Spahn will Fettabsaugen zur Kassenleistung machen

Die gesetzlichen Krankenkassen sollen nach dem Willen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) künftig das Absaugen von Körperfett bezahlen. „Bis zu drei Millionen Frauen mit krankhaften Fettverteilungsstörungen leiden täglich darunter, dass die Krankenkassen ihre Therapie nach einem Gerichtsurteil nicht bezahlen“, sagte Spahn der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Ihnen wollen wir schnell und unbürokratisch helfen.“

Die Kassen weigern sich, diese „Liposuktion zur Behandlung des Lipödems“ zu bezahlen, weil „der Nutzen noch nicht hinreichend belegt“ sei. Mit einem Ergänzungsantrag zum derzeit im Bundestag beratenen Terminservice- und Versorgungsgesetz (TVSG) will Spahn sein Ministerium grundsätzlich ermächtigen, allein und ohne Zustimmung des Bundesrates darüber zu entscheiden, welche Untersuchungs- und Behandlungsmethoden die Kassen bezahlen müssen. Bisher entscheidet die Selbstverwaltung der Ärzte, Krankenhäuser und Kassen darüber.

Gesundheitsminister Jens Spahn

In dem der „FAZ“ vorliegenden Antrag heißt es, das Gesundheitsministerium könne Methoden in die Versorgung aufnehmen, für die die Selbstverwaltung keine Regelung getroffen habe, oder für die sie „die Anerkennung eines diagnostischen oder therapeutischen Nutzens bisher abgelehnt hat“. Auch wenn es für neue Methoden kaum wissenschaftliche Belege gebe, komme eine Erstattung in Betracht, wenn es keine zumutbare Alternativbehandlung gebe.

Umtriebiger Gesundheitsminister

Der neue Vorstoß von Jens Spahn passt ins Bild: Seit neun Monaten ist er als Minister im Amt – und in dieser Zeit hat er vor allem eines geschafft: dass über Gesundheitsthemen so viel gesprochen wird wie seit Jahren nicht. Spahn hat:

  • die Pflege zum Großthema gemacht
  • er will die Digitalisierung im Gesundheitswesen vorantreiben
  • er hat eine neue Debatte über die ethischen Grundlagen der Organspende angestoßen
  • er plant eine Neuordnung der Ausbildung für Psychotherapeuten

Allerdings steht der Realitätstest für viele Vorhaben noch aus. Das nächste Jahr dürfte für Spahn schwierig werden. So zweifeln Experten daran, dass es tatsächlich gelingen wird, ab 2019 für die 13.000 zusätzlichen Altenpflegestellen genügend Bewerber zu finden. Die Krankenhäuser weisen darauf hin, dass die von Spahn geplanten Personaluntergrenzen im Zweifel bedeuten, dass Kliniken Patienten abweisen oder ganze Abteilungen schließen müssen. Und die träge Zusammenarbeit von Kassen, Ärzten und überforderten Industrieunternehmen hat bislang noch jeden Versuch ruiniert, das Gesundheitswesen schneller in die digitale Zukunft zu bringen.

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Mit gesunder Haut durch den Winter

Rote Hände, spröde Lippen, schuppige Stellen am ganzen Körper – unsere Haut ist in der kalten Jahreszeit im wahrsten Sinne angespannt. Wer besonders empfindlich ist, entwickelt juckende Ekzeme und kämpft mit aufgerissenen Stellen. Vor allem Neurodermitiker plagen sich im Winter, die Kälte verstärkt die Symptome. Das Angebot an Cremes und Salben ist zwar riesig – sorgt aber häufig vor allem für eins: Ratlosigkeit vorm Drogerie-Regal. Wie finde ich die richtige Pflege und warum setzt der Winter unserer Haut so zu?

„Die Haut wird in den kalten Monaten trockener, weil unsere natürliche Hautbarriere aus der Balance gerät“, sagt Esther von Stebut-Borschitz, Direktorin der Klinik für Dermatologie und Venerologie am Universitätsklinikum Köln. „Diese Barriere verhindert das Eindringen von Fremdstoffen und Mikroorganismen und sorgt dafür, dass wir nicht zu viel Wasser verlieren.“ Der ständige Wechsel von trockener Heizungsluft und Kälte hebele diese Schutzfunktion aus.

Aufs Fett kommt es an

„Menschen, die normalerweise eine unproblematische Haut haben, aber im Winter zu Trockenheit neigen, sollten eine reichhaltigere Creme benutzen“, sagt von Stebut-Borschitz. Dabei sei der Kauf neuer Pflegeprodukte häufig gar nicht nötig, ergänzt Apotheker Thomas Benkert, Vizepräsident der Bundesapothekerkammer (BAK): „Wer Tagescreme und Nachtcreme tauscht, tut schon viel für die Haut.“ Denn Nachtcremes enthielten in der Regel mehr Fett als die leichten Tagescremes, die sich hingegen im Winter gut für die Nacht eigneten.

Wer sich dennoch im Winter eine neue Creme anschaffen will, sollte beim Kauf auf die Kennzeichnung ‚Wasser-in-Öl‘ achten, rät Benkert. Wichtig sei aber, die fettige Creme wieder zu entfernen, wenn man sich für längere Zeit in geschlossenen Räumen befinde. „Eltern schmieren ihre Kinder gern vor dem Rausgehen dick ein“, so Benkert. „Bleibt die fettige Creme auch in warmen Räumen lange auf der Haut, können Kinder regelrecht überhitzen.“

Schutz für Lippen und Hände

Und was hilft gegen trockene Lippen? Hautärztin von Stebut-Borschitz rät, die Lippen so selten wie möglich zu befeuchten. „Das lindert nur kurz das Spannungsgefühl, langfristig wird die Haut aber noch trockener.“ Fettstifte mit der Aufschrift ‚Für sehr trockene Lippen‘ seien gut geeignet. „Bewährt hat sich auch der Wirkstoff Dexpanthenol“, sagt Thomas Benkert. „Er erhöht die Elastizität der Haut.“

Nicht nur das Gesicht, auch die Hände werden in der Winterzeit empfindlicher. „Beim Händewaschen spülen wir wertvolles Fett weg“, so Benkert. Weil die Händehygiene aber besonders wichtig ist zum Schutz vor Krankheitserregern, empfiehlt er, zwar häufig zu waschen, die Hände aber danach immer einzucremen.

Täglich duschen erlaubt

Zusätzlich zur richtigen Pflegecreme können schon kleinere Vorsichtsmaßnahmen helfen, die Haut im Winter zu schützen. „Auch Menschen mit Hautproblemen dürfen entgegen der landläufigen Meinung im Winter täglich duschen“, sagt von Stebut-Borschitz. Allerdings nicht zu heiß und nicht zu lange. „Sonst entsteht eine Art Bratpfannen-Effekt und das Fett wird aus der Haut gelöst“, erklärt die Dermatologin.

