Was ist eine Sedierung?



Die "Schlafspritze" ermöglicht einen Dämmerschlaf auch während nicht so angenehmen Untersuchungen wie einer Magen-Darm-Spiegelung

Spritze, Tablette, Infusion: Sedierende Wirkstoffe gibt es in unterschiedlichsten Darreichungsformen

Die Schmerzgrenze des einzelnen kann sehr unterschiedlich sein. Während manche am liebsten bei jedem Zahnarztbesuch eine "Schlafspritze" erhalten würden, lassen andere sich Füllungen machen und Weisheitszähne ziehen ohne mit der Wimper zu zucken.

Was aber hat es mit der Spritze auf sich, die einen müde macht und Schmerzen vergessen lässt?

Wenn Ärzte von einer "Sedierung" sprechen, meinen sie, dass der Patient mit Medikamenten schläfrig und ein wenig benommen gemacht wird. Sein Nervensystem funktioniert nicht mehr so wie normal, die Reaktionsfähigkeit nimmt ab.

Verschiedene Wirkstoffe kommen dazu infrage, einer der gängigsten ist Midazolam. Diese Stoffe erhalten Patienten beispielsweise als Spritze, Infusion oder Tablette – abhängig davon, für welchen Eingriff die Sedierung notwendig ist, wie schnell und wie lange sie genau wirken sollen. Die Folge ist eine Art Dämmerschlaf. Wie stark sich die Wirkstoffe bemerkbar machen, ist von der Dosierung abhängig und kann von Mensch zu Mensch sehr verschieden ausfallen. Manche sind zwar ansprechbar und antworten auf Fragen, empfinden aber kaum Schmerzen. Andere schlafen tief und fest. Je nach Medikament kann es auch sein, dass ein Patient, obwohl er während der Untersuchung klar mit den Ärzten gesprochen hat, anschließend gar keine Erinnerungen mehr daran hat.

Welche Nebenwirkungen hat eine Sedierung?

Welche Nebenwirkungen vorkommen können, sollte Ihr Arzt vorab mit Ihnen besprechen. Denn Wirkung und Nebenwirkungen sind je nach verwendetem Mittel etwas unterschiedlich. Allen gemeinsam ist, dass sie benommen und müde machen – und zwar mehr oder weniger lange über die Zeit der Untersuchung hinaus. Daher gilt man in diesem Zeitraum zum Beispiel als nicht geschäftsfähig und darf nach der Sedierung je nach verwendetem Mittel für etwa 24 Stunden kein Fahrzeug steuern. Wer einen ambulanten Eingriff im Dämmerschlaf plant, sollte also am besten eine Person bitten, ihn zu begleiten und anschließend nach Hause zu bringen.

Daneben behindern die Medikamente die Nervenfunktion. Das kann dazu führen, dass beispielsweise Schutzreflexe wie der Hustenreflex bei Verschlucken verlangsamt oder außer Kraft gesetzt sind. In seltenen Fällen kann auch die Atmung während des Eingriffs beeinträchtigt werden, so dass eine Sauerstoffgabe oder gar eine Beatmung notwendig wird.

Wann kommt eine Sedierung infrage?

Eine Sedierung kann dazu beitragen, unangenehme Untersuchungen oder Eingriffe leichter erträglich zu machen und den Patienten Furcht und Schmerzen zu nehmen. Angewendet wird die Sedierung in den verschiedensten Situationen: Beim Zahnarzt wird sie insbesondere sehr ängstlichen Menschen angeboten, bei Magen-Darm-Spiegelungen kommt sie sehr häufig zum Einsatz, bei MRT-Untersuchungen kann sie beispielsweise bei Kindern und Personen mit Platzangst (Klaustrophobie) gute Dienste leisten. Viele kennen auch die beruhigende Tablette vor der Operation.

Wer übernimmt die Kosten?

Ob ein Patient für eine Sedierung selbst zahlen muss oder nicht, hängt davon ab, warum der Dämmerschlaf nötig ist. Bei zahnärztlichen Behandlungen sind die Kosten zum Beispiel üblicherweise ganz oder mindestens teilweise selbst zu tragen. Bei der Magen-Darm-Spiegelung bezahlen die Krankenkassen sie in der Regel hingegen und ebenso wenn die Sedierung aus medizinischen Gründen unbedingt erforderlich ist. Führt nicht der Untersucher oder Therapeut selbst die Sedierung durch, sondern kommt ein Narkosearzt extra dafür dazu, kann es jedoch anders aussehen. Wer die Kosten übernimmt, sollte man daher im Einzelfall vorab klären.

