So vermeiden Sie eine Sommergrippe



Auch im Sommer und bei Hitze kann man sich erkälten. Lesen Sie hier, wo überall Erkältungsviren lauern und mit welchen Maßnahmen Sie einer Sommergrippe vorbeugen können

Kleine Erfrischung gefällig? Doch aufgepasst: Aus einer Unterkühlung kann auch mal eine Erkältung werden!

Wer denkt bei 30 Grad im Schatten schon an eine Erkältung? Schließlich hat das ja was mit Kälte zu tun. Trotzdem treten 20 Prozent aller Fälle nicht im Herbst oder Winter, sondern in der warmen Jahreszeit auf.

"Auch bei der sogenannten Sommergrippe handelt es sich um eine Infektion mit Viren, die durch Tröpfchen beim Niesen, Husten oder Sprechen übertragen werden", sagt Professor Matthias Stoll, Immunologe an der Medi­­zinischen Hochschule Hannover. "Und da bei Kontakt mit erkälteten Personen Ansteckungsgefahr besteht, gelten im Sommer die gleichen Hygieneregeln wie im Winter."

Bei hohen Temperaturen haben diese Krankheitserreger zwar schlechtere Ver­brei­tungschancen. Wenn jedoch Klimaanlagen, Zugluft, Nässe oder eisige Getränke die Temperatur der Schleimhäute senken, werden diese schlechter durchblutet, was die unspezifische Immunabwehr schwächen kann. "Mikroben dringen dann leichter in die Schleimhaut­zellen ein", erklärt Stoll.

Das subjektive Empfinden könne in diesem Zusammenhang täuschen: "Frösteln und kalte Füße sind nicht die Ursache der Erkältung, sondern das erste Symptom einer bereits stattgefundenen Infektion." Wer aber weiß, wo die typischen Kältefallen lauern, verbessert seine Chancen auf einen unbeschwerten Sommer.

Mit diesen Tipps beugen Sie einer Sommergrippe vor


Schutz vor Klimaanlagen: Viel trinken und eine leichte Jacke

Die Geräte sind nicht nur wegen der Kälte problematisch: Sie entziehen der Luft Feuchtigkeit, trocknen die Nasenschleimhäute aus und machen sie so anfälliger für Krankheits­erreger. "Außerdem funktionieren sie nur bei geschlossenen Fenstern. Es findet also kein Luftaustausch statt", erklärt Immunologe Stoll. "So können sich Erkältungs­viren leicht verbreiten."

Außerdem bereiten größere Unterschiede zwischen Innen- und Außentemperatur dem Körper erhebliche Anpassungsschwierigkeiten. Vor allem bei schweißnasser Haut kühlt er schnell aus. Einen gewissen Schutz vor dem Kälteschock in Supermärkten oder öffentlichen Gebäuden bieten leichte Jacken oder Pullis. Wegen der trockenen Luft sollten Gesunde in klimatisierten Räumen zwei bis drei Liter am Tag trinken.

Unterkühlung durch Zugluft möglichst vermeiden

Einen leichten Luftzug durch offene Fenster und Türen, Ventilatoren oder das Gebläse im Auto empfinden wir bei hohen Temperaturen als angenehm. Doch durch anhaltende Zugluft wird der Körper schnell unterkühlt. Dann sinkt auch die Temperatur in der Rachenschleimhaut. Sie trocknet aus und büßt ihre Abwehrfunktion ein. Bereits aufgenommene Viren haben dann leichtes Spiel.

"Bei lokalem Luftzug auf die Muskulatur können zudem schmerzhafte Verspannungen auftreten", sagt Experte Stoll. Deshalb sollte man auch Ventilatoren nur kurze Zeit laufen lassen und in ausreichend großem Abstand aufstellen. Was Sie im Auto nicht tun sollten: schwitzend bei offenem Fenster fahren oder die Klimaanlage voll aufdrehen und sich von der Lüftung anblasen lassen. 

Verschwitzte Kleidung so bald wie möglich wechseln

Im Sommer werden selbst leichte körper­liche Aktivitäten schnell zu einer schweiß­treibenden Angelegenheit. Schwitzen ist zwar gesund und reguliert die Körper­temperatur. Doch in der feuchten Kleidung kühlt man schnell aus. Deshalb die Sachen so bald wie möglich wechseln und beim Sport immer etwas zum Um­ziehen mit­nehmen.

­Funktionskleidung aus Poly­ester oder ­Poly­propylen ­eignet sich bei Hitze übrigens besser als ­Baumwolle: Die Synthetikfasern transpor­tieren den Schweiß von der Haut weg, sodass er auf der Außenseite des Kleidungsstücks ver­dunsten kann. Baumwolle ­speichert dagegen die Feuchtigkeit, klebt wie eine kalte Schicht auf dem Körper und senkt dadurch die Haut­temperatur. 

Nach dem Baden gleich abtrocknen und umziehen

Ein Sprung in kaltes Wasser bringt die beste Abkühlung. Die Erfrischung sollte aber nicht zu lange dauern: Zittern und blaue Lippen sind erste Anzeichen einer ­­Unterkühlung, die Erkältungsviren Tür und Tor öffnet. Nach dem Schwimmen oder Planschen gleich abtrocknen und umziehen. "Nasse Bade­kleidung erhöht zudem die ­Gefahr von Harnwegs­infekten", warnt Stoll, "vor allem weil sich die auslösenden Bakte­rien bei Feuchtigkeit sehr wohlfühlen."

Kalte Getränke schwächen die Abwehrkraft der Mundschleimhaut

Eisgekühlte Getränke verheißen eine wohltuende Erfrischung. "Wer auch noch gerne Eiswürfel lutscht, kann die Mundschleimhaut so stark herunterkühlen, dass sie ihre Abwehrkraft gegen Krankheitserreger verliert", sagt Stoll. Er rät deshalb, auf Eiswürfel zu verzichten und nur leicht Gekühltes zu trinken – am besten nur schluckweise. Eiskalte Getränke regen außerdem die Durch­­blutung an, sodass einem erst recht heiß wird. 

Jacke, Pulli, Socken: Auf Temperatursturz vorbereitet sein

Vor allem im Frühsommer oder Herbst kann die Temperatur erheblich schwanken. Nach einem Gewitter oder nach Sonnen­untergang wird es mitunter schnell ungemütlich kalt. Deshalb bei Ausflügen, Grillpartys oder im Biergarten immer einen Pulli und warme Socken dabeihaben.  

Wenn einen die Sommergrippe doch erwischt hat

Kratzen im Hals, Kribbeln in der Nase, Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen: Die Symptome einer Sommergrippe unterscheiden sich nicht von denen einer Erkältung im Winter. Damit das Immunsystem die Viren bekämpfen kann, ist vor allem Ruhe angesagt.

Wenn keine schwere Herz- oder Nierenerkrankung dagegenspricht, sollten Sie täglich zwei bis drei Liter Wasser oder Kräutertee trinken. Das befeuchtet die Schleimhäute und gleicht Flüssig­keits­verluste aus. Erkältungsmittel aus der Apotheke lindern die lästigen Symptome. Lassen Sie sich beraten!

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