder auf ihrem Schulweg begleiten. "Uns interessiert vor allem, ob sich damit etwas gegen hohen Blutdruck tun lässt – den wichtigsten Risikofaktor für Herz-Kreislauf-­Erkrankungen wie den Schlaganfall", sagt die Präventionsforscherin Dr. Birgit Böhm von der Technischen Universität München, die das Projekt betreut.

Der Lebensstil spielt eine wichtige Rolle

Der Schlaganfall stellt in Deutschland ­eine der größten Gefahren für die Gesundheit dar. Jedes Jahr trifft er rund 270 000 Menschen. Zu der Durchblutungsstörung des Gehirns kommt es meist, wenn ein Gefäß im Kopf verengt oder verschlossen ist. Seltener steckt eine Hirnblutung dahinter. Für die Betroffenen sind die Konsequenzen oft dramatisch. Kein anderes Ereignis ist für so viele Fälle von Behinderung verantwortlich. Die Akutbehandlung des Schlaganfalls hat zwar in den letzten Jahren Fortschritte gemacht. Wichtiger ist dennoch die Vorbeugung.

"Die Studien zeigen deutlich, dass sich durch den individuellen Lebensstil viele Risikofaktoren gut beeinflussen lassen", sagt Professor Bernhard Krämer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Hypertonie und Prävention. Welche Faktoren das sind, untersuchten Forscher anhand der Daten von über 13 000 Schlaganfallpatienten aus 32 Ländern. Ergebnis dieser sogenannten Interstroke-Analyse: Neun von zehn Attacken hängen direkt oder indirekt mit dem Lebensstil zusammen. Die meisten wären also vermeidbar.

Prävention klärt über die Risikofaktoren eines Schlaganfalls auf

Auf Platz eins der Risiko-Rangliste steht der Bluthochdruck. Den Betrof­fenen ist das nicht immer bewusst. Experte Krämer erklärt Patienten den Zusammenhang damit, dass Bluthochdruck die Gefäße im ganzen Körper schädigen kann – auch die im Gehirn. Geht man jedoch gegen ihn vor, sinkt ­ die Schlaganfall-Gefahr. "Idealerweise können Patienten mit Bewegung, Gewichtsreduktion und einer kochsalz­armen Diät eine deutliche Verbesserung bewirken", sagt Krämer. Häufig gehören jedoch blutdrucksenkende Arzneien ebenfalls zur Vorsorge. 

Bei der Entstehung eines Schlaganfalls sind verschiedene Risikofaktoren eng miteinander verknüpft. Bewegungsmangel zum Beispiel trägt zusätzlich zu Übergewicht bei. Beides fördert wiederum Diabetes und schlechte Blutfettwerte – weitere Risikofaktoren für eine Attacke. Um diese Zusammenhänge geht es auch im Aschauer Präventionsprojekt. Wissenschaftlerin Böhm arbeitet dabei eng mit einer Apotheke vor Ort zusammen. "Wir beraten hier täglich Menschen, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Gesunder Lebensstil und Vorsorge sind uns deshalb ein großes Anliegen", sagt die Apothekerin Claudia Zangerl.

Gemeinsam mit Böhm veranstaltete sie zwei Aktionstage rund um das Thema Herz- und Gefäßgesundheit. Dabei konnten die meisten Studienteilnehmer gefunden werden. "Die Bereitschaft, über die eigene Gesundheit zu sprechen, ist in der Apotheke sehr hoch. Deshalb ist das Thema Prävention dort gut aufgehoben", erklärt Böhm. Viermal im Lauf der eineinhalb Jahre werden die Studienteilnehmer untersucht, und ihr Blutdruck wird gemessen. Alle bekommen einen Aktivitäts-Tracker, der jeden Schritt zählt und die Herzfrequenz überwacht. Mindestens 10 000 Schritte sollten die Probanden pro Tag gehen. Ob sich dadurch die Werte – wie erhofft – senken lassen, soll die Auswertung im kommenden Jahr zeigen.