Muss man für die Sedierung nüchtern sein?

Wie lange man vor und nach einem Eingriffv nichts essen und trinken darf, sollte man immer mit dem Arzt besprechen. Als Faustregel gilt: Normalerweise sollte sechs Stunden vor dem Dämmerschlaf nichts mehr gegessen werden. Bis zwei Stunden vor der Sedierung können Patienten aber noch klare Flüssigkeiten zu sich nehmen.

Lesen Sie auch:

Darmspiegelung: So bereiten Sie sich vor

Was Sie in den Tagen vor der Darmkrebsvorsorge-Untersuchung beachten sollten

Quelle: Den ganzen Artikel lesen

Die ländliche Jugend mit leichten Kopfverletzungen mit höheren medizinischen Kosten, weniger Pflege

Familien der ländlichen Kinder mit leichten Kopfverletzungen mehr bezahlen für die medizinische Versorgung und bekommen weniger von der Washington State University-Analyse gefunden hat.

Janessa M. Graves, ein Assistenzprofessor der Krankenpflege an WSU Spokane, analysierten Daten auf mehr als 380.000 Kinder mit leichtem Schädel-Hirn-Verletzungen, die in der Regel mit Gehirnerschütterungen. Sie sind verantwortlich für fast alle Arten von Schädel-Hirn-Verletzungen mit mittelschwerer und schwerer als die anderen beiden. Auf der ganzen, Schädel-Hirn-Verletzung ist eine führende Ursache von Tod und Behinderung bei Kindern und Jugendlichen in den Vereinigten Staaten.

Patienten mit leichtem Schädel-Hirn-Trauma im Krankenhaus sind weniger Häufig und oft behandelt, ganz wie in der Ambulanz. Etwa ein Drittel anhaltende Symptome wie kognitive Ermüdung, Unaufmerksamkeit und Schwierigkeiten, Dinge zu erinnern, die für Wochen und Monate nach der Verletzung.

Noch Gräber gefunden, die ländlichen Patienten erhielten weniger Pflege. Mittlerweile, Ihre Kosten im Gesundheitswesen, waren signifikant höher als jene der städtischen Jugend in den sechs Monaten, nachdem er verletzt.

Ihre Kosten wurden durchschnittlich 11 Prozent höher, und Sie waren weniger wahrscheinlich, dass Sie spezielle Dienste. Sie waren halb so wahrscheinlich, Logopädie und 40 Prozent weniger wahrscheinlich, um die psychiatrische Versorgung.

„Es ist wie eine wirtschaftliche Belastung für die Menschen im ländlichen Raum, für die Gesundheitsversorgung,“ Graves sagte. „Um geeignete Gesundheitsversorgung ist eine echte Herausforderung, nicht zu schweigen von der Tatsache, dass die ländlichen Kinder möglicherweise eher zu einem Schädel-Hirn-Verletzungen als städtische Kinder, und Sie haben oft mehr schwere Verletzungen.“

Die Studie, veröffentlicht in der Zeitschrift „Health Services Research“, unterstreicht eine dunklere Seite des ländlichen Lebens. Die ländlichen Bewohner fast ausnahmslos verbringen Sie mehr Zeit, um von einem Ort zum anderen, oft auf gefährliche zwei-spurigen Autobahnen, führen zu höheren Preisen von bad stürzt.

In einem Sinne, der Kinder enthalten in der Basedow-Studie waren unter den mehr Glück: Sie hatte die gewerbliche Krankenversicherung durch eine private, vom Arbeitgeber gesponsert Gesundheit Pläne. Dies ist auch, wie die Gräber und Ihre Kollegen analysieren könnte Ihre Nutzung der Gesundheitsversorgung, in die Erschließung einer kommerziellen Datenbank von 20 Millionen Abonnenten.

