Coronavirus: Geruchssinn kann wieder antrainiert werden – Heilpraxis

Coronavirus: Geruchssinn kann wieder antrainiert werden – Heilpraxis

2021-01-14

Riechfähigkeit kann man sich wieder antrainieren

Es ist schon länger bekannt, dass Riechstörungen oder ein kompletter Verlust des Geruchssinns ein typisches Merkmal einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 sind. Allerdings gibt es auch viele weitere Ursachen, die einen Geruchsverlust zur Folge haben können. Forschende berichten nun, dass man sich einen verlorenen Geruchssinn wieder antrainieren kann.

Erst vor kurzem berichtete ein Forschungsteam in der Fachzeitschrift „Journal of Internal Medicine“, dass über 85 Prozent der Erkrankten, die wegen einem leichten COVID-19-Verlauf in einem europäischen Krankenhaus behandelt wurden, einen Geruchsverlust erlitten. Das Fehlen des Geruchssinns kann aber auch andere Ursachen haben. Die positive Nachricht: Mit einem Riechtraining kann der Geruchssinn wieder antrainiert werden.

Wahrnehmung von Gerüchen kann lange ausbleiben

Wie es in einem Beitrag von „scilog“, dem Magazin des österreichischen Wissenschaftsfonds FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) heißt, hat die Corona-Krise den Fokus auch auf den menschlichen Geruchssinn gelenkt, denn sein Verlust kann ein Symptom der Erkrankung sein.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass im Zuge der Viruserkrankung Zellen des sogenannten olfaktorischen Epithels – ein auf die Erfassung von Gerüchen spezialisiertes Gewebe im oberen Bereich der Nasenhöhle – geschädigt werden.

Nachdem das Gewebe mit der Genesung wiederhergestellt wird, lernt man üblicherweise auch wieder neu zu riechen. Allerdings kann es in Ausnahmefällen auch vorkommen, dass die Wahrnehmung von Gerüchen langfristig ausbleibt oder irreführende Sinnessignale entstehen – etwa, dass ein Apfel nach verbranntem Gummi riecht.

Viele Ursachen für den Geruchsverlust

Auch abseits einer SARS-CoV-2-Infektion gibt es viele Ursachen, die den Verlust des Geruchssinns (Anosmie) zur Folge haben können. Die Bandbreite reicht von Infektionen im Nasenbereich über Entzündungen, Polypen oder Allergien bis hin zu Kopfverletzungen und der Abnahme des Riechvermögens als Alterserscheinung.

Interdisziplinäre Forschungsteams am Institut für Psychologie der Universität Graz und am Zentrum für Mikrobiomforschung an der Medizinischen Universität Graz untersuchen derzeit, ob gerade bei jüngeren, an einer Riechstörung erkrankten Patientinnen und Patienten ein gezieltes tägliches Training des Geruchssinns helfen kann.

In dem vom FWF geförderten Projekt „Von der Nase ins Gehirn“ erforschen sie zudem, welchen Einfluss Mikroorganismen im Nasenbereich auf den Geruchssinn haben. Dabei gehen sie auch der Frage nach, wie sich die Veränderungen der Riechfähigkeit in der Gehirnaktivität abbilden.

Mikrobiom hat vielfältigen Einfluss

„In und auf unserem Körper leben Millionen von Mikroorganismen: Bakterien, Pilze, Viren und Archaeen. Sie besiedeln unsere äußeren und inneren Oberflächen, also etwa unsere Haut und unsere Schleimhäute. Das Mikrobiom hat in vielfältiger Weise Einfluss auf unser Leben“, erläutert Projektleiter Florian Fischmeister von der Universität Graz, der mit der Mikrobiomforscherin Christine Moissl-Eichinger von der Medizinischen Universität Graz zusammenarbeitet.

„Wir wollen unter anderem herausfinden, ob und wie sich das nasale Mikrobiom eines Menschen, der an Anosmie – also der Unfähigkeit zu riechen – erkrankt ist, von einem gesunden unterscheidet. Im Vergleich zum Mikrobiom im Magen- und Darmtrakt gibt es zu jenem in der Nase noch recht wenige Forschungsarbeiten. Hier wollen wir etwas aufholen“, so Fischmeister.

In einer vergangenen Studie haben die Forschenden bereits gezeigt, dass bei sogenannten hyposmischen Patientinnen und Patienten, deren Geruchssinn zwar intakt ist, jedoch etwas weniger gut funktioniert als bei gesunden Menschen, eine höhere Diversität an Mikroorganismen am olfaktorischen Epithel zu finden ist.

Den Angaben zufolge identifizierte die Analyse dabei auch eine Spezies, die Buttersäure produziert und die mit dem geringeren Riechvermögen in Zusammenhang stehen könnte. Eine weitere Untersuchung legt auch nahe, dass ein Riechtraining, bei dem man sich regelmäßig und bewusst mit bestimmten Gerüchen konfrontiert, eine zielführende Strategie sein könnte.

Jeden Tag Rosen riechen

Aufbauend darauf arbeitet Fischmeister mit Kolleginnen und Kollegen jetzt an einer Langzeitstudie, die Riechtraining- und Mikrobiomforschung kombiniert. „Wir haben Probanden dazu eingeladen, ein sechsmonatiges Training zu absolvieren. Es bestand daraus, dass sie zwei Mal täglich an bestimmten Gerüchen wie Zitrone oder Rose riechen. Gleichzeitig sollten sie sich diesen Geruch intensiv vorstellen und ihn visualisieren“, erklärt Fischmeister.

Zu Beginn, Halbzeit und Studienende wurde bei den Teilnehmenden die Geruchsfähigkeit überprüft und Nasen- und Darmmikrobiom analysiert. Darüber hinaus wurde eine MRT-Untersuchung durchgeführt, während den Patientinnen und Patienten Gerüche präsentiert wurden, um das Training und Veränderungen im Mikrobiom in Zusammenhang mit Entwicklungen im Gehirn zu setzen.

Die Datenerhebung im Projekt ist jetzt abgeschlossen. Insgesamt 20 Patientinnen und Patienten haben an der Studie teilgenommen und werden mit einer Kontrollgruppe abgeglichen.

Das Geruchstraining funktioniert

„Was wir jetzt bereits sagen können ist, dass das Geruchstraining in unserer Studie funktioniert hat. Bei einem Teil der Patientinnen und Patienten wurde die Riechfähigkeit signifikant besser“, so der Wissenschaftler. „Die Bildgebung des MRTs zeigt zudem, dass die mit dem Riechen assoziierten Netzwerke im Gehirn zum Teil wiederhergestellt werden.“

Die Auswertung der in der Studie erhobenen Daten hat sich aufgrund der Corona-Pandemie verzögert und ist noch im Gange. Sollten sich tatsächlich Effekte zeigen, würde man damit jedoch einer großen Vision um einen Schritt näherkommen.

„Ein Fernziel ist, eventuell vorhandene Schlüsselmikroorganismen ausfindig zu machen, die die Nasenfunktion positiv beeinflussen oder zumindest als Biomarker bestimmte Therapieformen nahelegen“, erläutert Fischmeister. „Von der Entwicklung einer solchen Therapie sind wir heute aber noch weit entfernt.“ (ad)

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