Das regelmäßige Duschen hat sogar einen Vorteil: Die feuchte Haut ist anschließend besonders aufnahmefähig für Pflegeprodukte. Schon während des Duschens eignen sich etwa rückfettende Lotionen. Danach sollte man die Haut mit einem Handtuch nur trockentupfen und nicht abrubbeln.

Mehr Pflege bei Neurodermitis und Schuppenflechte

Für Menschen mit Neurodermitis und Schuppenflechte reichen kleine Alltagsveränderungen häufig nicht aus, um die Haut auch in der kalten Jahreszeit zu schützen. Um hier entgegenzuwirken, sei es wichtig, die Haut konstant zu pflegen, sagt Esther von Stebut-Borschitz. Betroffene benutzten in der Regel sowieso täglich eine Basispflege. Im Winter sollten sie auf ein Produkt mit der Aufschrift „Für sehr trockene Haut“ umsteigen.

Wie finde ich die perfekte Creme?

„Ich erlebe häufig Patienten, die einen ganzen Jutebeutel voller Produkte haben und nicht wissen, wie sie die perfekte Creme finden“, sagt von Stebut-Borschitz. Sie rät, sich Proben geben zu lassen und diese in Ruhe auszuprobieren. „Am besten trägt man sich eine neue Creme in der Ellenbeuge auf und wiederholt dies zwei bis drei Tage lang.“

Menschen mit Schuppenflechte sollten Cremes mit dem Feuchthaltefaktor Harnstoff (Urea) verwenden; ebenso wie Neurodermitiker, die zusätzlich auch vom Wirkstoff Glycerin profitierten – so empfehlen es auch die Leitlinien, an denen sich Ärzte bei der Behandlung von Neurodermitis und Psoriasis orientieren. Nur bei Babys sollte keine harnstoffhaltige Creme verwendet werden.

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Wie sich Kinder mit Downsyndrom entwickeln

Wer ein Kind mit Downsyndrom im Bauch trägt, erfährt oft schon vor der Geburt davon. Seit einigen Jahren existiert in Deutschland sogar ein Bluttest, der verraten kann, ob ein ungeborenes Kind Trisomie 21 hat.

Erhalten Frauen diese Diagnose, müssen sie eine folgenschwere Entscheidung treffen: Wollen sie das Baby behalten oder es abtreiben? Bei dem Prozess stellen sich oft auch sehr praktische Fragen: Wie selbstständig kann das Kind später einmal sein? Wird es laufen, sprechen, schreiben lernen und einer Arbeit nachgehen? Eine aktuelle Studie liefert Antworten, die bei der ersten Orientierung helfen sollen.

Für die Untersuchung befragten Forscher um Brian Skotko vom Massachusetts General Hospital in Boston 2658 Eltern von Kindern mit Downsyndrom zu den Fähigkeiten ihrer Söhne und Töchter. Ein Großteil der Befragten (2044) lebte in den USA, ein kleiner Teil der Antworten stammt von Eltern aus den Niederlanden (669 Antworten).

Den Ergebnissen zufolge können die meisten Kinder mit Downsyndrom nach 25 Monaten laufen, mit zwölf Jahren einigermaßen sprechen, sich mit 13 um ihre Körperpflege kümmern und mit 20 Jahren arbeiten, berichten die Forscher im „American Journal of Medical Genetics“.

Steigendes Alter, größere Lernschwierigkeiten

Trotzdem könne es bei den Fähigkeiten der Kinder sehr große Unterschiede geben, sagen die Forscher. Manche Kinder blieben selbst bei der besten Therapie und Unterstützung sehr unselbstständig. Grund dafür seien die Gene. „Eltern sollten in solchen Situationen davor geschützt werden, die Schuld auf sich zu nehmen.“

Dass die Kinder die Erwartungen der Eltern nicht immer erfüllen können, wurde vor allem in einem Punkt der Umfrage deutlich: Mit steigendem Alter der Kinder berichteten Mütter und Väter zunehmend von Lernschwierigkeiten ihrer Kinder – obwohl sich diese stetig weiterentwickelten. Grund dafür sei wahrscheinlich, dass mit dem Alter die Unterschiede zwischen Kindern mit und ohne Downsyndrom immer deutlicher würden, schreiben die Forscher.

Besonders betroffen von dem Phänomen waren gebildete Eltern. Sie berichteten häufiger, dass ihre Kinder Lernschwierigkeiten hatten, obwohl sich diese vergleichsweise gut entwickelten. Das könne daran liegen, dass die Mütter und Väter höhere Erwartungen an ihre Kinder hatten, mutmaßen die Forscher.

Was konnten die meisten Kinder wann? Die Ergebnisse im Detail:

  • Laufen: Die meisten Kinder mit Downsyndrom konnten kurz nach ihrem zweiten Geburtstag laufen. Bei den Kindern ab vier Jahren stieg der Anteil auf 98 Prozent.
  • Sprechen: Ein Großteil der Kinder schaffte es, bis zum Alter von zwölf Jahren verständlich zu sprechen. Die Ergebnisse decken sich mit denen früherer Untersuchungen.
  • Lesen: Im Alter von 21 bis 30 konnten in der US-Gruppe knapp 50 Prozent Wörter entziffern, bei den Niederländern waren es den Eltern zufolge 63 Prozent.
  • Schreiben: Mit 21 bis 30 konnten den Eltern zufolge etwa 37 Prozent der Teilnehmer aus den USA einigermaßen gut schreiben, in den Niederlanden waren es 52 Prozent.
  • Essen: Fast alle Eltern berichteten, dass ihre Kinder als Erwachsene recht gut selbstständig essen konnten (97 Prozent in den USA und 96 Prozent in den Niederlanden). Jedoch konnten sich im Alter von 31 Jahren nur rund 45 Prozent der Teilnehmer aus der US-Gruppe selbst Mahlzeiten zubereiten, in den Niederlanden waren es 30 Prozent.
  • Körperpflege: Die meisten Kinder wuschen sich mit 13 Jahren selbst. Bis zum Alter von 30 kümmerten sich etwa 70 Prozent selbst um ihre Körperpflege.
  • Arbeit: Im Alter von 31 Jahren hatten 71 Prozent der Teilnehmer in den USA und 65 Prozent in den Niederlanden einen Job.
  • Eigenständig Reisen und Leben: Im Alter von 31 konnten etwa 30 Prozent der Menschen mit Downsyndrom in den USA und 17 Prozent in den Niederlanden selbstständig etwa mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen. Außerdem lebten in den Alter rund 34 Prozent der Gruppe in den USA und 30 Prozent aus der Gruppe in den Niederlanden unabhängig.