Unter der Studie die wichtigsten Ergebnisse:

  • Städtische Kinder waren wahrscheinlicher, mindestens eine Sprachtherapie besuchen und mindestens eine Psychiatrie oder Psychologie zu besuchen. Städtische Kinder hatten auch mehr Psychiatrie oder Psychologie besucht.
  • Ländliche Kinder mit leichtem Schädel-Hirn-Verletzungen waren eher mehrere traumatische Verletzungen.
  • Ländliche Kinder waren 15 Prozent mehr wahrscheinlich, um mindestens eine physikalische oder Ergotherapie besuchen, möglicherweise, weil Sie mehr sind wahrscheinlich mehr schwere Verletzungen als städtische Kinder. Diejenigen mit mehr Besuche hatte, 51 Prozent mehr Kosten.
  • Die Kosten für die Gesundheitsversorgung für die ländliche Kinder gemittelt $2,871, fast $400 mehr als der Durchschnitt $2,479 für städtische Kinder.

„Das ist ein Bärendienst für die Gemeinden, die sind schon nicht gut aus,“ Graves sagte.

Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit für mehr Gesundheitsleistungen in ländlichen Gebieten, Graves sagte. Zum Beispiel, Sie sagte, es gibt Kinder, die gehen den ganzen Weg nach Seattle aus Idaho, weil Spokane Spezialisten sind überfordert, wie Sie versuchen, zu dienen wie eine große Fläche.

Wo pflegende Angehörige Hilfe finden



Die meisten kranken oder alten Menschen werden von Angehörigen versorgt. Woher nehmen sie die Kraft? Beispiele und Tipps

Pflege zu Hause: Michael unterstützt seine Frau Julia. Ihre Lieblingsbeschäftigungen sind Zeichnen und Fußball (als Fan)

Wenn Julia U. (41) die Wohnung verlassen will, muss jemand sie die Treppen hinuntertragen. Aus dem dritten Stock. Und später wieder hinauf. Ganz langsam, ganz vorsichtig. Julia sitzt fast schon ihr Leben lang im Rollstuhl, sie leidet an einer seltenen Form von Rheuma. In den letzten Jahren kam noch Osteo­porose hinzu, sie hat sehr brüchige Knochen. Julia ist darauf angewiesen, dass sich jemand um sie kümmert. Das übernimmt ihr Mann Michael (44), seitdem sie sich kennengelernt haben. Mittlerweile 14 Jahre.

2,9 Millionen Deutsche brauchen Pflege

Meist erfolgt die Pflege in den eigenen vier Wänden. Still, unbemerkt, selbstverständlich. Von knapp 2,9 Mil­lionen Menschen, die in Deutschland auf Pflege angewiesen sind, lebt nur ein Viertel in einem Heim. Die Mehrheit wird zu Hause versorgt: von der Familie, vom Partner, von Bekannten oder Nach­barn. Und die Zahlen steigen. Bis zum Jahr 2030 sollen bereits 3,5 Millionen Menschen hierzulande Pflege benötigen, sagt eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung. Doch schon jetzt sind die Wartelisten in vielen Pflegeheimen endlos lang, die Mitarbeiter maßlos überfordert, oft ausgebrannt.

Viele pflegende Angehörige können das nachempfinden. Bei ihnen kommt erschwerend hinzu: Sie haben nie gelernt, einen kranken oder alten Menschen zu versorgen. Ihn zu wickeln, aus dem Bett zu heben, zu füttern. Meist bringen sie sich das alles selbst bei, irgendwie. So wie auch Michael.

Ohne Schmerzen hochheben

Er arbeitet in der Nähe von Stuttgart als Maschinenführer, 40 Stunden die Woche. Das bedeutet, dass er seine Frau jeden Tag achteinhalb Stunden alleine lassen muss. Damit es ihr in dieser Zeit an nichts fehlt, steht Michael um 5.30 Uhr auf, um alles vorzubereiten. Er schmiert Brote und kocht Tee, deckt den Tisch, hilft seiner Frau aus dem Bett und auf die Toilette, bereitet ihr etwas zum Mittagessen vor. Am späten Nachmittag ist er wieder bei ihr. Er hebt sie in die Dusche, drückt das Duschgel aus der Tube, schäumt ihr die Haare ein.

Pflegestützpunkte und Krankenkassen bieten Kurse an, die Laien bei der Pflege helfen sollen. Michael versucht schon länger, ein passendes Angebot zu finden. Er hat im Internet gesucht, bei Pflegestützpunkten angerufen. Keiner konnte ihm weiterhelfen. Bisher hat er sich alles selbst beigebracht, viel gelesen, mit seiner Frau gesprochen und einfach ausprobiert. Zum Beispiel, wie er seine Partnerin am besten aus dem Rollstuhl hebt, ohne ihr wehzutun.

