Jung, gesund, ohnmächtig

Zwei Stunden hat der 17-Jährige gesessen, als er aufsteht, um ins Bad zu gehen, passiert es: Nach ein paar schnellen Schritten wird ihm schwindelig. Er lehnt sich gegen eine Wand. Seine Sicht ist gestört, er hört einen tiefen Brummton.

Die Mutter des jungen Mannes ist in der Nähe und erlebt deshalb, was als nächstes geschieht. Der Körper des 17-Jährigen erschlafft. Er fällt zu Boden, wo er etwa 20 Sekunden lang am ganzen Körper zuckt. Sie bemerkt, dass seine Arme und Beine dabei schlaff bleiben und die Zuckungen nicht rhythmisch sind. Außerdem ist ihr Sohn sehr blass.

Etwa eine Minute später kommt er wieder zu Bewusstsein, kurz danach ist er wieder völlig orientiert und klar. Er fühlt sich weder erschöpft noch ist ihm übel, er kann stehen und normal gehen.

Direkt nach seiner Ohnmacht wird der Patient in einer Notaufnahme im US-Bundesstaat Wisconsin untersucht. Die Ärzte messen unter anderem die Herzaktivität per EKG. Der Herzrhythmus ist normal. Allerdings schlägt sein Herz deutlich schneller und sein Blutdruck sinkt, als er aufsteht. Die Mediziner schicken den Patienten, dem es inzwischen wieder gutgeht, mit dem Hinweis nach Hause, dass er einen Termin bei seinem Hausarzt machen soll.

Dieser Termin findet einen Monat später statt, wie Alexa Beversdorf von der University of Wisconsin im „Journal of Pediatric Health Care“ berichtet. Obwohl er bereits 17 ist, fällt der Fall noch in die Kinder- und Jugendheilkunde.

Keine Krankheiten, keine Drogen

Dort erzählt der Patient, er sei vor dem Ereignis noch nie ohnmächtig geworden. Er habe sich nicht am Kopf verletzt und bisher auch nie einen Krampfanfall erlitten. Der junge Mann spielt Basketball. Er hatte bisher keinerlei gesundheitliche Probleme, wurde nie operiert, hat keine Allergien, nimmt keine Medikamente und ist gemäß Impfplan immunisiert. Er raucht nicht, trinkt nicht, nimmt keine Drogen.

Seine Mutter und Großmutter leiden unter Herzrhythmusstörungen, die allerdings nicht behandelt werden müssen, die Mutter hat zusätzlich einen erhöhten Cholesterin-Wert. Weitere besondere Diagnosen gibt es in der Familie nicht.

Beim Arzttermin ist der 17-Jährige gesund und entspannt. Wieder wird ein EKG im Liegen und anschließend im Stehen angefertigt. Die Werte sind im Normalbereich. Ein Bluttest bestätigt, dass der Patient keine Drogen nimmt.

Was könnte dann seine Ohnmacht ausgelöst haben? Herzrhythmusstörungen oder andere Herzbeschwerden könnten ein möglicher Grund sein. Doch das unauffällige EKG schließt diese Ursache aus.

Hatte er einen epileptischen Anfall? So wie die Mutter das Ereignis beschreibt, kann dies nicht der Fall sein. Denn solche Anfälle dauern typischerweise länger als eine Minute. Auch ging es dem Patienten nach der Ohnmacht schnell wieder gut – nach einem epileptischen Anfall haben Betroffene oft eine längere Phase, in der sie desorientiert, verwirrt und erschöpft sind.

Die Diagnose steht

Nach dem Ausschluss dieser Ursachen kommt für die Ärzte nur noch eine Diagnose infrage: Der 17-Jährige hat eine sogenannte neurokardiogene Ohnmacht erlitten. Diese ist vor allem bei Kindern und Jugendlichen nicht selten. Sie tritt öfter bei Mädchen auf als bei Jungen. Die Ursache ist nicht vollständig geklärt. Die Symptome aber passen.

Bevor der Junge das Bewusstsein verlor, war ihm schwindelig, er konnte nicht richtig sehen und hört einen tiefen Brummton. Auch das EKG aus der Notaufnahme hilft bei der Diagnosestellung, denn dort stieg die Herzfrequenz und der Blutdruck sank ab, als der Patient aufstehen sollte.

Wahrscheinlich werden bei der Ohnmacht durch eine falsche Nervenregulation die Blutgefäße stark geweitet, woraufhin das Hirn nicht ausreichend durchblutet wird, also zu wenig Sauerstoff bekommt. Dies führt dann zum Bewusstseinsverlust.

Eine Behandlung mit Medikamenten ist bei dem 17-Jährigen nicht nötig. Er wird mit einigen Ratschlägen für den Alltag wieder nach Hause geschickt. Wenn er die der Ohnmacht vorangehenden Symptome spürt, soll er sich hinsetzen oder -legen. Außerdem soll er mehr salzige Speisen essen und zwei bis drei Liter Wasser pro Tag trinken.

Wichtig ist für Betroffene, nicht abrupt aufzustehen, sondern lieber langsam, erklärt das Klinikum Augsburg in einer Patienteninformation. Ferner sollten sie längeres Stehen vermeiden. Ist dies notwendig, helfen bestimmte Manöver, etwa die Beine zu überkreuzen und sie aneinander zu pressen, die Zehen in den Schuhen zu krallen und die Bauch- und Gesäßmuskeln ab und zu anzuspannen.

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