Was nicht Teil der Studie war: In früheren Untersuchungen wurden Menschen mit Downsyndrom selbst befragt, wie es ihnen geht. Die überwältigende Mehrheit erklärte, dass sie glücklich sei mit sich selbst und ihrem Aussehen. Auch darauf weisen die Forscher in ihrer aktuellen Analyse hin.

Schwächen der Untersuchung

Die aktuelle Befragung hat ein paar Schwächen. Die meisten Teilnehmer wurden über Non-Profit-Downsyndrom-Organisationen rekrutiert, da es weder in den USA noch in den Niederlanden umfassende Register für Menschen mit Downsyndrom gibt. Das begrenzt den Teilnehmerkreis.

Außerdem waren die befragten Eltern im Vergleich mit der Bevölkerung überdurchschnittlich gebildet. Grundsätzlich aber repräsentiert die Untersuchung die Meinung von mehr als 2600 Eltern – und ist eine der größten dieser Art.

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Gefahr seltener Krebserkrankung – Verkauf von Brustimplantaten gestoppt

Aufgeraute Brustimplantate des Pharmakonzerns Allergan dürfen in Europa vorerst nicht mehr verwendet werden. Betroffen sind Implantate mit einer rauen sogenannten Biocell-Oberfläche, teilten französische Behörden mit. Sie stehen im Verdacht, eine sehr seltene Krebsform zu begünstigen, sogenannte anaplastische großzellige Lymphome (ALCL).

Das Entfernen bereits eingesetztes Implantate dieses Typs wird derzeit nicht empfohlen, wenn keine Symptome auftreten. Das Risiko für Komplikationen bei dem Eingriff ist viel höher als die Gefahr, langfristig an der Krebsform zu erkranken.

Der erste bekannte Fall eines ALCL in Zusammenhang mit einem Brustimplantat aus Silikon wurde 1997 dokumentiert. Die Erkrankung ist extrem selten. Bisher wurden weltweit nur wenige Hundert Fälle dokumentiert, meist in Zusammenhang mit rauen Implantaten und den nun vom Markt genommen Produkt.

Einer Studie aus dem Jahr 2015 zufolge ist eine Patientin von bis zu drei Millionen Frauen mit Brustimplantaten betroffen. Es handelt sich jedoch nur um Schätzungen. Verlässliche Hochrechnungen sind kaum möglich, da die Zahl der dokumentierten Fälle nicht zentral erfasst wird. In Deutschland sind laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) zehn Verdachtsfälle von ALCL in Zusammenhang mit einem Brustimplantat gemeldet worden.

Kein Brustkrebs

Bei der Erkrankung handelt es sich nicht um Brustkrebs, sondern einen Krebs der Zellen des Immunsystems. Meist entstanden die Lymphome im Narbengewebe und in der Flüssigkeit um das Implantat herum. In einigen Fällen hatten sie sich jedoch im ganzen Körper ausgebreitet.

Wie lange es dauerte, bis sich die Lymphome nach der Brust-OP entwickelten, schwankte erheblich. Bei einigen Frauen wurden die Tumore schon ein Jahr nach der Implantation entdeckt, bei anderen erst nach mehr als 20 Jahren. In der Regel ist die Krebsart gut zu behandeln. Die Sterberate liegt bei unter zehn Prozent.

Warum der seltene Tumor gerade bei diesen Implantaten auftritt, ist noch unklar. „Hierbei muss betont werden, dass Brustimplantate nicht zu einem erhöhten Brustkrebs-Risiko führen“, sagt Mediziner Dennis vom Heimburg, Präsident der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC).

Brustimplantate gelten als Medizinprodukte und müssen in der EU mit dem CE-Kennzeichen zertifiziert werden, das alle fünf Jahre erneuert werden muss. Wegen der unsicheren Forschungslage ist die Zulassung für die Allergan-Implantate nun nicht verlängert worden. Der irische Pharmakonzern ließ die Implantate in Frankreich zertifizieren, deshalb war auch zunächst die dortige nationale Behörde für Arzneimittelsicherheit ANSM zuständig. Die CE-Kennzeichnung gilt jedoch EU-weit.

Im Vergleich zu Medikamenten ist die Zulassung von Medizinprodukten leicht. Der Hersteller Poly Implant Prothèse (PIP) konnte beispielsweise Brustimplantate auf den Markt schleusen, die mit Industrie-Silikon gefüllt waren. Der Betrug flog 2010 auf. Seitdem wurde die Zulassung von Medizinprodukten zwar erschwert, doch noch immer gibt es erhebliche Schwächen.

Statt einer Behörde prüfen „Benannte Stellen“ die Produkte und geben sie für den Markt frei. Das Problem: Diese Stellen sind von den Aufträgen der Hersteller abhängig, weil sie von ihnen bezahlt werden. Außerdem dürfen sich die Konzerne europaweit eine Zulassungsstelle aussuchen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Der Hersteller der aufgerauten Implantate Allergan kündigte an, vollumfänglich mit den Behörden zu kooperieren, will aber gegen die Entscheidung der französischen Behörden in Berufung gehen und sich dafür einsetzen, dass die CE-Kennzeichnung doch noch verlängert wird. Wie viele Implantate genau betroffen sind und wie häufig sie bereits eingesetzt wurden, ist unklar. Solche Informationen werden nicht zentral erfasst.

Keine einheitlichen Standards

In Deutschland erhalten Patienten pro Jahr etwa 65.000 Brustimplantate, schätzt die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC). Etwa 85 Prozent davon hätten eine aufgeraute Oberfläche. Der Vorteil: Die Implantate verbinden sich besser mit dem umliegenden Bindegewebe, wodurch sie seltener verrutschen. Dadurch sinkt auch das Risiko für schmerzhafte Verhärtungen, sogenannte Kapselfibrosen.

Allerdings gibt es laut DGPRÄC keine einheitlichen Standards bei der Definition der Oberflächen. Die Verfahren zur Erzeugung der rauen Oberfläche variieren von Hersteller zu Hersteller.

„Der Fall zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, alle Implantate vollständig und verbindlich zu erfassen“, sagt der Plastische Chirurg Riccardo Giunta. Die DGPRÄC fordere seit Jahren die Einrichtung einer verbindlichen Datenbank.

Verunsicherte Frauen, denen womöglich eines der betroffenen Implantate eingesetzt wurde, können sich von ihrem Arzt beraten lassen. Grund zu großer Sorge besteht allerdings nicht, da die Krebsform nur sehr selten ist. Ein ALCL macht sich meist als fortdauernde Schwellung oder durch Schmerzen im Umkreis des Brustimplantats bemerkbar. Außerdem sammelt sich häufig Flüssigkeiten um das Implantat herum. In einigen Fällen wurde auch verdicktes und auffälliges Narbengewebe um das Implantat beschrieben.

