Schutzmasken gegen Coronavirus: Mundschutz ja oder nein? Neue Einschätzung des RKI

Schutzmasken gegen Coronavirus: Mundschutz ja oder nein? Neue Einschätzung des RKI

2020-04-04

Deutschlands führende Hygieniker gehen davon aus, dass auch einfache, sogar selbstgenähte Schutzmasken das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus verringern können.

„Wer angehustet wird und einen Mund-Nase-Schutz (MNS) trägt, schützt sich vor dem größten Teil der Tröpfchen, die im Tuch oder Stoff hängen bleiben“, sagte der Vorstandssprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), Peter Walger, der ‚Neuen Osnabrücker Zeitung‘ (Donnerstag).

Auch Privathaushalte sollten sich durchaus Masken aus Stoff nähen.

Das Robert Koch Institut (RKI) änderte am Donnerstagabend seine Einschätzung für das Tragen von Schutzmasken und empfiehlt folgende Modelle.

Schützt ein Mundschutz vor dem Coronavirus?

Die aktuelle Einschätzung des RKIs: Wenn Menschen – auch ohne Symptome – vorsorglich eine Maske tragen, könnte das das Risiko einer Übertragung von Viren auf andere mindern, hieß es auf der Internetseite der Bundesbehörde.

Wissenschaftlich belegt sei das aber nicht. Zuvor hatte das RKI den Mundschutz nur Menschen mit akuten Atemwegserkrankungen empfohlen. Nicht jeder, der mit Sars-CoV-2 infiziert ist, bemerke das auch, hieß es.

Manche Infizierte erkrankten gar nicht, könnten den Erreger aber trotzdem weitergeben.

Regeln zum Husten- und Niesen, zur Händehygiene und zum Mindestabstand sollten auch mit Masken weiterhin eingehalten werden.

Außerdem gebe es keine hinreichenden Belege dafür, dass ein Mund-Nasen-Schutz oder eine selbstgenähte Maske einen selbst vor einer Ansteckung schützt.

Das RKI bezieht sich in seiner neuen Einschätzung auf sogenannten Mund-Nasen-Schutz und auf Behelfsmasken aus Stoff.

Ein Überblick über die verschiedenen Schutzmasken

1. Selbstgemachte Masken

Im Netz kursieren zahlreiche Schnittmuster und Faltanleitungen für einen selbstgemachten Mundschutz – oder auch Community Mask genannt.

Das ist besonders vor dem Hintergrund der Knappheit medizinischer Masken eine kluge Idee, sagte der Virologe Christian Drosten dem NDR. Die Schutzeigenschaften hängen aber stark von Material und Nutzung ab. Fest gewebte sind besser geeignet als leicht gewebte Stoffe.

Eine wissenschaftlich nachgewiesene Schutzwirkung haben die Masken aber nicht. Es wird aber vermutet, dass sie das Risiko einer Ansteckung verringern, weil sie den Tröpfchenauswurf reduzieren und das Bewusstsein für achtsamen Umgang mit sich und anderen unterstützen können.

Hygienevorschriften und Abstandsregeln sollten trotzdem eingehalten werden.

2. Mund-Nasen-Schutz

Corona: Mund-Nasen-Schutzmaske

Auch diese Masken dienen vor allem dem Schutz von Mitmenschen. In medizinischen Einrichtungen sind sie derzeit häufig knapp. Der sogenannte Mund-Nasen-Schutz fängt ebenfalls Flüssigkeitsspritzer und Tröpfchen in der Ausatemluft der tragenden Person ab. So kann das Risiko, eine andere Person durch Husten, Niesen oder Sprechen anzustecken, verringert werden.

Den Träger können sie auch vor größeren Tröpfchen aus der Umgebung schützen. Einen ausreichenden Schutz vor Viren und Bakterien bieten auch sie nicht, weil die Masken nicht abschließend auf dem Gesicht sitzen. So können etwa kleine Tröpfchen in der Luft eingeatmet werden. Auch mit diesen Masken gelten also weiter die Regeln für Händehygiene und Sicherheitsabstand.

3. FFP-Masken

Corona: FFP-Masken

Die Abkürzung FFP steht für Filtering Face Piece – also etwa filternder Gesichtsschutz. Sie werden in drei Klassen unterschieden: 1, 2 und 3. Sie schützen in unterschiedlichen Graden vor festen und flüssigen Partikeln, wobei 3 die höchste Schutzklasse darstellt.

Um sich vor Corona-Viren zu schützen, empfehlen Experten Masken der Klasse 2 und 3. Weil der Filter einer FFP-3-Maske sehr dicht ist, fällt das Atmen damit schwer.

Die Maske kann daher nur für kurze Zeiträume getragen werden. Die medizinischen Masken inklusive der OP-Masken sind derzeit häufig knapp. Viele Experten plädieren darum dafür, diese Schutzmasken primär Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeheimen vorzubehalten.

Alternativen zum Mundschutz

„Auch eingenähte Damenbinden können sinnvoll sein, sie erhöhen den Schutz und fangen zusätzlich Feuchtigkeit auf“, sagte Walger. Durchfeuchtete Masken ließen sich rasch trocknen. „Bei 70 Grad in Mikrowelle oder Ofen sterben alle Viren ab.“

Walger sagte, wer etwa aus einem Meter von einem Infizierten angehustet werde, sei durch ein Tuch oder selbst einen Schal in einem hohen Maße davor geschützt, die Tröpfchen einzuatmen, denn sie blieben im Schal hängen.

Nur ein kleiner Teil würde durch die Poren hindurchfinden, und das auch nur bei großer Nähe zum Hustenden.

Kein Mundschutz an der frischen Luft nötig

Auf der Straße sei das Tragen von MNS nicht unbedingt notwendig, sagte der DGKH-Sprecher weiter. An der frischen Luft oder in gut gelüfteten Räumen verteile sich die Tröpfchen-Wolke sofort in eine Verdünnung hinein, die das Risiko deutlich verringere.

In nicht gelüfteten Räumen sei die Ansteckungsgefahr höher, werde aber auch dort durch einen einfachen MNS „erheblich“ verringert. „Daher: Jede Maske schützt! Und je häufiger gelüftet wird, umso effektiver kann sie schützen.“

Es sei „absolut ausreichend“, bei Kontakten unter Nicht-Risikogruppen und im normalen sozialen Leben einen einfachen Mund-Nase-Schutz zu tragen. „Deswegen sollten jede Firma und jede Institution, die kann, Stoffmasken herstellen.“

Quellen

  • Robert Koch Institut (2020): Fragen und Antworten, abgerufen am 03.04.2020: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/FAQ_Liste.html
  • Bundesamt für Arneimittel und Medizinprodukte (2020):Hinweise des BfArM zur Verwendung von selbst hergestellten Masken (sog. „Community-Masken“), medizinischem Mund-Nasen-Schutz (MNS) sowie filtrierenden Halbmasken (FFP2 und FFP3) im Zusammenhang mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2 / Covid-19), abgerufen am 03.04.2020: https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Medizinprodukte/DE/schutzmasken.html
  • Bundesregierung (2020): Empfehlung Mund-Nase-Schutz, abgerufen am 03.04.2020: https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/corona-schutzmasken-1737518
  • Amboss (2020): Covid-19, abgerufen am 03.04.2020: https://www.amboss.com/de/wissen/COVID-19

Deutsche Presse-Agentur (dpa)

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