So gefährlich sind verschluckte Batterien

So gefährlich sind verschluckte Batterien

2019-04-15

Immer mehr Spielzeugt schrillt, blinkt und bewegt sich. Angetrieben werden sie meist von Knopfbatterien, die auch in anderen Geräten größere Zylinder-Batterien verdrängt haben. Für Kleinkinder können sie gefährlich werden: Sie nehmen die glänzenden Plättchen gern in den Mund. Im schlimmsten Fall landen die Batterien in der Speiseröhre, dem Magern oder den Bronchien.

Solche Zwischenfälle häufen sich, zeigt eine aktuelle Analyse aus den USA. Mussten vor zwanzig Jahren im Schnitt 9,5 Kinder von 10.000 unter sechs Jahren in die Notaufnahme, weil sie etwas verschluckt hatten, waren es im Jahre 2015 bereits 18 von 10.000 Kindern. Damit hat sich die Rate nahezu verdoppelt, berichten die Forscher um Danielle Orsagh-Yentis vom Nationwide Children’s Hospital in Columbus im Fachblatt „Pediatrics“. Die Daten stammen aus dem nationalen Erfassungssystem NEISS.

In rund zwei Dritteln der Fälle waren Ein- bis Dreijährige betroffen. Am häufigsten verschluckten die Kinder Münzen (62 Prozent), gefolgt von Spielzeugteilen (10 Prozent), Schmuck (7 Prozent) und Batterien (7 Prozent).

Was Eltern beachten sollten

Verglichen mit anderen Fremdkörpern ist die Bedeutung von Batterien also noch immer klein. Ihr Verschlucken kann aber tödliche Folgen haben: Bleiben die Batterien in der Speiseröhre stecken, drohen schwere Verätzungen, Löcher oder Schwellungen, die zu Atemnot führen können. Zwischen 1995 und 2010 starben in den USA mindestens 14 Kinder, weil sie Batterien verschluckt oder eingeatmet hatten.

Auch in Deutschland hat es bereits vergleichbare Todesfälle gegeben, sagt Florian Eyer, Chefarzt der Abteilung für Klinische Toxikologie/Giftnotruf München. Die Aufnahme von Fremdkörpern, insbesondere von Knopfzellen, sei außerdem eine häufige Anfrage beim Giftnotruf München, aber auch bundesweit. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat in den vergangenen zehn Jahren Hunderte Fälle registriert, bei denen Knopfzellen unbeabsichtigt im menschlichen Körper landeten.

Wenn ein Kind eine Knopfzelle verschluckt, sollte es in jedem Fall ins Krankenhaus gebracht werden, sagt Eyer. „Gegebenenfalls muss dort eine Röntgenaufnahme gemacht werden oder die Knopfzelle sogar endoskopisch geborgen werden.“ Eltern sollten zudem darauf achten, dass Kleinkinder nicht an Knopfzellen gelangen können etwa aus Fernbedienungen und kleinen Spielfahrzeugen. Besonders, wenn größere Geschwister mit batteriebetriebenen Spielsachen im Haushalt leben.

Gefährlich ist lauf BfR vor allem der Entladungsstrom der Batterien, wenn diese in Kontakt mit den feuchten Schleimhäuten der Speiseröhre kommen. Dabei entstehen sogenannte Hydroxidionen, die zu schweren Verätzungen führen können. Besonders bei großen Knopfzellen mit mehr als zwei Zentimetern Durchmesser ist es wahrscheinlich, dass sie in der Speiseröhre stecken bleiben. Nach einigen Stunden kommt es zu Symptomen wie Erbrechen, Appetitlosigkeit, Fieber oder Husten.

Rutscht eine Batterie bis in den Magen, gibt es laut BfR nur selten Komplikationen. In diesen Fällen reicht es meist, das natürliche Ausscheiden der Knopfzelle unter ärztlicher Kontrolle abzuwarten.

Problem: verschluckte Magneten

Gefährlich werde es hingegen, wenn eine Knopfzelle oder ein anderer Gegenstand eingeatmet wird, ergänzt Kinder- und Jugendarzt Josef Kahl. In solchen Fällen droht eine chronische Bronchitis bis hin zur Lungenentzündung. Wenn Eltern nicht wissen, dass ihr Kind eine Batterie eingeatmet hat, ist eine Diagnose besonders schwer. Die Symptome wie Schmerzen, Husten, später dann Fieber und allgemeines Unwohlsein deuten auf viele Krankheiten hin.

Ein Problem sind den US-Forschern zufolge auch verschluckte Magneten, vor allem solche aus Neodym. Die Anzahl operativer Eingriffe wegen verschluckter Magneten habe in den USA zwischen 2002 und 2012 deutlich zugenommen, heißt es in der Fachzeitschrift „Pediatrics“. Gelangen mehrere davon in den Verdauungstrakt, können sie sich anziehen und dabei den Darm durchlöchern. Weitere mögliche – und ebenfalls potenziell tödliche – Folgen sind das Absterben von Gewebe, Blutvergiftungen und Verstopfung.

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