Chinesische Studie dämpft Hoffnung auf Antikörper-Therapie gegen Covid-19

Chinesische Studie dämpft Hoffnung auf Antikörper-Therapie gegen Covid-19

2020-06-05

Die Methode ist aufwändig, wurde aber während vergangener Pandemien immer wieder erfolgreich eingesetzt. Man gewinnt aus dem Blut von Patienten, die eine Infektion überstanden haben, Antikörper, die das Immunsystem gegen den Erreger gebildet hat, und injiziert diese in einem Blutplasma den Erkrankten – in der Hoffnung, dass die zugefügten Antikörper den Erreger bekämpfen und für Linderung oder gar Heilung sorgen. Man nennt das eine „passive Immunisierung“.

Diese sollte auch beim neuartigen Coronavirus möglich sein, meinten Mediziner schon in einem frühen Stadium der laufenden Pandemie. Doch erste Erkenntnisse aus China dämpfen nun diese Hoffnung – bedeuten andererseits aber auch noch nicht das Aus für diesen Behandlungsansatz.

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Antikörper: kein durchschlagender Erfolg

Ein chinesisches Ärzteteam aus Wuhan berichtet im Fachblatt „Journal of the American Medical Association“ (JAMA), dass die Behandlung schwer an Covid-19 Erkrankter mit Antikörper-Seren nur unwesentliche Erfolge eingebracht habe. Bei fünf schwer Erkrankten habe die zusätzlich zur Standardbehandlung angewendete Therapie angeschlagen, doch das sei noch kein Nachweis für eine generelle Wirksamkeit. Der Grund: Mit 103 sei die Zahl der Teilnehmer an der Studie zu gering gewesen sei.

Außerdem habe es keine ausreichende Vergleichsgruppe ebenfalls schwer an Covid-19 Erkrankter gegeben, so dass nicht zu erkennen sei, ob sich die Patienten auch ohne die Therapie erholt hätten, heißt es in dem Beitrag. Weder habe man feststellen können, dass die Bluttherapie die Genesung von Covid-19-Patienten beschleunigt habe, noch habe sich das Risiko, an einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus zu sterben, verändert. Für die Studie waren einer Gruppe Blutseren mit Antikörper verabreicht worden, eine zweite Gruppe erhielt ein Placebo.

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Die chinesischen Mediziner geben zu bedenken, dass mit ihren Erkenntnissen keineswegs der Antikörper-Einsatz gegen das Coronavirus begraben werden muss. Zum einen hätten Patienten auf die Antikörper-Behandlung angesprochen, zum anderen seien die Ergebnisse nur eingeschränkt aussagekräftig, da die Studie vorzeitig nach 28 Tagen habe abgebrochen werden müssen. Hauptgrund sei gewesen, dass sich für die größer angelegte Studie nicht genügend Patienten gefunden hätten, da die Corona-Pandemie in ihrem Ausgangspunkt Wuhan inzwischen unter Kontrolle sei.

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An einer Antikörper-Therapie gegen das Coronavirus wird nicht nur in China, sondern auch in anderen Ländern geforscht – darunter auch Deutschland. Sie gilt als möglicher erster Schritt einer Sars-CoV-2-Behandlung, solange es kein Medikament und keinen Impfstoff gibt. Vor allem könnte, so Mediziner, medizinisches Personal gegen eine Ansteckung geschützt oder sehr schwer an Covid-19 erkrankten Patienten zumindest Linderung verschafft werden. Als dauerhafte Behandlung kommt eine Antikörper-Thema nicht infrage, da sie zu aufwändig ist und zudem möglicherweise die Immunisierung der Blutspender schwächt.

Quellen: „Journal of the American Medical Association“; Nachrichtenagentur Reuters

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