Hilfe aus dem Netz

Die besten Tipps bekommt er von anderen Betroffenen im Internet. Michael ist in verschiedenen Facebook-Gruppen angemeldet, liest, postet, liked die Geschichten anderer. Die Gemeinschaft hilft ihm. "Sie ist für mich da und spricht einem Mut zu", sagt er. Das gebe ihm Halt und das ­Gefühl, nicht allein zu sein. Und alleingelassen fühlt er sich oft.

Zeit für Freunde hat Michael nicht. Nach der Arbeit geht er einkaufen, kocht Essen, wischt die Wohnung. "Und dann kommt ja noch ein ganz schöner Papierkrieg bei der Pflege hinzu." Anträge stellen, Begriffe aus Arztbriefen googeln, sich über die Rechte informieren. Das alles macht er nachts.

Starke Belastung für Pflegende

Wer sich dafür entscheidet, einen Angehörigen zu pflegen, stößt schnell an die eigenen Grenzen. Viele fühlen sich von der Aufgabe stark belastet, das zeigt unter anderem eine Studie der DAK von 2015. Demnach leiden 55 Prozent an psychischen Erkrankungen, in der Vergleichsgruppe sind es 39 Prozent. Auch Skelett- oder Muskelerkrankungen treten bei Pflegenden häufiger auf. Tages-, Kurzzeit- oder die Verhinderungspflege sollen die Betroffenen zumindest für eine Weile entlasten – doch nicht alle nehmen diese Möglichkeiten in Anspruch.

Kleine Verschnaufpausen

Pro Jahr hat ein Pflegebedürftiger Anspruch auf 42 Tage Verhinderungs- und 56 Tage Kurzzeitpflege. Es ist auch möglich, stundenweise Verhinderungspflege zu nutzen. Pflegekassen bezuschussen diese Maßnahmen mit jeweils bis zu 1612 Euro jährlich.

Der Hilfsbedürftige muss mindestens Pflegegrad zwei vorweisen und kann erst einen Antrag auf Verhinderungspflege stellen, wenn er bereits sechs Monate pflegebedürftig ist. Experte Stefan Wilderotter rät: "Am besten im Vorhinein mit der Pflegekasse klären, welche Leistung im Einzelfall die optimale ist."

Soll der Pflegebedürftige in gewohnter Umgebung betreut werden, kann ein Pflegedienst dies übernehmen (Verhinderungspflege). Will man den Angehörigen rund um die Uhr versorgt wissen, kann man ihn in ­einer stationären Pflegeeinrichtung unterbringen. Viele Heime bieten Kurzzeitpflege an. Kosten für die Betreuung übernimmt die Pflegekasse, Unterbringung und Essen muss der Hilfsbedürftige selbst zahlen. "Ist der Kurzzeitpflegebetrag ausgeschöpft, müssen auch die Kosten für pflege­­bedingte Aufwendungen bezahlt werden", so Wilderotter. Erkundigen Sie sich so früh wie möglich, ob zum ­gewünschten Datum ein Platz frei ist, und klären Sie die Kostenfragen.

Springt ein Nachbar oder ein entfernter Verwandter ein und kümmert sich, zahlt das die Pflegekasse im Rahmen der Verhinderungspflege bis zum jährlichen Höchstbetrag. Wird die Verhinderungspflege jedoch von nahen Familienangehörigen wie Geschwistern oder der Schwiegertochter erbracht, gelten andere ­finanzielle Regeln. Wilderotter rät auch in diesem Fall, das Vorgehen mit der Pflegekasse abzustimmen.

Fliehen ins Mittelalter

Für Michael etwa kam das bisher nicht infrage. Hat er einmal keine Zeit oder ist krank, unterstützt ihn Julias ­Familie. Wenn seine Schwiegermutter da ist, geht er ab und zu eine Runde schwimmen oder liest ein Buch – am liebsten historische Romane, die im Mittelalter spielen. Noch lieber orga­­nisiert er für sich und seine Frau kleine Fluchten aus dem Alltag. Fast jedes ­­Wochenende sind sie bei einem Fußballspiel des VfB Stuttgart. "Es tut uns beiden immer gut rauszukommen."

Hin und wieder verreisen die beiden auch. Dann packt Michael die Koffer, nimmt den Plastikstuhl mit, den seine Frau zum Duschen braucht, überprüft die Menge der eingepackten Tabletten. Auf die Frage, woher er die Kraft nimmt, wie er das alles schafft, antwortet er: "Ich liebe Julia, sonst hätte ich sie doch gar nicht geheiratet."

