Apotheken kämpfen mit Ausfällen – nicht jeder bekommt jetzt den digitalen Impfpass

Apotheken kämpfen mit Ausfällen – nicht jeder bekommt jetzt den digitalen Impfpass

2021-06-15

Wer vollständig gegen das Coronavirus geimpft ist, kann sich den Nachweis nun auch auf das Smartphone laden. Die Apotheken bieten den Service seit Montag an. Doch es läuft nicht überall besonders reibungslos ab. Wir sagen, was Betroffene jetzt wissen müssen.

In über 13.000 Apotheken können sich Verbraucher nun einen digitalen Impfpass ausstellen lassen. Besonders zum Start am Montag sei es allerdings zu Ausfällen gekommen. Viele Zertifikate konnten dadurch gar nicht erstellt werden. „Wir haben Kunden dann nach Hause geschickt. Das System läuft unstabil“, sagt ein Apotheker aus Aalen auf Anfrage von FOCUS Online. Besonders Senioren nehmen das Angebot in den Apotheken an.

Wie unsere Redaktion erfuhr, lagen die Serverausfälle daran, dass sich am Montag viele Apotheken erstmal ein neues Passwort erstellen mussten. Weil das gleichzeitig passierte, ging besonders in den Morgenstunden bundesweit nichts mehr. Selbst am Dienstagvormittag seien mehrere tausend Passwörter erstellt worden. Mittlerweile kommt es immer wieder zu kleinen Ausfällen, die besonders beim Laden der Seiten und beim Versenden der Daten Probleme bereiten.

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Genesungs-Zertifikate wohl erst ab Ende Juni

FOCUS Online erreichten am Montag mehrere Anfragen von verzweifelten Bürgern. Ein Großteil habe es in der Apotheke nicht geschafft, einen Nachweis über einen positiven PCR-Test und eine Schutzimpfung hinterlegen zu lassen. Laut Robert-Koch-Institut gelten auch sie als „vollständig geimpft“.

„Wir können das im Moment gar nicht“, sagt eine Apothekerin in München. „Wir haben zwar eine Anleitung erhalten, aber das System wird erst später freigeschaltet.“ Hauptproblem ist, dass PCR-Tests in unterschiedlichen Formaten im Umlauf sind.

Die neue Impfpass-App ist eigentlich eine Zertifikat-App. Mit dem Programm sollen getestete, geimpfte und genesene Personen ihre Nachweise digitalisieren können. Die App soll als Beleg bei gelockerten Corona-Beschränkungen eingesetzt werden können und zur Sommerferienzeit Reisen in Europa erleichtern. Seit vergangener Woche steht dafür die App "CovPass" für alle Interessenten in den App-Stores der Smartphones zum Download bereit. Alternativ lässt sich der QR-Code aber auch in die Corona-Warn-App einbinden.

Mit der App soll es einerseits eine einheitliche Regel innerhalb der EU geben, anderseits könne dann nicht mehr zwischen Geimpften und Getesteten unterschieden werden. Beide Personengruppen haben etwa beim Reisen dann die gleichen Rechte.

Deutschland hatte die "CovPass"-App vor einer Woche veröffentlicht. Seit Montag lassen sich die QR-Codes aus den Impfbögen (oder Impfbestätigungen) abscannen und zu einem digitalen Zertifikat umwandeln. Bis Ende Juni müssen auch Tests und Genesungsnachweise (positiver PCR-Test) in der App in Zertifikate umgewandelt werden. Das scheint bisher nicht zu funktionieren. Wann dies konkret erfolgen soll, ist unklar. Eine Anfrage blieb unbeantwortet.

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„Bitte lassen Sie den Impfpass da, wir melden uns“

Weil es immer wieder zu kleineren Ausfällen kommt, sammeln einige Apotheken die Impfausweise nun ein, um sie sorgfältig zu prüfen und Kunden nicht unnötig warten zu lassen. „Ab und an geht mal ein Zertifikat durch, aber die meisten nicht. Haben schon Stapel hier liegen, die wir jetzt nacheinander abarbeiten müssen“, sagt eine Münchner Apothekerin auf Anfrage von FOCUS Online.

Stichprobenartig kontaktierte unsere Redaktion Apotheken in mehreren Bundesländern. Kaum eine Apotheke zeigte sich von dem bisherigen Ablauf zufrieden. Dennoch seien alle Kunden bedient worden. "Wir schicken niemanden ohne Hilfe weg." Viel Zeit benötige derzeit die Prüfung der „gelben Impfpässe“. Einige seien ohne Stempel versehen worden oder seien ohne Aufkleber erstellt worden. „Die Kontrolle der Impfausweise ist schon fraglich, wenn das so schlampig oft ausgefüllt ist“, sagt eine Münchner Apothekerin.

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Apothekenverband bittet um Geduld

Dittrich empfahl, dass nicht alle sofort zu ihrer Apotheke eilen. Die Apotheken würden den Service auch in den kommenden Wochen anbieten. Auch bleibe der gelbe Impfpass gültig. "Es werden alle, die diesen digitalen Impfnachweis haben wollen, diesen auch bekommen", stellte der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverband (DAV), Thomas Dittrich, klar.

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