Sind pollenfreie Pflanzen sinnvoll für Allergiker?

Sind pollenfreie Pflanzen sinnvoll für Allergiker?

2019-02-21

Etwa 15 Prozent der Menschen in Deutschland haben eine Pollenallergie. Gärtnereien haben sie als besondere Zielgruppe ausgemacht: Im Handel finden sich Pflanzen, die steril und pollenfrei sind und als Lösung für Allergiker beworben werden, die sich gern im Garten aufhalten. Umweltschützer sind davon allerdings nicht begeistert, und auch Allergieexperten sind nur eingeschränkt überzeugt.

Bringen pollenfreie Pflanzen Allergikern etwas?

Man muss bei diesem Thema zwei Pflanzen-Gruppen unterscheiden:

  • Zum einen gibt es Pflanzen, die ihre vergleichsweise leichten Pollen in die Luft abgeben und vom Wind wegtragen lassen. Das sind die sogenannten Windblütler. Man erkennt sie oft daran, dass ihre Blüten unauffällig sind.
  • Zum anderen gibt es die sogenannten Insektenblütler. Sie locken Insekten mit schönen Blüten an, damit die Tiere die schweren, großen Pollen zu anderen Blüten bringen.

Haselnuss, Erle und Birke, auf die relativ viele Pollenallergiker reagieren, lassen ihren Blütenstaub mit dem Wind fliegen. Das Problem: Ein Garten ohne Birke könne nicht ganz vor allergischen Reaktionen auf Birkenpollen schützen, erklärt Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie- und Asthmabund in Mönchengladbach. „Denn der Pollen windblütiger Pflanzen wie der Birke kann durch den Wind sehr weit verbreitet werden.“

Pollenflug in Deutschland

Zwar könnten auch jene Pflanzen Allergien auslösen, die Insekten als Pollenträger nutzen. Das komme aber eher selten vor. Das Setzen von sterilen Pflanzen habe für Pollenallergiker daher nur begrenzt eine Wirkung, sagt Schwalfenberg.

Sind sterile Pflanzen schlecht für die Natur?

Umweltschützer sprechen sich klar gegen sterile Pflanzen aus – gerade wenn es um solche Pflanzen handelt, die Insekten für Nahrung ansteuern müssen. Die kleinen Tiere finden häufig zu wenig Nahrung in der Natur und den Gärten.

Marja Rottleb vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sieht es aber auch kritisch, wenn Allergier ihren Vorgarten komplett mit Kies gestalten, um sich zu schützen. Ihr Plädoyer der Umwelt zuliebe: „Auf keinen Fall sollte man auf Pflanzen verzichten.“

Andere Lösungen: Pflanzen als Pollenfänger

Naturschützerin Rottleb kann den Gedanken vieler Hobbygärtner nachvollziehen, wenn sie sich pollenfreie Pflanzen anschaffen. Aber es bestehe auch viel Unwissen. Denn auf Pflanzen mit Allergiepotenzial zu verzichten, heißt nicht, dass man auf sterile Varianten setzen muss.

Beide Expertinnen raten Allergikern von windblütigen Pflanzen ab. Alternativ sollte man auf Grün setzen, das seine Pollen mithilfe von Insekten verbreitet. Dies gilt auch für Menschen, die Kontakt- oder Duftallergien haben.

  • Rottleb empfiehlt zum Beispiel, statt Birke und Haselnuss besser Weißdorn oder Kornelkirsche zu pflanzen.
  • Und statt einer Geranie etwa einen Blut-Storchschnabel oder die Wilde Malve für den Balkonkasten zu verwenden.

Gerade bei Heuschnupfen rät Nabu-Expertin Rottleb dazu, erst recht Pflanzen in den Garten zu setzen. Denn Laubbäume und Sträucher können eine große Wirkung haben – als Begrenzung um das Grundstück gepflanzt, kann man so Windblütlern in der Nachbarschaft etwas entgegensetzen.

Fliegen etwa Birkensamen durch die Luft, verfangen sie sich in den Blättern der Gehölze. Der nächste Regen wäscht sie dann in den Boden – und der Allergieauslöser ist gebannt. Gut geeignet als Pollenfänger sind laut Nabu-Expertin auch Feldahorn oder Linde.

Natürlich gilt: Wer weiß, dass er auf eine bestimmte Pflanzenart allergisch reagiert, sollte diese nicht in seinen Garten setzen. Wichtig ist dabei: Auch auf verwandte Arten sollte man verzichten, die Kreuzreaktionen auslösen können. So sollten zum Beispiel Menschen mit einer Birkenallergie auch keine Haseln bei sich anpflanzen.

Wie können sich Pollenallergiker sonst schützen?

Um die Pollenbelastung zu senken, wird empfohlen, die Kleidung beim Betreten der Wohnung zu wechseln. Auch ist es ratsam, vor dem Schlafengehen die Haare mit Wasser auszuspülen. Auf dem Land ist die Pollenbelastung in den frühen Morgenstunden am stärksten, in der Stadt hingegen wird das Maximum erst abends erreicht: Empfohlen wird, insbesondere das Schlafzimmer nicht während dieser stärksten Belastung zu lüften.

Welche Medikamente helfen bei Heuschnupfen?

Bei akuten Symptomen werden sogenannte Antihistaminika eingesetzt. Es gibt sie als Nasenspray oder Augentropfen sowie als Tabletten und Tropfen in der Apotheke. In stärkeren Fällen kann der Arzt kortisonhaltige Mittel verordnen.

Die sogenannte Hyposensibilisierung ist bisher die einzige Möglichkeit, um die Ursache einer Allergie zu behandeln. Dabei wird das betreffende Allergen in steigender Dosis verabreicht, um den Körper daran zu gewöhnen. Bis zu 70 Prozent der Patienten sind danach oft dauerhaft oder für eine längere Zeit beschwerdefrei. Zusätzlich kann die Therapie helfen, den gefürchteten Etagenwechsel zu verhindern, bei dem sich eine Allergie zu einem allergischen Asthma weiterentwickelt.

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