Alles blickt auf die Hospitalisierungen – doch offenbar zählt das RKI dabei viel zu ungenau

Alles blickt auf die Hospitalisierungen – doch offenbar zählt das RKI dabei viel zu ungenau

2021-09-11

Die Zahl der Krankenhauseinweisungen haben die Inzidenz abgelöst, die für über ein Jahr der Maßstab für die Pandemiebekämpfung war. Doch einem Bericht zufolge hat die offizielle Statistik erhebliche Mängel – die Hospitalisierungsrate des RKI ist zu niedrig.

35, 75, 100, 200 – für über ein Jahr bestimmten diese Zahlen das Geschehen in Deutschland. An der Sieben-Tage-Inzidenz je 100.000 Einwohner entschied sich, ob man in Restaurants essen durfte, drinnen oder draußen, mit oder ohne Test. Wegen der fortschreitenden Impfkampagne gibt es nun aber einen neuen Maßstab: Die Hospitalisierungsrate.

Darauf hat sich die Politik in dieser Woche festgelegt. Allerdings gibt es offenbar direkt Probleme mit dem Richtwert, wie schon zuvor mit der Inzidenz. Hier kam es oft zu Verzögerungen oder Meldepannen zwischen den Gesundheitsämtern und dem Robert-Koch-Institut.

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Datenjournalisten der „Zeit“ sagen nun: Das Robert-Koch-Institut hat für die Hospitalisierung eine womöglich fragwürdige Berechnung. Dem Blatt zufolge werde die Belastung der Krankenhäuser „systematisch und deutlich“ unterschätzt. Das zeige eine rückblickende Datenanalyse, so die „Zeit“.

RKI sortiert nicht nach Einweisungen, sondern nach positiven Tests

Im Schnitt liege die tatsächliche Hospitalisierungsrate 79 Prozent über dem offiziellen Wert. Der Grund: Das RKI würde offenbar nur einen Teil der Einweisungen berücksichtigen, so die „Zeit“. Würden Nachmeldungen miteinbezogen, liege der Hospitalisierungswert deutlich höher. Allerdings knickt auch dieser Richtwert ab, sobald weitere Nachmeldungen fehlen. Dabei würden die Krankenhäuser immer mehr Corona-Kranke aufnehmen, so die „Zeit“.

Das Problem: Statt dem Datum der Einweisung sortiert das RKI nach dem Datum des positiven Tests. Die jedoch liegen Tage, mitunter Wochen auseinander, da eine Infektion meist erst im Verlauf zu einem Krankenhausaufenthalt führt. Viele aktuelle Fälle würden daher aus der aktuellen Statistik herausfallen. Das RKI korrigiert die Werte zwar nachträglich, was jedoch vermutlich kaum beachtet wird – vor allem nicht von den politischen Entscheidern.

 

Die Auswertungen der „Zeit“ ergaben so, dass die Hospitalisierungsrate im Mittel 79 Prozent höher als zunächst gemeldet rangiert. Am 23. August etwa habe das RKI eine Rate von 1,28 Einweisungen je 100.000 Einwohner vermeldet, den Wert später auf 2,50 korrigiert, schreibt das Blatt. „Der Meldeverzug bei der Hospitalisierungsinzidenz ist nicht überraschend“, verkündete das RKI gegenüber der „Zeit“. Dem Institut zufolge werde das Datum der Einweisung nicht immer übermittelt, obwohl die Krankenhäuser dazu verpflichtet sind.

Maßnahmen lassen sich „nicht rückwirkend verhängen“

Die „Zeit“ hat nun nachgerechnet, auf Basis des Datums, an dem das RKI die Zahl der Hospitalisierungen veröffentlicht. Die Werte würden „verblüffend gut“ zu den nachträglich korrigierten Werten des RKI passen. Doch die RKI-Inzidenz inklusive Nachmeldungen sank zuletzt wieder, während die „Zeit“-Kalkulation zeigt, dass die Hospitalisierungsinzidenz statt bei etwa zwei Krankenhauseinweisungen je 100.000 Einwohner und Woche schon bei drei Einweisungen liegt.

Das Blatt moniert daher, dass sich die offizielle RKI-Rate zur Hospitalisierung nicht gut als Maßstab für das weitere Pandemiemanagement eignet. Dafür seien die Daten zu zeitverzögert, auf die später korrigierten Werte könne sich die Politik aber nicht stützen. Maßnahmen ließen sich „schließlich nicht rückwirkend verhängen“, wenn es eine nachträglich nach oben korrigierte Rate anzeige.

Auch das Fehlen regionaler Daten wird bemängelt. So könnte das RKI Werte für Kreise und kreisfreie Städte veröffentlichen. Das sei aber nicht geplant, teilte das RKI gegenüber der „Zeit“ mit. Es bleibe den Gemeinden frei, selbst Daten zu veröffentlichen. Dadurch würde aber nur weiteres Chaos entstehen, mutmaßt die Zeitung. Dabei drohe ohnehin weitere Unklarheit: Denn bislang sind keine konkreten Hospitalisierungswerte mit weiteren Maßnahmen verknüpft. Das ist Sache der einzelnen Länder. Anders als bei der Inzidenz ist damit aber offen, ab welchen Zahlen die Bürger mit Einschränkungen rechnen müssen.

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