Coronavirus: Deutlich mehr Infektionen als gemeldet – Heilpraxis

Coronavirus: Deutlich mehr Infektionen als gemeldet – Heilpraxis

2020-11-03

SARS-CoV-2: Mehr Corona-Infektionen als gedacht

Jeden Tag wird die Zahl der registrierten Neuinfektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 bekannt gegeben. Doch laut einer neuen Studie haben sich deutlich mehr Menschen mit dem neuartigen Erreger angesteckt als gemeldet wurden.

Laut einer aktuellen Mitteilung des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) kommt eine neue Studie zu dem Ergebnis, dass sechsmal mehr Kinder in Bayern mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert waren als gemeldet. Den Fachleuten zufolge verdeutlicht dies die Relevanz bevölkerungsweiter Antikörper-Screenings zur Überwachung des Pandemieverlaufs. Außerdem beschreibt die Studie einen neuen Ansatz, um Antikörper gegen SARS-CoV-2 mit besonders hoher Genauigkeit zu messen.

Antikörper gegen SARS-CoV-2 messen

Wie das DZD schreibt, weisen derzeitige Antikörpertests eine mangelnde Spezifität auf, was zu einem großen Anteil falsch-positiver Ergebnisse führt. Unter der Leitung von Prof. Anette-G. Ziegler entwickelten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des DZD-Partners Helmholtz Zentrum München nun einen neuen Ansatz zur Messung von Antikörpern gegen SARS-CoV-2.

Der Ansatz zeichnet sich dadurch aus, dass das Testergebnis erst dann als Antikörper-positiv gilt, wenn sowohl gegen die Rezeptor-Bindungsdomäne als auch gegen Nukleokapsid-Proteine des Virus positiv getestet wurde. Dieser zweistufige und zweifach-positive Ansatz führt zu besonders genauen Ergebnissen mit einer Spezifität von 100 Prozent und einer Sensitivität von über 95 Prozent.

Weil Ziegler und ihre Forschungsgruppe bereits eine große, bayernweit angelegte Bevölkerungsstudie namens „Fr1da“ zur Früherkennung von präsymptomatischem Typ-1-Diabetes bei Kindern durchführten, konnten sie schnell und einfach die bestehende Test-Infrastruktur um den neuen Ansatz für SARS-CoV-2-Antikörper erweitern.

Antikörperhäufigkeit sechsmal höher

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten zwischen Januar 2020 und Juli 2020 knapp 12.000 Blutproben von Kindern in Bayern im Alter zwischen 1 und 18 Jahren (Teilnehmende der Fr1da-Studie) auf SARS-CoV-2-Antikörper. Sie stellten fest, dass zwischen April und Juli im Schnitt 0,87 Prozent der Kinder Antikörper aufwiesen (zweifach-positiv).

Im Vergleich zu den vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Ernährung (LGL) gemeldeten Fällen von Kindern im Freistaat (zwischen 0 und 18 Jahren), die zwischen April und Juli positiv auf das Virus getestet wurden, war die Antikörperhäufigkeit damit sechsmal höher.

Die Ergebnisse der in der Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlichten Studie machten keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern sichtbar. Fast die Hälfte (47 Prozent) der Kinder mit Antikörpern waren asymptomatisch. Etwa ein Drittel (35 Prozent) der Kinder, die mit einem auf das Coronavirus positiv getestetem Familienmitglied zusammenlebten, wiesen Antikörper auf.

Das deutet auf eine höhere Übertragungsrate hin als in bisherigen Studien beschrieben. Darüber hinaus zeigten die Ergebnisse innerhalb Bayerns deutliche geographische Unterschiede („Hot-Spots“). Am meisten positive Antikörpertests gab es demnach im Süden Bayerns.

Die Kinder wurden auch auf Typ-1-Diabetes-Autoantikörper getestet. Diese dienen laut dem DZD als Früherkennungsmerkmal für präsymptomatischen Typ-1-Diabetes. Die Forschenden konnten keine Zunahme dieser Antikörper feststellen. Den Fachleuten zufolge lässt dies darauf schließen, dass COVID-19 und Typ-1-Diabetes bei Kindern nicht miteinander assoziiert sind.

Nicht nur auf das Virus selbst testen

„Unsere Studie liefert wichtige Ergebnisse, die die Diskrepanz zwischen gemeldeten Virusinfektionen und Antikörperaufkommen offenlegen“, so Markus Hippich, Erstautor der Studie und Postdoc am Helmholtz Zentrum München. „Da viele Personen, bei Kindern knapp die Hälfte, keine COVID-19-typischen Symptome entwickeln, werden sie nicht getestet. Um verlässliche Daten über die Ausbreitung des Virus zu bekommen, reicht es also nicht aus, nur auf das Virus selbst zu testen.“

Studienleiterin Prof. Anette-G. Ziegler fügt hinzu: „Nationale Programme, die mit hoher Spezifität und Sensitivität auf Antikörper testen, könnten den Ländern zuverlässige Daten liefern, um sich auf die Zukunft vorzubereiten. Sie könnten ihnen dabei helfen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen und die Auswirkungen regionaler und landesweiter COVID-19-Maßnahmen zu überprüfen.“

Keine Belege für Immunität

Das DZD weist darauf hin, dass Antikörper gegen SARS-CoV-2 erst nach einer bis vier Wochen nachweisbar sind. Daher können diese Messwerte nicht dafür genutzt werden, um Aussagen über das aktuelle Infektionsgeschehen zu treffen. Es gibt bisher keine Belege dafür, dass SARS-CoV-2-Antikörper zu einer Immunität gegen das Virus führen. (ad)

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