Als die beiden sich ineinander verliebten, saß Julia bereits im Rollstuhl. Manchmal verändert sich aber auch ­alles ganz plötzlich, etwa durch einen Unfall oder eine schlimme Diagnose.

Plötzlich Pflegefall

Elke Feit (46) wird diese eine Nacht, die das Leben ihrer Familie auf den Kopf stellte, nie mehr vergessen. Ihre Mutter war mit Verdacht auf Schlag­anfall ins Krankenhaus gekommen. Sie sei zur Beobachtung dort geblieben und dann über acht Stunden mit Gurten am Bett fixiert worden, erzählt Elke Feit.

Als sie am nächsten Morgen in die Klinik kam, war die Mutter ein anderer Mensch, für die Tochter nicht wiederzuerkennen. Die Augen ängstlich und verweint, bei jeder Kleinigkeit fuhr sie erschrocken zusammen. Elke Feits Mutter, die Jahre zuvor nach einem Schlaganfall gelernt hatte, wieder einigermaßen selbstständig zu leben, war nun ein permanenter Pflegefall. Sie litt unter Panikattacken, konnte keine Sekunde mehr alleine sein.

Bedingungslose Liebe schenken

"Nach der Entlassung waren wir erst einmal hilflos und im Schock", erinnert sich Elke Feit. Aber die Familie aus der Nähe von Frankfurt reagierte schnell, sie baute das Bad und das Schlafzimmer um, organisierte, wer sich zu welcher Tageszeit kümmert. Seitdem kommen Elke Feit und ihre Geschwister jeden Tag in ihr Elternhaus. Der Bruder mittags, Elke Feit nach der Arbeit.

Dann spricht sie viel mit ihrer Mutter und hilft ihr beim Waschen. Anfangs war das für Mutter und Tochter nicht leicht. "Es kostete uns beide Über­­windung", erzählt Elke Feit. Doch mit der Zeit hat die Tochter die neuen He­­rausforderungen angenommen, sogar schätzen gelernt: "Erst durch die Pflege meiner Mutter habe ich erkannt, was es bedeutet, jemandem bedingungslose Liebe zu schenken."

Das und der Zusammenhalt innerhalb der Familie geben ihr die Kraft, auch die schlechten Tage durchzu­stehen. An einem guten Tag lacht die Mutter viel, an einem schlechten weint sie viel. Dann sei es sehr schwer, überhaupt an sie heranzukommen.

Ehrenamt gibt Kraft

Elke Feit will etwas verändern in der Pflege, sie ist aktiv im Pflege-Selbsthilfe­­verband Deutschland, will es möglich machen, dass Menschen in Würde altern können, dass Gesetze ergänzt und eingehalten werden. Sie will, dass auch Menschen, die noch nicht mit dem Thema in Berührung gekommen sind, auf die Probleme in der Pflege aufmerksam werden. Oft arbeitet sie nachts für den Verein, schreibt Politikern, prangert Unzulänglichkeiten an.

Jede Geschichte, die sie von einem ­Betroffenen erfährt, treibt sie an, weiterzumachen. "Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass man nicht allein ist. Das gibt mir Kraft", sagt Elke Feit. Sie will nicht, dass das, was ihrer Mutter passiert ist, anderen passiert: festgeschnallt sein am Bett, die ganze Nacht. Elke Feit kämpft für liebevolle Pflege – egal ob zu Hause, in der Klinik oder im Heim.

Keine Zeit mehr für Hobbys

Seitdem ihre Mutter auf die Hilfe der Familie angewiesen ist, hat Elke Feit ihr Leben umgekrempelt. Früher hat sie gerne gemalt oder sich der Bildhauerei gewidmet. Dafür bleibt heute keine Zeit. Elke Feit ist glücklich, wenn sie samstags mal zwei Stunden auf der Couch verbringen und ein bisschen Schlaf nachholen kann.

Während der Woche arbeitet sie im Vertrieb einer Firma für Anlagenbau. Einige Kollegen wissen, dass sie ihre Mutter pflegt. Der Arbeitgeber zeigt sich kooperativ, das ist keine Selbstverständlichkeit. Elke Feit kann morgens früh anfangen und nachmittags meist zeitig das Büro verlassen.

