Aronia – die „Gesundheitsbeere“

Aronia – die „Gesundheitsbeere“

2021-04-07

Zu Beginn der 2000er Jahre führte die Aroniabeere in Deutschland ein Schattendasein. Doch seit einigen Jahren boomt der Aronia-Anbau in der Landschaft. Die Nachfrage seitens der Verbraucher ist mittlerweile so groß, dass es europaweit sogar zu Lieferengpässen kommt. Aroniafrüchte sind auf einmal zur „Modebeere“ und zum „heimischen Superfood“ geworden. Was ist der Grund?

Die wild wachsenden, schwarzen Aroniabeeren sind – wie auch andere dunkle Beeren – beliebte Leckerbissen für Zugvögel. Vogelkundler betrachteten dies als Indiz dafür, dass die Beeren gefüllt sein müssen mit Stoffen, die die Vögel für ihren anstrengenden Weg in südliche Gefilde gesund und fit halten. Immer auf der Suche nach neuen und interessanten pflanzlichen Substanzen, unternahmen Wissenschaftler Laborversuche mit isolierten Stoffen aus Aroniabeeren. Die veröffentlichten Ergebnisse wurden in der Folge von Marketingexperten so umgedeutet, dass die Aroniabeere gleichsam zur Wunderbeere mutierte, deren Verzehr alle nur vorstellbaren gesundheitsfördernden Wirkungen zeigen soll. 

Beratungswissen

Superfood

Seit einigen Jahren ist eine Vielzahl von Nahrungsergänzungsmitteln und Kosmetikprodukten auf dem Markt, die Aroniabeeren enthalten. Zum Kauf angeboten werden die Beeren getrocknet, als Teezubereitung, in Form von Kapseln, Pulver, Direktsaft oder Trinkampullen. Es gibt auch Aronia-Konfitüren, oft in Kombination mit anderen Obstsorten, sowie Aronia-Pasten und Früchteriegel.

Botanik der winterfesten Apfelbeere 

Aronia ist eine sommergrüne, robuste, bis zu 2 m hoch wachsende Strauchpflanze aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Ihre späte Blütezeit im Mai schützt vor Spätfrösten. Aus den weißblütigen Schirmdolden entwickeln sich die dunkel-violetten, fast schwarzen, mit einer wachsartigen Schicht überzogenen Aroniabeeren. An einer Dolde hängen bis zu 30 kleine Beeren, die ungefähr so groß sind wie Kulturheidelbeeren. Sie können im August geerntet werden. Schneidet man eine Beere auf, zeigen die symmetrisch um die Mitte angeordneten Samenkerne eine Ähnlichkeit mit dem Kerngehäuse eines Apfels – daher rührt wohl die synonyme Bezeichnung Apfelbeere. Die bis zu 8 cm langen, ellipsenförmigen Laubblätter färben sich im Herbst leuchtend rot. Im Winter zeigt der Aroniastrauch spitze, auffallend weinrote Winterknospen. Schnee und Frost sind für die Pflanze kein Problem, sie überwintert bei Temperaturen von bis zu –35 °C.

Von der Indianer-Heilkunde in die Moderne 

Ursprünglich war Aronia in Nordamerika beheimatet. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wird die Pflanze in Europa, vor allem Osteuropa, kultiviert. Die nordamerikanischen Indianer nutzten Aronia als Heilpflanze, die Osteuropäer knüpften daran an. Denn die anspruchslosen Sträucher ließen sich auch in klimatisch wenig begünstigten Regionen anbauen und lieferten Früchte, die sich für den Winter konservieren ließen. Über Osteuropa gelangte Aronia in den 1970er Jahren in die ehemalige DDR, wo die dunklen Beeren von der Lebensmittelindustrie als natürlicher Pflanzenfarbstoff genutzt wurden. In den 1990er Jahren ging das Interesse an Aronia zurück, weil sich der herb-sauren Frucht geschmacklich nicht viel abgewinnen ließ.

Doch seit rund zehn Jahren erlebt Aronia eine Renaissance als „Gesundheitsbeere“. Wiederentdeckt von der einfallsreichen Nahrungsergänzungsmittel-Industrie, unterstützt durch kreatives Marketing, wurden Aronia-Plantagen in der letzten Zeit zu einem lukrativen Nischengeschäft für innovationsfreudige Landwirte. In Online-Seminaren erfahren Interessierte alles rund um den erfolgreichen, mit EU-Fördergeldern belohnten Aronia-Anbau. Dabei wird auch empfohlen, die geernteten Beeren nicht als Feldfrüchte „einfach so“ zu verkaufen. Wirtschaftlich weitaus lohnender sei die Vermarktung der „veredelten“, sprich verarbeiteten Aronia-Produkte, im Idealfall unter der eigenen Marke. Das ständig wachsende Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung sei der Garant für guten Umsatz, heißt es in den Werbevideos der Aronia-Botschafter. 

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