Generell sollten sich Frauen mit Brustimplantaten einmal im Jahr von ihrem behandelnden Arzt durchchecken lassen, unabhängig davon, ob sie Beschwerden haben oder nicht.

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Wie Alternativmedizin Krebspatienten gefährdet

Die Diagnose Krebs ist niederschmetternd. Die Therapien, die auf die Betroffenen zukommen, sind hart: Operation, Chemotherapie, Bestrahlung und bei manchen Tumoren eine Antihormontherapie. Je nach Art und Schwere der Erkrankung sind mehrere dieser Behandlungen nötig, um den Krebs zu bekämpfen.

Manche Patienten lehnen dies ab und wenden sich alternativmedizinischen Verfahren zu, deren Wirkung gegen Krebs nicht nur wissenschaftlich nicht belegt, sondern höchst zweifelhaft ist. In einigen Fällen verzichten die Betroffenen komplett auf die medizinisch wirksamen Methoden wie OP oder Bestrahlung. In anderen Fällen vertrauen sie begleitend auf Alternativmedizin – etwa in der Hoffnung, Nebenwirkungen der Krebsbehandlung besser zu verkraften.

Beunruhigendes Ergebnis

Eine Gruppe von US-Wissenschaftlern hat nun untersucht, wie es Krebspatienten ergeht, die zusätzlich zur medizinischen Behandlung auch Alternativmedizin verwenden – oder dies eben nicht tun.

Das Ergebnis ist beunruhigend: Patienten, die auch auf Alternativmedizin setzen, haben ein viel höheres Risiko, in den ersten fünf Jahren nach der Krebsdiagnose zu sterben. Dies liegt laut der im Fachblatt „Jama Oncology“ veröffentlichten Studie daran, dass sie häufig von Ärzten empfohlene Therapien ablehnen.

Das Team um James Yu von der Yale School of Medicine suchte in einer großen Datenbank, in der etwa 70 Prozent der Krebsfälle in den USA erfasst werden, zunächst nach Patienten,

  • die entweder die Diagnose Brust-, Lungen-, Prostata oder Darmkrebs erhalten hatten,
  • zumindest eine klassische Behandlung (OP, Chemo, Bestrahlung, Antihormontherapie) in Anspruch genommen hatten
  • und zusätzlich eine alternativmedizinische Methode genutzt hatten, die nicht von einem Arzt verordnet oder verabreicht worden war.
  • Außerdem schlossen sie all jene aus, deren Krebs bei der Diagnose schon so weit fortgeschritten war, dass er im Körper gestreut hatte oder nur noch eine palliative Therapie möglich war. Es wurden also nur Erkrankte ausgewählt, deren Krebs noch behandelbar war.

Am Ende blieb ein winziger Bruchteil der rund 1,9 Millionen Patienten in der Datenbank übrig. Das lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass sicher nicht alle Ärzte ihre Patienten fragen, ob diese Alternativmedizin nutzen und dass nicht alle Erkrankten, die dies tun, es den Ärzten gegenüber erwähnen.

Die Kriterien trafen auf 258 Patienten zu. Zu diesen suchten die Forscher nun möglichst ähnliche Fälle. Also Menschen, die nicht nur ebenfalls am jeweiligen Krebs erkrankt waren, sondern auch gleichen Alters, gleichen Geschlechts, gleicher Ethnie waren, ein ähnliches Bildungsniveau, Einkommen, einen ähnlichen Versicherungsstatus sowie ähnlich viele oder wenige weitere Erkrankungen hatten. Einziger Unterschied: Die Vergleichsgruppe hatte den Daten zufolge keine Alternativmedizin genutzt.

Die Patienten, die Alternativmedizin in Anspruch nahmen, waren insgesamt relativ jung, gut gebildet, hatten ein recht gutes Einkommen – und es waren mehr Frauen als Männer. Entsprechend sah auch die dazu passende Vergleichsgruppe von 1032 Krebspatienten aus.

Mehr Todesfälle

17,8 Prozent der Patienten, die auch auf Alternativmedizin setzten, starben in den fünf Jahre nach der Diagnose. In der Vergleichsgruppe starben in diesem Zeitraum 13,4 Prozent. Das Risiko, die Krankheit keine fünf Jahre zu überleben, war also beim Einsatz alternativer Methoden deutlich größer.

Der Grund dafür lässt sich aus den Behandlungsdaten ablesen. Wer Alternativmedizin nutzte, lehnte viel häufiger eine weitere medizinische Therapie ab, verzichtete also auf von Ärzten empfohlene Maßnahmen. Beispielsweise entschieden sich nur drei Prozent der Patienten in der Vergleichsgruppe gegen die angeratene Chemotherapie – unter den Alternativmedizin-Nutzern waren es 34 Prozent.

Wenn die Hinwendung zur Alternativmedizin also zum Ablehnen wirksamer Medizin führt, wird es gefährlich. Die Studienautoren raten deshalb Ärzten, mit ihren Patienten offen über Alternativmedizin zu sprechen und darüber, wie wichtig es ist, weiter auf richtige Medizin zu setzen und die anderen Verfahren wirklich nur begleitend zu nutzen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Forschergruppe ausgehend von derselben Datenbank ermittelt, wie es Krebskranken ergeht, die Alternativmedizin nutzen, aber keine der medizinisch empfohlenen Maßnahmen (OP, Chemo, Bestrahlung, Antihormontherapie) anwenden. Fast jeder zweite dieser Patienten (45 Prozent) starb in den fünf Jahren nach der Diagnose. In der Vergleichsgruppe waren es 22 Prozent.

Welche Verfahren der Alternativmedizin die Krebskranken nutzten, wurde nicht im Detail erhoben. Infrage kommen unter anderem Vitaminkuren, Ayurveda, Homöopathie, traditionelle chinesische Medizin, Akupunktur, Chiropraktik, Meditation, Gebete und spezielle Diäten.

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Selbstdreher hängen stärker an der Kippe

Erst das Blättchen glatt streichen, dann behutsam den Tabak darauf verteilen, vielleicht einen Filter zwischen die Fingerspitzen klemmen und los geht das gefühlvolle Rollen. Für manche ist das Drehen einer Zigarette ein Ritual, das zum Rauchen einfach dazugehört. Für andere ist es schlicht ein Muss, um Geld zu sparen.

So oder so: Wer selbst dreht, denkt seltener ans Aufhören und startet auch seltener Versuche, das Rauchen zu stoppen. Zu diesem Ergebnis kommt eine britische Studie, für die mehr als 38.000 Raucher befragt wurden. Als Raucher galt dabei jeder, der im vergangenen Jahr mindestens gelegentlich Zigaretten geraucht hatte. Dabei erfassten die Forscher auch, ob die Befragten in den zwölf Monaten versucht hatten, aufzuhören – und ob es ihnen geglückt war.