Diese Maßnahmen reduzieren das Schlaganfallrisiko


Senken Sie Ihren Blutdruck

Für Experten der wichtigste Schritt. Gute Werte können das Risiko um bis zu 40 Prozent verringern.

Hören Sie auf zu rauchen

Etwas jede fünfte Attacke könnte vermieden werden, wenn Patienten ihre Nikotinsucht überwinden. 

Ernähren Sie sich gesund und ausgewogen

Viel Gemüse, Obst und Fisch, wenig Salz – das schützt die Gefäße. Weiterer Tipp: wenig oder keinen Alkohol trinken 

Bewegen Sie sich ausreichend

Davon profitiert das Herz-Kreislauf-System. Zudem sinkt das Risiko für Bluthochdruck, Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen.

Risikofaktor Vorhofflimmern: Auf den Herzschlag hören

Aber nicht alle Risikofaktoren lassen sich so gut beeinflussen wie der Blut­­hochdruck. So steigert zum Beispiel auch Vorhofflimmern die Gefahr. Diese verbreitete Herzrhythmusstörung wird jedoch vielfach nicht entdeckt. "Kardio­logen sehen solche Patienten oft erst dann, wenn diese bereits den ersten Schlaganfall hatten", sagt Dr. Phi­lipp Sommer vom Herzzentrum Leipzig. Beim Vorhofflimmern gerät das Herz aus dem Takt, es schlägt unrhythmisch und häufig deutlich zu schnell. Etwa 15 Prozent aller Attacken werden dadurch verursacht.

"Durch die unregelmäßige Pumptätigkeit bilden sich Blutgerinnsel im Herzen, die wiederum Gefäße im Gehirn verstopfen können", erklärt Experte Sommer. Für eine frühere Diagnose wäre es wichtig, dass Menschen über 65 öfter "auf ihr Herz hören". Denn viele Betroffene spüren das Vorhofflimmern als etwas unregelmäßigen, schnelleren Herzschlag. "Sie können dann auch den Puls selbst am Handgelenk ertasten und eventuelle Unregelmäßigkeiten abklären lassen", erläutert Sommer. Blutdruckmessgeräte helfen mitunter ebenfalls, Rhythmusprobleme zu erkennen. "Wenn dabei das Signal der Arrhythmie-Erkennung öfter leuchtet, sollte man das ernst nehmen und zum Arzt gehen", betont der Kardiologe.

Prävention: Für Bewegung und gesunde Ernährung ist es nie zu spät

Dieser veranlasst bei einem Verdacht ein EKG oder Langzeit-EKG. Nach der Diagnose bekommen Pa­tienten Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen. Diese sogenannte Antikoagulation bietet in vielen Fällen einen guten Schutz vor Gerinnseln im Herzen. Selbst wenn jemand bereits Arzneien nehmen muss, ist es für Prävention nicht zu spät, betont Sommer. Das Risikofaktoren-Modell sei nicht statisch, sondern dynamisch. "Man hat es auch mit einem oder mehreren Risikofaktoren ­selber in der Hand, das Risiko günstig zu beeinflussen – und bleibt seines eigenen Glückes Schmied!" 

Studienteilnehmerin Therese Schmid hat das verinnerlicht. Der Aktivitäts-Tracker am Handgelenk ist trotzdem eine Motivation. "Man kann genau erkennen, wie viel oder wenig man sich bewegt." Sieht sie abends auf dem Display, dass es eben noch nicht reicht mit den Schritten, geht sie mit ihrem Mann eine Extrarunde. "Wir sind schon fast ein bisschen ehrgeizig geworden."

Diese drei Werte zählen fürs Schlaganfallrisiko:

  • Blutdruck: Meist gelten Werte von unter 140/90 mmHg als ideal.
  • Blutfett: Ohne weitere Risikofaktoren sollte das Gesamtcholesterin unter 200 mg/dl liegen, das LDL unter 160 mg/dl.
  • Blutzucker: Diabetiker müssen ihre individuellen Zielwerte mit dem Arzt absprechen.

