Mit gesunder Haut durch den Winter

Rote Hände, spröde Lippen, schuppige Stellen am ganzen Körper – unsere Haut ist in der kalten Jahreszeit im wahrsten Sinne angespannt. Wer besonders empfindlich ist, entwickelt juckende Ekzeme und kämpft mit aufgerissenen Stellen. Vor allem Neurodermitiker plagen sich im Winter, die Kälte verstärkt die Symptome. Das Angebot an Cremes und Salben ist zwar riesig – sorgt aber häufig vor allem für eins: Ratlosigkeit vorm Drogerie-Regal. Wie finde ich die richtige Pflege und warum setzt der Winter unserer Haut so zu?

„Die Haut wird in den kalten Monaten trockener, weil unsere natürliche Hautbarriere aus der Balance gerät“, sagt Esther von Stebut-Borschitz, Direktorin der Klinik für Dermatologie und Venerologie am Universitätsklinikum Köln. „Diese Barriere verhindert das Eindringen von Fremdstoffen und Mikroorganismen und sorgt dafür, dass wir nicht zu viel Wasser verlieren.“ Der ständige Wechsel von trockener Heizungsluft und Kälte hebele diese Schutzfunktion aus.

Aufs Fett kommt es an

„Menschen, die normalerweise eine unproblematische Haut haben, aber im Winter zu Trockenheit neigen, sollten eine reichhaltigere Creme benutzen“, sagt von Stebut-Borschitz. Dabei sei der Kauf neuer Pflegeprodukte häufig gar nicht nötig, ergänzt Apotheker Thomas Benkert, Vizepräsident der Bundesapothekerkammer (BAK): „Wer Tagescreme und Nachtcreme tauscht, tut schon viel für die Haut.“ Denn Nachtcremes enthielten in der Regel mehr Fett als die leichten Tagescremes, die sich hingegen im Winter gut für die Nacht eigneten.

Wer sich dennoch im Winter eine neue Creme anschaffen will, sollte beim Kauf auf die Kennzeichnung ‚Wasser-in-Öl‘ achten, rät Benkert. Wichtig sei aber, die fettige Creme wieder zu entfernen, wenn man sich für längere Zeit in geschlossenen Räumen befinde. „Eltern schmieren ihre Kinder gern vor dem Rausgehen dick ein“, so Benkert. „Bleibt die fettige Creme auch in warmen Räumen lange auf der Haut, können Kinder regelrecht überhitzen.“

Schutz für Lippen und Hände

Und was hilft gegen trockene Lippen? Hautärztin von Stebut-Borschitz rät, die Lippen so selten wie möglich zu befeuchten. „Das lindert nur kurz das Spannungsgefühl, langfristig wird die Haut aber noch trockener.“ Fettstifte mit der Aufschrift ‚Für sehr trockene Lippen‘ seien gut geeignet. „Bewährt hat sich auch der Wirkstoff Dexpanthenol“, sagt Thomas Benkert. „Er erhöht die Elastizität der Haut.“

Nicht nur das Gesicht, auch die Hände werden in der Winterzeit empfindlicher. „Beim Händewaschen spülen wir wertvolles Fett weg“, so Benkert. Weil die Händehygiene aber besonders wichtig ist zum Schutz vor Krankheitserregern, empfiehlt er, zwar häufig zu waschen, die Hände aber danach immer einzucremen.

Täglich duschen erlaubt

Zusätzlich zur richtigen Pflegecreme können schon kleinere Vorsichtsmaßnahmen helfen, die Haut im Winter zu schützen. „Auch Menschen mit Hautproblemen dürfen entgegen der landläufigen Meinung im Winter täglich duschen“, sagt von Stebut-Borschitz. Allerdings nicht zu heiß und nicht zu lange. „Sonst entsteht eine Art Bratpfannen-Effekt und das Fett wird aus der Haut gelöst“, erklärt die Dermatologin.

Das regelmäßige Duschen hat sogar einen Vorteil: Die feuchte Haut ist anschließend besonders aufnahmefähig für Pflegeprodukte. Schon während des Duschens eignen sich etwa rückfettende Lotionen. Danach sollte man die Haut mit einem Handtuch nur trockentupfen und nicht abrubbeln.

Mehr Pflege bei Neurodermitis und Schuppenflechte

Für Menschen mit Neurodermitis und Schuppenflechte reichen kleine Alltagsveränderungen häufig nicht aus, um die Haut auch in der kalten Jahreszeit zu schützen. Um hier entgegenzuwirken, sei es wichtig, die Haut konstant zu pflegen, sagt Esther von Stebut-Borschitz. Betroffene benutzten in der Regel sowieso täglich eine Basispflege. Im Winter sollten sie auf ein Produkt mit der Aufschrift „Für sehr trockene Haut“ umsteigen.

Wie finde ich die perfekte Creme?

„Ich erlebe häufig Patienten, die einen ganzen Jutebeutel voller Produkte haben und nicht wissen, wie sie die perfekte Creme finden“, sagt von Stebut-Borschitz. Sie rät, sich Proben geben zu lassen und diese in Ruhe auszuprobieren. „Am besten trägt man sich eine neue Creme in der Ellenbeuge auf und wiederholt dies zwei bis drei Tage lang.“

Menschen mit Schuppenflechte sollten Cremes mit dem Feuchthaltefaktor Harnstoff (Urea) verwenden; ebenso wie Neurodermitiker, die zusätzlich auch vom Wirkstoff Glycerin profitierten – so empfehlen es auch die Leitlinien, an denen sich Ärzte bei der Behandlung von Neurodermitis und Psoriasis orientieren. Nur bei Babys sollte keine harnstoffhaltige Creme verwendet werden.

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