Die fünf wichtigsten Ergebnisse:

1. Der typische Selbstdreher: 37 Prozent der Studienteilnehmer drehten ihre Zigaretten selbst, immerhin mehr als ein Drittel. Im Durchschnitt waren die Selbstdreher etwas jünger, häufiger männlich und sozial schlechter gestellt als die Raucher von Fertigzigaretten. Vor allem der letzte Punkt lässt sich mit den Kosten erklären: Obwohl die Selbstdreher im Schnitt eine Zigarette mehr am Tag rauchten, investierten sie nur etwa halb so viel Geld in ihren Konsum wie die Raucher fertiger Zigaretten.

2. Die Motivation zum Rauchstopp ist da – aber unterschiedlich ausgeprägt: Raucher von Fertigzigaretten versuchten häufiger aufzuhören: Bei ihnen waren es 36 Prozent, bei den Selbstdrehern nur 33 Prozent. Außerdem erklärten zum Zeitpunkt der Befragung 20 Prozent der Fertigzigaretten-Raucher, dass sie hoch motiviert seien, die Zigaretten aus ihrem Leben zu verbannen. Bei den Selbstdrehern waren es nur 16 Prozent, schreiben die Forscher um Sarah Jackson vom University College London im Fachmagazin „BMJ Open“.

Die Unterschiede klingen nicht groß – gemessen an der Zahl der Raucher in der Bevölkerung betreffen sie jedoch Tausende. Allein in Deutschland rauchen rund 29 Prozent der Erwachsenen, das entspricht knapp 20 Millionen Menschen. Vorausgesetzt, die Quote der Selbstdreher ist hierzulande ähnlich hoch wie in Großbritannien, würde ihre Gruppe rund sieben Millionen Menschen ausmachen.


Wer hat’s bezahlt?

Die Studie wurde von Cancer Research UK finanziert.


3. Egal in welcher Gruppe, Aufhören klappt fast nie: Obwohl mehr als 13.000 der 38.000 Teilnehmer versucht hatten, im Jahr vor der Befragung mit dem Rauchen aufzuhören, schafften es nur knapp 2000. Dabei gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen Selbstdrehern und den Rauchern von Fertigzigaretten. Während bei Selbstdrehern 14 Prozent der Gewillten das Aufhören gelang, waren es in der anderen Gruppe 15 Prozent.

4. Wer sich das Aufhören vornimmt – und wer es schafft: Die geringen Erfolgsquoten zeigen, wie schwierig der Rauchstopp ist. Unter denen, die sich vornahmen, von den Zigaretten wegzukommen, waren besonders viele junge, gebildete Frauen. Tatsächlich erfolgreich waren aber vor allem ältere, gebildete Raucher beider Geschlechter.

5. Die unterschiedlichen Gründe, das Rauchen aufzugeben: Von mehr als 10.000 Teilnehmern hatten die Forscher Daten zu den Beweggründen für den Versuch aufzuhören. Die Raucher von Fertigzigaretten berichteten deutlich häufiger als Selbstdreher, aufgrund der Kosten aufhören zu wollen. Dafür spielten bei Selbstdrehern Gesundheitsprobleme eine größere Rolle.

Gründe für den Rauchstopp

Warnhinweise auf den Verpackungen hingegen beeindruckten kaum einen Raucher so stark, dass er deshalb aufhören wollte – das galt für alle Teilnehmer der Studie.

Das Fazit: billig und individuell, warum also verzichten?

Dass Rauchen tötet, weiß mittlerweile jeder. Jährlich sterben etwa sechs Millionen Menschen weltweit an den Folgen ihres Zigarettenkonsums. Allein in Deutschland hätten dieses Jahr Zehntausende Lungenkrebsfälle vermieden werden können, wenn die Menschen nie geraucht hätten. Trotzdem fehlt vielen Rauchern die Motivation aufzuhören – das gilt für Selbstdreher noch stärker als für Nutzer von Fertigzigaretten.

Ein Hauptgrund dafür könnten die geringeren Kosten der selbst gedrehten Zigaretten sein. „Da Selberdrehen eine günstige Alternative zu in Fabriken hergestellten Zigaretten bietet, können sich die Nutzer das Rauchen möglicherweise einfach länger leisten und sind nicht gezwungen aufzuhören“, sagt Studienautorin Jackson. Geht es nach den Forschern, sollten die Preise für Drehtabak angehoben werden.

Daten aus Europa zeigen, wie stark sich das auswirken kann. Demnach führt eine Preissteigerung von zehn Prozent dazu, dass die Zahl der Raucher um etwa fünf bis sieben Prozent sinkt – und besonders junge und sozial benachteiligte Menschen das Rauchen aufgeben.

Einen Faktor aber werden auch höhere Preise nicht beheben können: Das Drehen ermöglicht es jedem, die individuelle Lieblings-Zigarette zu bauen, bei einem zusätzlichen Ritual. Die kann auch mal etwas dünner ausfallen, wenn das Geld gerade knapp ist, ohne gleich ganz aus dem Leben zu verschwinden.

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Jung, gesund, ohnmächtig

Zwei Stunden hat der 17-Jährige gesessen, als er aufsteht, um ins Bad zu gehen, passiert es: Nach ein paar schnellen Schritten wird ihm schwindelig. Er lehnt sich gegen eine Wand. Seine Sicht ist gestört, er hört einen tiefen Brummton.

Die Mutter des jungen Mannes ist in der Nähe und erlebt deshalb, was als nächstes geschieht. Der Körper des 17-Jährigen erschlafft. Er fällt zu Boden, wo er etwa 20 Sekunden lang am ganzen Körper zuckt. Sie bemerkt, dass seine Arme und Beine dabei schlaff bleiben und die Zuckungen nicht rhythmisch sind. Außerdem ist ihr Sohn sehr blass.

Etwa eine Minute später kommt er wieder zu Bewusstsein, kurz danach ist er wieder völlig orientiert und klar. Er fühlt sich weder erschöpft noch ist ihm übel, er kann stehen und normal gehen.

Direkt nach seiner Ohnmacht wird der Patient in einer Notaufnahme im US-Bundesstaat Wisconsin untersucht. Die Ärzte messen unter anderem die Herzaktivität per EKG. Der Herzrhythmus ist normal. Allerdings schlägt sein Herz deutlich schneller und sein Blutdruck sinkt, als er aufsteht. Die Mediziner schicken den Patienten, dem es inzwischen wieder gutgeht, mit dem Hinweis nach Hause, dass er einen Termin bei seinem Hausarzt machen soll.

Dieser Termin findet einen Monat später statt, wie Alexa Beversdorf von der University of Wisconsin im „Journal of Pediatric Health Care“ berichtet. Obwohl er bereits 17 ist, fällt der Fall noch in die Kinder- und Jugendheilkunde.