Abrutschen in die Altersarmut

"Zum Glück bin ich da sehr flexibel, sonst würde ich das alles gar nicht unter einen Hut bekommen." Elke Feit macht ihr Job Spaß, sie will weiter arbeiten. Falls es ihrer Mutter schlechter ginge, müsse man überlegen, welche Hilfe man in Anspruch nimmt.  

Wer einen Angehörigen zu Hause pflegt und deswegen die Arbeitszeit reduziert oder ganz aus dem Beruf aussteigt, erwirbt seit der Pflegereform im Januar 2017 Beiträge zur Arbeitslosenversicherung. Betroffene bekommen zudem meist höhere Ansprüche an die gesetzliche Rentenkasse gutgeschrieben. Voraussetzung: Die zu pflegende Person hat Pflegegrad zwei oder höher und wird mehr als zehn Stunden pro Woche versorgt, an mindestens zwei ­Tagen. Doch reicht das wirklich aus, um später nicht in die Altersarmut abzurutschen?

Wissenschaftler sehen das skeptisch. Die Rentenansprüche seien zwar verbessert worden, aber immer noch würden zu wenige Menschen Angebote wie eine Freistellung in der Arbeit oder das Pflegeunterstützungsgeld nutzen. So das Ergebnis einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Die Autoren der Untersuchung vermuten, dass viele Betroffene die Angebote nicht nutzen, weil sie nichts davon wissen. Sie fordern mehr Aufklärung über die Möglichkeiten, Beruf und Pflege zu vereinbaren.

Finanzielle Entlastung

Zuschüsse zum Umbau: Breitere Türen, damit der Rollstuhl durchpasst, Dusche statt Badewanne. Um Pflege zu Hause möglich zu machen, muss oft einiges umgebaut werden. "Wohnumfeldverbesserungen bezuschussen Pflegekassen mit bis zu 4000 Euro", sagt Stefan Wilderotter, Referatsleiter Pflege vom Verband der Ersatzkassen.
Wichtig: Die Pflegebedürftigkeit muss vorher vom Medizinischen Dienst festgestellt sein, die Pflegekasse muss einen Pflegegrad bescheinigen.

Fehltage im Job: Angehörige dürfen zehn Arbeitstage der Arbeit fernbleiben, wenn sie Zeit brauchen, um akut die Pflege eines Angehörigen zu organisieren. Für
diese Zeit ist eine Lohnersatzleistung, das Pflegeunterstützungsgeld, vor­­gesehen. "Das können Betroffene bei der Pflegeversicherung ihres Angehörigen beantragen", sagt Wilderotter. Die zehn Tage können auf mehrere pflegende Angehörige verteilt werden.

Längere berufliche Auszeit: "Arbeitnehmer haben die Möglichkeit, in Absprache mit ihrem Arbeitgeber bis zu sechs Monate teilweise oder ganz auszusteigen, und erhalten eine unbezahlte, aber sozialversicherte Freistellung", sagt Wilderotter. Voraussetzung: In der Firma müssen mindestens 15 Menschen beschäftigt sein, und der Angehörige muss ­Pflegegrad zwei oder höher haben.

Zinsloses Darlehen: In dieser sogenannten Pflegezeit ­verdienen Angehörige nichts. Sie ­können aber bis zu sechs Monate aus dem Job aussteigen und ein ­­zinsIoses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragen. Die monat­lichen Raten müssen erst mit Ende der Pflegezeit zurückgezahlt werden.

Es muss sich etwas ändern

Auch Elke Feit hofft, dass pflegende Angehörige in Zukunft mehr Unterstützung bekommen – nicht nur finanziell. Unter anderem wünscht sie sich etwa, dass sich Pflegekräfte und Angehörige mehr austauschen. Es solle ­möglich werden, dass jeder Mensch, der auf Hilfe angewiesen ist, sie auf wertschätzende Art bekommt.

Elke Feit weiß, was sie will. Sie wirkt kämpferisch – fast, als hätte sie vor nichts Angst. Doch ganz so ist es nicht: "Wenn sich die Pflege­situation nicht ändert, habe ich Angst davor, selbst alt zu werden."

Lesen Sie auch:

Pflege: Schlechte Heime für teures Geld

Eine Auswertung des Recherchezentrums correctiv.org zeigt: 60 Prozent aller Pflegeheime fallen bei Prüfungen auf. Warum ist das so? Dafür gibt es drei Gründe

Quelle: Den ganzen Artikel lesen