Mit dieser Notfallregel erkennen auch Laien einen Schlaganfall

Kommt es zu einem Schlaganfall, läuft für den Betroffenen die Zeit. "Time is brain, zu Deutsch Zeit ist Hirn – das ist bei der Akutversorgung die allerwichtigste Regel", sagt Professor Heinrich Audebert vom Centrum für Schlaganfallforschung der Charité Berlin. Sobald das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, setzt bei den Nervenzellen ein Massensterben ein. Millionen von ihnen können unwiederbringlich verloren gehen, Nervenverknüpfungen nicht mehr funktionieren. 

Je schneller der Patient ins Krankenhaus kommt, desto besser kann der Schaden begrenzt werden. Seit Jahren arbeiten Experten daran, die Zeit zwischen dem Schlaganfall und der Kli­nik­einlie­ferung zu verkürzen. "Viele Betroffene suchen zunächst ihren Hausarzt auf, anstatt gleich den Notarzt zu rufen", sagt Professor Darius Nabavi von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft. Dadurch gehe wertvolle Zeit verloren. 

Der sogenannte FAST-Test kann dabei helfen, die wichtigsten Symptome richtig zu deuten. Es gibt jedoch noch weitere Anzeichen, die der Test nicht erfasst. Zum Beispiel plötzlich auftretende Gleichgewichtsstörungen, einseitiges Taubheitsgefühl, Schwindel, Bewusstlosigkeit oder schlagartig einsetzende extreme Kopfschmerzen. Sehstörungen können ebenfalls vorkommen, bis hin zur vorübergehenden Erblindung.

Bei solchen Symptomen ebenfalls den Notarzt rufen – auch wenn die Beschwerden wieder verschwinden oder nachlassen. Sie können Vorboten eines Schlaganfalls sein. Mittlerweile erkennen offenbar mehr Menschen die Symptome – und rufen direkt den Notarzt. Zahlen aus Baden-Württemberg zeigen, dass noch im Jahr 2006 ein Drittel der Schlaganfall-Patienten die Klinik über den Hausarzt erreichte. Zehn Jahre später hat sich dieser Anteil halbiert.

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Pharmazie-Nachwuchs vertraut auf Apotheke vor Ort



Was denken Pharmaziestudenten, wo wollen sie arbeiten? Eine Umfrage zeigt, dass sie öffentliche Apotheken weiter als festen Bestandteil des Gesundheitssystems sehen

Pharmaziestudierende arbeiten nach dem Studium häufig in der Apotheke

Der Apothekenmarkt und das traditionsreiche Berufsbild des Apothekers sind im Wandel und werden in Fachkreisen viel diskutiert. Wie bewertet das die kommende Generation? Was denken die Pharmaziestudierenden als zukünftige Gestalter dieser Branche, welche Chancen sehen sie, wo wünschen sie sich mehr Unterstützung?

Um Antworten auf diese Fragen zu erhalten, wurden 133 Pharmaziestudierende zu ihren Zukunftsplänen interviewt. Das geschah im Rahmen einer Grundlagenstudie im Auftrag des Wort & Bild Verlags in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland e.V. (BPhD).

Studierende: Kompetenz des Apothekers wird noch wichtiger

Insgesamt sind zwei Drittel (65%) der Pharmaziestudierenden davon überzeugt, dass trotz schwieriger werdender Marktbedingungen die Apotheke vor Ort immer ein fester Bestandteil unseres Gesundheitssystems bleiben wird.

Dabei werden Beratung und Fachkompetenz (76%) des Apothekers eine zunehmend wichtigere Rolle spielen, ganz generell wird sich nach Meinung der Pharmaziestudierenden das Berufsbild des Apothekers deutlich verändern (57%). Unabhängig von diesen Entwicklungen prognostizieren die Befragten eine weiter wachsende Anzahl von Onlineapotheken (81%), wobei sich jeder Zweite (50%) erhofft, dass diese zukünftig stärker reguliert werden.