Keine Krankheiten, keine Drogen

Dort erzählt der Patient, er sei vor dem Ereignis noch nie ohnmächtig geworden. Er habe sich nicht am Kopf verletzt und bisher auch nie einen Krampfanfall erlitten. Der junge Mann spielt Basketball. Er hatte bisher keinerlei gesundheitliche Probleme, wurde nie operiert, hat keine Allergien, nimmt keine Medikamente und ist gemäß Impfplan immunisiert. Er raucht nicht, trinkt nicht, nimmt keine Drogen.

Seine Mutter und Großmutter leiden unter Herzrhythmusstörungen, die allerdings nicht behandelt werden müssen, die Mutter hat zusätzlich einen erhöhten Cholesterin-Wert. Weitere besondere Diagnosen gibt es in der Familie nicht.

Beim Arzttermin ist der 17-Jährige gesund und entspannt. Wieder wird ein EKG im Liegen und anschließend im Stehen angefertigt. Die Werte sind im Normalbereich. Ein Bluttest bestätigt, dass der Patient keine Drogen nimmt.

Was könnte dann seine Ohnmacht ausgelöst haben? Herzrhythmusstörungen oder andere Herzbeschwerden könnten ein möglicher Grund sein. Doch das unauffällige EKG schließt diese Ursache aus.

Hatte er einen epileptischen Anfall? So wie die Mutter das Ereignis beschreibt, kann dies nicht der Fall sein. Denn solche Anfälle dauern typischerweise länger als eine Minute. Auch ging es dem Patienten nach der Ohnmacht schnell wieder gut – nach einem epileptischen Anfall haben Betroffene oft eine längere Phase, in der sie desorientiert, verwirrt und erschöpft sind.

Die Diagnose steht

Nach dem Ausschluss dieser Ursachen kommt für die Ärzte nur noch eine Diagnose infrage: Der 17-Jährige hat eine sogenannte neurokardiogene Ohnmacht erlitten. Diese ist vor allem bei Kindern und Jugendlichen nicht selten. Sie tritt öfter bei Mädchen auf als bei Jungen. Die Ursache ist nicht vollständig geklärt. Die Symptome aber passen.

Bevor der Junge das Bewusstsein verlor, war ihm schwindelig, er konnte nicht richtig sehen und hört einen tiefen Brummton. Auch das EKG aus der Notaufnahme hilft bei der Diagnosestellung, denn dort stieg die Herzfrequenz und der Blutdruck sank ab, als der Patient aufstehen sollte.

Wahrscheinlich werden bei der Ohnmacht durch eine falsche Nervenregulation die Blutgefäße stark geweitet, woraufhin das Hirn nicht ausreichend durchblutet wird, also zu wenig Sauerstoff bekommt. Dies führt dann zum Bewusstseinsverlust.

Eine Behandlung mit Medikamenten ist bei dem 17-Jährigen nicht nötig. Er wird mit einigen Ratschlägen für den Alltag wieder nach Hause geschickt. Wenn er die der Ohnmacht vorangehenden Symptome spürt, soll er sich hinsetzen oder -legen. Außerdem soll er mehr salzige Speisen essen und zwei bis drei Liter Wasser pro Tag trinken.

Wichtig ist für Betroffene, nicht abrupt aufzustehen, sondern lieber langsam, erklärt das Klinikum Augsburg in einer Patienteninformation. Ferner sollten sie längeres Stehen vermeiden. Ist dies notwendig, helfen bestimmte Manöver, etwa die Beine zu überkreuzen und sie aneinander zu pressen, die Zehen in den Schuhen zu krallen und die Bauch- und Gesäßmuskeln ab und zu anzuspannen.

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Wie wollen Sie im Alter leben?

Lernen von den ElternWie wollen Sie im Alter leben?

SPIEGEL WISSEN hat ein achtwöchiges Pflege-Coaching entwickelt, das dabei hilft, alte Eltern kompetent zu begleiten. Dies ist der achte und damit letzte Teil. Die anderen Teile finden Sie hier.

In den vergangenen Wochen haben Sie sich im Coaching mit einem Thema beschäftigt, das viele Menschen gern ausblenden: dem Altwerden der eigenen Eltern und damit letztlich auch dem eigenen Älterwerden. Wer noch nicht so nah an der konkreten Situation ist, kann dieses Coaching als eine Art Prävention sehen.

In vielen der Übungen, die wir hier vorgestellt haben, ging es primär darum, eine stabile Bindung zu den Eltern zu entwickeln oder zu stärken und einen praktischen Umgang mit Fragen zu Hilfe und Pflege hinzubekommen. In dieser letzten Einheit geht es vor allem um Sie selbst.

„Ich glaube, es ist viel wert, wenn man aus dem dumpfen Unbehagen herauskommt und sich konkret mit dem Altwerden beschäftigt, denn Alterserscheinungen und vorausgehende Gebrechlichkeit kommen ja mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf uns zu „, sagt die Psychologieprofessorin Katja Werheid, die dieses Coaching zusammen mit dem SPIEGEL-WISSEN-Team entwickelt hat.


Dazu kommt, dass die Beschäftigung mit dem Thema Alter auch die Frage beeinflusst, wie wir unser eigenes Leben gestalten wollen. Deshalb ist die letzte Aufgabe eine Art Selbstreflexion: „Was ist mir wichtig? Was will ich ändern? Was habe ich in Bezug aufs Altwerden gelernt?“ Beantworten Sie dazu die folgenden fünf Fragen, entweder im Kopf oder schriftlich:

  • Wie will ich mit meinen Eltern in Zukunft umgehen? Wo habe ich Schwachstellen gefunden, die ich ändern will? Was würde mir Spaß und Freude machen im Umgang mit meinen Eltern und meiner Familie?
  • Wo will ich selbst erwachsener handeln: mich einerseits abgrenzen, andererseits offen und gelassen bleiben? Meinen Eltern, meinen Geschwistern, aber auch anderen Menschen wie Partnern, Arbeitskollegen oder Freunden gegenüber?
  • Wie will ich selbst leben, wenn ich älter werde? Mit welchem Partner, mit welchen Freunden, mit welcher Arbeit, Ehrenämtern oder Hobbys?
  • Was ist mir wichtig im Leben? Welche Dinge will ich jetzt verwirklichen oder erleben, die ich vielleicht nur noch wenige Jahre realisieren kann?
  • Was finde ich schön am Alter? Was davon könnte ich jetzt schon zelebrieren und mehr in mein Leben holen?

Haben Sie diese Fragen beantwortet oder zumindest zum Teil? Dann überlegen Sie sich nun zum Abschluss des Coachings, ob es eine einzelne Erkenntnis gibt, die Sie in den vergangenen Wochen im Hinblick auf Ihr eigenes Alter und die Beziehung zu Ihren Eltern neu hinzugewonnen haben. Damit wäre viel erreicht: Denn oft sind es schon ganz kleine Veränderungen im Umgang mit der eigenen Familie, die einen großen Unterschied bewirken.


