Corona-Beauftragte von Tübingen: Werde Modellprojekt nicht mit aller Macht durchsetzen

Corona-Beauftragte von Tübingen: Werde Modellprojekt nicht mit aller Macht durchsetzen

2021-04-09

Auch in Tübingen ist die 7-Tage-Inzidenz zuletzt wie fast überall in Deutschland gestiegen. Die Stadt will dennoch versuchen, an ihrem Modellprojekt mit einem halbwegs normalen Alltagsleben festzuhalten. Das hat die Corona-Beauftragte der Stadt nun gesagt, die von „ihrem“ Projekt spricht.

Das Modellprojekt „Öffnen mit Sicherheit“ in Tübingen war vor allem die Idee der Corona-Beauftragten Lisa Federle und nicht die von Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne). Das stellte sie nun selbst in einem Interview mit der "Fuldaer Zeitung" klar: "Das ist nicht das Palmer-Projekt, sondern das von mir." Und deswegen werde die hauptberufliche Notärztin dieses Projekt auch persönlich beenden, wenn es denn aufgrund der Infektionslage sein müsse.

Im Gespräch mit der Zeitung verteidigte sie ihren Weg und die Möglichkeit, der Pandemie ohne Lockdown entgegenzutreten. "Mein Projekt ist entstanden, damit die Menschen ihr Leben ohne Angst gestalten können. Für mich ist ganz klar, dass ich meine schützende Hand über Tübingen halten werde", betonte Federle. Mit aller Macht wolle sie das Projekt nicht durchsetzen, doch es dürfe auch nicht ausschließlich von der Inzidenz abhängig gemacht werden.

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Federle: "Werde meine schützende Hand über Tübingen halten"

Dass der Inzidenzwert der Stadt in Folge vermehrter Corona-Tests auch gestiegen ist, sei nach Ansicht von Federle nur völlig logisch. Die Ärztin Federle sagte weiter: "Je mehr Infizierte ich rausziehe, desto weniger Ansteckung habe ich. Wir haben in Tübingen garantiert die niedrigste Dunkelziffer in ganz Deutschland." dpa/Tom Weller/dpa Lisa Federle.

Interesse an Tübinger Modellprojekt sehr groß

Alles rigoros zu schließen, sei "eine Illusion" – diese Taktik habe auch schon an Weihnachten nicht funktioniert. Ihr Modellprojekt sei daher selbst bei einem Scheitern ein Erfolg. "Denn die Leute sehen: Wir haben es versucht – es geht eben nicht. Allein die große Diskussion ums Testen ist wahnsinnig viel wert. Wie man das dann umsetzt – da bin ich völlig offen", erklärte die Notärztin.

Zudem erklärte Federle, dass das Interesse am Tübinger Weg groß sei. "Ich werde dauernd kontaktiert. Ich komme da eigentlich nicht mehr hinterher. Am Tag habe ich Hunderte Anfragen von Städten oder Unternehmen aus ganz Deutschland", sagte die Ärztin.

Offener Brief an Tübinger Bürger von Palmer und Federle

Diese Woche hatten Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) und die Pandemiebeauftragte Federle haben an die Einwohner der Stadt appelliert, die Corona-Regeln weiter einzuhalten. In einem offenen Brief forderten sie: "Mithelfen, damit Tübingen offen bleibt". Zugleich warben Palmer und Federle um Verständnis, dass das Corona-Modellprojekt "Öffnen mit Sicherheit" vorerst nur unter verschärften Bedingungen weiter gehen kann.

Die Zahl der Kontakte in der Stadt werde zurückgehen, weil Auswärtige kein Tagesticket mehr erhalten könnten und die Außengastronomie in der Stadt nun vorerst wieder untersagt wurde. "Die täglich durchgeführten Tests werden nochmals deutlich mehr, weil neue Testpflichten in Einzelhandel, Betrieben, Schulen und Kitas hinzukommen." Palmer und Federle sehen das Vorgehen als eine Alternative für den Weg, der sonst beschritten werden soll.

Auf die Fortsetzung des Tübinger Modellprojekts hatten sich am Dienstag das Gesundheitsministerium, das Landesgesundheitsamt sowie die Stadt Tübingen und das örtliche Gesundheitsamt geeinigt. Der Tübinger Modellversuch wurde zuletzt bis zum 18. April verlängert.

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