Gute Berufsaussichten

Die Chancen und Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt werden von den Pharmaziestudierenden positiv gesehen: 92 Prozent beurteilen die beruflichen Zukunftschancen mit einem Pharmaziestudium als sehr gut bis gut.

Am attraktivsten erscheint ihnen eine Tätigkeit in der Forschung oder Entwicklung eines pharmazeutischen Unternehmens (72%). Dafür sprechen aus Sicht der Befragten insbesondere attraktive Verdienstmöglichkeiten und enorme Karrierechancen. Auf der anderen Seite schätzen sie diese Jobs als sehr stressig und rar ein.

An zweiter Stelle folgt eine Position als Apotheker in einer Krankenhausapotheke, die für rund zwei Drittel (64%) der Pharmaziestudierenden in Frage kommt. Insbesondere das Berufsbild des Stationsapothekers ist noch relativ neu und nicht jeder Studierende kennt Details der Aufgaben. Die Mehrheit verbindet damit ein hohes Maß an Verantwortung, interessante, abwechslungsreiche Tätigkeiten und ‚auf Augenhöhe‘ mit Medizinern zu sein.

Angestellter Apotheker? Für 2 von 5 Studenten vorstellbar

Mit einigem Abstand dahinter folgt die Tätigkeit als angestellter Apotheker in einer öffentlichen Apotheke (41%). Für diese Tätigkeit spricht vor allem die zeitliche Flexibilität, die viele im Rahmen einer Familiengründung oder ab einem gewissen Alter durchaus schätzen. Die zahlreichen offenen Stellen in diesem Bereich in fast jeder Stadt Deutschlands führen dazu, dass viele die öffentliche Apotheke als Rettungsanker empfinden.

Für fast ebenso viele Pharmaziestudierende kommt auch eine Hochschulposition in Forschung und Lehre (40%) in Betracht. Kritisiert werden jedoch die geringen Verdienstmöglichkeiten, der dauerhafte Verbleib an der Uni und dass man entweder ein makelloses Staatsexamen oder gute Kontakte zu Professoren haben muss.

Selbstständigkeit als Apotheker: Attraktiv, aber ungewiss

Auch die Übernahme oder Neugründung einer eigenen öffentlichen Apotheke als selbstständiger Apotheker schätzen die Befragten als vergleichsweise attraktiv ein (39%). Sein eigener Chef zu sein und gute Verdienstmöglichkeiten stellen dabei die hauptsächlichen Vorteile dar.

Hohe Investitionshürden und unternehmerisches Risiko in Zeiten unsicherer
politischer und gesetzgeberischer Rahmenbedingungen verunsichern allerdings.

Positive Reaktionen auf die Studie

Die Ergebnisse liefern eine gute Datenlage für die Arbeit als Interessenvertretung, freut sich Max Willie Georgi, Präsident des BPhD: "Wir Studierenden verfolgen mit großem Interesse die aktuellen Entwicklungen und bringen uns aktiv ein. Auch wenn die Apotheke vor Ort ein fester Bestandteil für uns ist, so besteht vielerorts große Unsicherheit. Eine der Schlussfolgerungen daraus lautet ganz klar, dass Politik und Gesetzgebung handeln müssen. Langfristige Planungssicherheit und Konzepte, wie die Apotheke vor Ort in einer digitalen Gesellschaft Vorreiter werden kann, sind dafür Grundvoraussetzung, ebenso wie eine Verbesserung der Studienbedingungen."

Jan Wagner, Vertriebsleiter des Wort & Bild Verlags, sagt: "Die Studie zeigt, dass die Pharmaziestudierenden grundsätzlich positiv in ihre berufliche Zukunft blicken. Als Digital Natives sind sie sich natürlich bewusst, dass diese Zukunft vom technologischen Wandel geprägt sein und sich das Berufsbild entsprechend wandeln wird. Dabei möchte der Wort & Bild Verlag als langjähriger Partner der Apotheken sie unterstützen, um mit Marketing und Digital-Expertise die Weichen optimal für ihre erfolgreiche Zukunft zu stellen."

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