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ABSCHLUSSTIPP: Versuchen Sie auf jeden Fall, Regelmäßigkeit in die Kontakte mit Ihren alternden Eltern zu bekommen. Ob Sie einmal in der Woche oder täglich miteinander telefonieren, ist nicht entscheidend. Wichtig ist, dass Sie es verlässlich tun.

Wir wünschen Ihnen eine schöne Zeit mit Ihren Familien.

Ihr SPIEGEL-WISSEN-Team

Zu jeder Ausgabe bietet SPIEGEL WISSEN ein praktisches, leicht im Alltag umsetzbares Online-Coaching passend zu seinem jeweiligen Heftthema an.

Jedes Coaching dauert acht Wochen. Während dieser Zeit erhalten Sie immer freitags per E-Mail eine Übungseinheit, die Ihnen helfen kann, Ihr Leben besser zu gestalten. Hier den Newsletter bestellen:

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„Ich finde mein Leben heute schöner als vor der Diagnose“

SPIEGEL ONLINE: Herr Spiegel, Sie sind 36 Jahre alt, hetero, HIV-positiv und setzen sich für mehr Offenheit im Umgang mit der Infektion ein. Der Name Philipp Spiegel ist aber ein Pseudonym, weil Sie nicht unter Ihrem echten Namen über Ihre Erfahrungen sprechen wollen. Klingt nach einem Widerspruch.

Philipp Spiegel: Richtig, aber es ist das Dilemma, in dem ich mich seit Jahren befinde: Auf der einen Seite begleitet mich immer die Angst, entdeckt zu werden. Auch heute noch, fast fünf Jahre nach der Diagnose, wenn auch in sehr abgeschwächter Form. Auf der anderen Seite gibt es so viel Unwissenheit, Ignoranz und Vorurteile gegenüber HIV-Positiven. Da muss ich als Betroffener einfach den Mund aufmachen.

SPIEGEL ONLINE: Was läuft Ihrer Meinung nach schief?

Philipp Spiegel: Als heterosexueller Mann gehöre ich zu der Gruppe von HIV-Positiven, über die kaum jemand spricht. HIV und Aids werden immer noch mit Schwulsein, Drogen oder Prostitution assoziiert. Wenn ich jemandem von meinem Status erzähle, sehe ich, wie das Kopfkino los geht: Freddie Mercury, ausgemergelte Körper, Tod. Heute kann ich damit umgehen, aber lange Zeit machte es das unglaublich schwer, frei darüber zu sprechen.

SPIEGEL ONLINE: Wie leben Sie denn mit dem Virus?

Philipp Spiegel: Sehr gut, ich spüre im Alltag nichts davon. Nur einmal wurde ich krank, das war kurz nach der Infektion, wie ich jetzt weiß. Ich habe mich bei einer Frau angesteckt, die selbst nicht wusste, dass sie HIV-positiv ist. Es ging mir damals kurze Zeit körperlich sehr schlecht, vermutlich weil sich die Viren stark vermehrten. Seither bin ich in Wien in ärztlicher Behandlung und nehme Medikamente, täglich eine Pille. Nebenwirkungen habe ich keine. Alle drei Monate checkt mein Arzt mein Blut und kontrolliert, ob die Viren unterhalb der Nachweisgrenze sind. Weil das immer der Fall ist, kann ich niemanden anstecken. Ich kann Sex haben, ohne jemanden zu infizieren und ich könnte gesunde Kinder bekommen.

Im Video: HIV-positiv – Mein Leben mit dem Virus

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie jemanden infiziert?

Philipp Spiegel: Gott sei Dank nicht. Zwischen meiner Infektion und der Diagnose vergingen einige Monate und bei drei Frauen war es im Nachhinein fraglich. Aber sie haben sich testen lassen und sind HIV-negativ. Ich möchte nicht wissen, wie es sich anfühlt, jemanden infiziert zu haben.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie wütend auf die Frau, die Sie angesteckt hat?

Philipp Spiegel: Nein, ich gebe ihr keine Schuld. Sie wusste ja nicht von ihrer Infektion. Vielmehr habe ich mir selbst Vorwürfe gemacht, wie ich so blöd und unvorsichtig sein konnte.

SPIEGEL ONLINE: Wie hat Sie die Diagnose getroffen?

Philipp Spiegel: Ich war gerade in einem Ashram im tiefsten Indien und musste einen HIV-Test ablegen, um dort zu wohnen. Ich war mir meiner Gesundheit so sicher! Als die Blutergebnisse vor mir lagen, wollte ich sie nicht wahrhaben. Ich war wie in einer Schockstarre und sah mein Leben vor meinem inneren Auge Revue passieren. Mir war sofort klar, dass ich das nicht allein schaffe. Mein Bruder war der Erste, der auf meinen Hilferuf antwortete.

SPIEGEL ONLINE: Wie hat er reagiert?

Philipp Spiegel: Er ist das Problem sehr analytisch angegangen: Was wissen wir? Was bedeutet das? Was können wir tun? Mit einem Schlag war ich nicht mehr allein. Noch in der ersten Nacht habe ich gelernt, was das Virus kann, welche Medikamente wie wirken und dass man trotz einer HIV-Infektion bei guter Therapie eine normale Lebenserwartung hat. Richtig geholfen hat mir dieses Wissen aber erst Jahre später.

SPIEGEL ONLINE: Wie meinen Sie das?

Philipp Spiegel: Die psychischen Folgen der Diagnose waren viel gravierender als die körperlichen. In mir machte sich eine lähmende Angst breit. In der ersten Zeit hatte ich Angst, andere anzustecken und dass man mir die Viren ansieht. Dann hatte ich Angst vor den Reaktionen, wenn ich mich oute, vor Diffamierung und dem gemeinen Hass im Netz. Und eben Angst, entdeckt zu werden. Das Gefühl, gefangen zu sein, machte mich angespannt und aggressiv.

SPIEGEL ONLINE: Inzwischen haben Sie Hunderte Outings hinter sich. War es so schlimm wie befürchtet?

Philipp Spiegel: Zu Anfang ja, aber nicht aus dem erwarteten Grund. Familie und Freunde haben mich nie verurteilt. Stattdessen konnte ich aber jedes Mal mit ansehen, wie mein Gegenüber unter der zentnerschweren Last zusammensank, die ich ihm aufbürdete. Je näher mir jemand war, umso schockierter reagierte er oder sie. Ich musste dann beruhigen, obwohl mir selbst das Herz bis zum Hals schlug.

SPIEGEL ONLINE: Sie waren Überbringer der schlechten Nachricht und Tröster zugleich?

Philipp Spiegel: Genau.

SPIEGEL ONLINE: Und heute?

Philipp Spiegel: Heute belastet mich die Krankheit selbst viel weniger. Ich weiß das Wichtigste über das Virus und seine Folgen und kann dadurch meinem Gegenüber aus meiner Überzeugung heraus genau erklären, was es für mich heißt, HIV-positiv zu sein. Ich habe die Kontrolle zurückgewonnen und fühle mich endlich nicht mehr gefangen.

SPIEGEL ONLINE: Bei Ihrem Pseudonym bleiben Sie dennoch?

Philipp Spiegel: Ja, aber wer meinen echten Namen herausbekommen möchte, der kann ihn herausfinden. Ich will nicht erpressbar sein. Andererseits arbeite ich als Fotograf und sehe meine Arbeit unabhängig von der Auseinandersetzung mit der Infektion. Vielleicht nervt mich das Thema auch irgendwann und ich möchte es in der Öffentlichkeit zu den Akten legen.

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem wird das Virus Sie ein Leben lang begleiten, HIV ist nach wie vor nicht heilbar.

Philipp Spiegel: Richtig, aber ich bin heute unendlich dankbar für mein Leben. Würde ich keine Medikamente nehmen, müsste ich statistisch gesehen im nächsten Jahr sterben. Die Auseinandersetzung mit meiner eigenen Verletzbarkeit, mit meinem Tod hat mich demütig gemacht. Ich empfinde mein Leben sogar als reicher und schöner als vor der Diagnose.

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Zahl der Malaria-Infektionen nimmt zu

219 Millionen Fälle, 435.000 Tote: Lange Zeit sank die Zahl der Malaria-Infektionen kontinuierlich, nun steigt sie wieder. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) registrierte im Jahr 2017 zum zweiten Mal in Folge mehr Malariafälle als im Vorjahr. Ohne einen stärkeren Einsatz drohten die Erfolge der vergangenen Jahre zunichte gemacht zu werden, warnte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag.

Es sei dringend nötig, die Mittel für den Kampf gegen Malaria aufzustocken. „Die Tatsache, dass alle zwei Minuten ein Kind an dieser vermeidbaren und heilbaren Krankheit stirbt, ist inakzeptabel.“

„Massiver Weckruf“

Die Zahl der erfassten Malaria-Erkrankungen stieg 2017 im Vergleich zum Vorjahr um gut zwei Millionen auf 219 Millionen Fälle, wie aus dem Welt-Malaria-Bericht der WHO hervorgeht. Gut 90 Prozent aller Erkrankungen gab es in Afrika. Die Zahl der Todesfälle fiel leicht von 451.000 im Jahr 2016 auf 435.000 im Jahr 2017. Unter den Opfern waren rund 266.000 Kleinkinder bis zu fünf Jahren.

Für die Zeit von 2010 bis 2015 hatte die WHO jedes Jahr gute Fortschritte im Kampf gegen Malaria vermeldet. Doch seit 2016 stiegen die Fallzahlen wieder an, insbesondere in den am meisten betroffenen afrikanischen Ländern wie Nigeria, Mosambik und dem Kongo.

Dies sei ein „massiver Weckruf“, sagte Tedros. Die WHO kündigte eine Initiative an, um die am meisten betroffenen Länder gezielter zu unterstützen. Rund 70 Prozent aller Malaria-Fälle betreffen elf Länder: Nigeria, Kongo, Mosambik, Burkina Faso, Kamerun, Ghana, Mali, Niger, Uganda, Tansania und Indien.

Malaria wird durch Stiche von Anopheles-Mücken übertragen, die den Erreger in sich tragen. Sie stechen vor allem nachts zu. Die Erreger – sogenannte Plasmodien – gelangen in die Blutbahn und vermehren sich in der Leber. Die in Afrika verbreitete schwerste Form, die Malaria tropica, wird durch den Erreger Plasmodium falciparum ausgelöst. Malaria verursacht Fieber, Anämie und neurologische Probleme. Unbehandelt kann die Krankheit tödlich verlaufen.

Armut bleibt Hauptproblem

Trotz der hohen Malaria-Gefahr in den betroffenen Gebieten Afrikas schlief der WHO zufolge 2017 nur etwa die Hälfte der Bevölkerung unter einem mit Insektiziden behandelten Moskitonetz – was als wichtigste Schutzmaßnahme gegen Malaria gilt. Zudem hätten immer noch zu wenig Schwangere Zugang zu Prophylaxe-Medikamenten.

Die internationalen Ausgaben zur Eindämmung von Malaria lagen der WHO zufolge 2017 bei etwa 3,1 Milliarden US-Dollar. Um das Ziel zu erreichen, die Zahl der Malaria-Erkrankungen und Todesfälle bis 2030 um 90 Prozent zu reduzieren, seien mindestens 6,6 Milliarden US-Dollar pro Jahr nötig, so die WHO.

Wenn die betroffenen Länder und die internationale Gemeinschaft ihre Bemühungen verstärkten, könne Malaria besiegt werden, so Tedros. „Ich bin zuversichtlich, dass wir den Kampf gegen diese jahrhundertealte Krankheit gewinnen werden und zurück zu unserer gemeinsamen Vision kommen: eine Welt ohne Malaria.“

Diese Länder machen Fortschritte

Einige Länder haben der WHO zufolge 2017 gute Fortschritte bei der Bekämpfung von Malaria gemacht. In Äthiopien, Ruanda, Indien und Pakistan etwa sei die Zahl der Erkrankungen deutlich zurückgegangen. Das liegt daran, dass die Länder in den vergangenen Jahren gezielt Schutzmaßnahmen ergriffen haben. In indischen Großstädten wie Kalkutta versprühen Behörden beispielsweise Gase, die die Mücken abtöten. Dadurch sinkt das Risiko für eine Infektion erheblich.

Den größten Anstieg dagegen verzeichnete Nigeria mit etwa 1,3 Millionen zusätzlichen Fällen. Der westafrikanische Staat verzeichnet die meisten Malaria-Erkrankungen weltweit, gefolgt vom Kongo. Die Bekämpfung der Krankheit gestaltet sich in diesen Ländern wegen großer Armut, einem desolaten Gesundheitssystem und schlechter Infrastruktur besonders schwierig.

Bislang gibt es keine flächendeckende Impfung gegen Malaria. Es gibt Prophylaxe-Medikamente, die oft von Reisenden genommen werden. Auch sie bieten keinen hundertprozentigen Schutz. Die beste Prävention ist der Schutz vor Mückenstichen. Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung lebt der WHO zufolge in Malaria-Risikogebieten. Im wohlhabenderen Asien und in Lateinamerika sind Prophylaxe und ärztliche Behandlung dabei deutlich besser als in Afrika.

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