Darmflora ein Ansatz zur Diabetes-Behandlung? – Naturheilkunde & Naturheilverfahren Fachportal

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2020-08-11

Darmmikrobiom eröffnet neue Behandlungsansätze gegen Diabetes

Unsere Darmflora hat weitreichende Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Laut einer aktuellen Studie scheint dies auch das Diabetes-Risiko zu betreffen. Über die Beeinflussung der Darmflora ließe sich demnach möglicherweise auch ein Beitrag zu Prävention und Therapie von Diabetes leisten.

Ein schwedisches Forschungsteam der Universität Göteborg hat die Zusammenhänge zwischen dem Darmmikrobiom und Diabetes in einer Bevölkerungsstudie untersucht. Dabei stellten die Forschenden fest, dass die individuelle Zusammensetzung von Mikroorganismen im menschlichen Magen-Darm-Trakt wichtige Hinweise darauf liefern kann, ob eine Erkrankung an Typ-2-Diabetes droht. Auch lasse sich die Darmflora möglicherweise zur Prävention und Therapie nutzen. Veröffentlicht wurden die Studienergebnisse in dem Fachmagazin „ Cell Metabolism“.

Zusammenhang zwischen Darmflora und Diabetes

Bereits in früheren Forschungsarbeiten hatte das Team um Professor Fredrik Bäckhed von der Universität Göteborg nachgewiesen, dass die Darmmikrobiota eines Menschen zur Entstehung von Typ-2-Diabetes beitragen können. „Der Darmtrakt enthält mehr als ein Kilogramm Bakterien, die für unsere Gesundheit wichtig sind, und die Arten von Darmbakterien, die bei Menschen mit Typ-2-Diabetes gefunden werden, scheinen sich von denen bei gesunden Menschen zu unterscheiden“, so die Mitteilung der Sahlgrenska Academy an der Universität Göteborg.

In der aktuellen Studie wurde der Zusammenhang zwischen Darmmikrobiom und Diabetes nun anhand der Daten von knapp 1.500 Teilnehmenden einer schwedischen Bevölkerungsstudie, die seit 2013 an der Universität Göteborg durchgeführt wird, genauer untersucht. Zu Überprüfung wurden auch Daten aus der landesweiten schwedischen kardiopulmonalen Bioimage-Studie (SCAPIS) hinzugezogen.

„Durch die Untersuchung von Menschen, die noch nicht an Typ-2-Diabetes erkrankt waren, konnten die Forschenden ausschließen, dass die Darmmikrobiota von der Krankheit oder ihrer Behandlung beeinflusst sind“, so die Mitteilung der Sahlgrenska Academy. Bisherigen Studien auf diesem Gebiet hätten meist gesunde Personen mit bereits Erkrankten verglichen.

Verändertes Darmmikrobiom bei Diabetes

In den Untersuchungen habe sich gezeigt, dass bei Personen im Stadium eines Prädiabetes (erhöhter Nüchtern-Blutzuckerspiegel oder verminderter Glukosetoleranz) und bei Personen mit unbehandeltem Typ-2-Diabetes das Darmmikrobiom verändert ist. Diese Veränderungen der Darmflora könnten laut Aussage der Forschenden auch dazu genutzt werden, um Menschen mit erhöhtem Diabetes-Risiko zu identifizieren.

Butyrat-produzierende Bakterien

Bei einer genaueren Betrachtung der veränderten Darmflora fiel auf, dass Personen mit Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes weniger Butyrat-produzierende Bakterien aufwiesen. Ihr Potenzial zur Produktion von Butyrat (Fettsäure, die die Hormonproduktion im Magen-Darm-Trakt fördert und die Entzündung kontrolliert) war deutlich reduziert.

Darmflora gezielt beeinflussen

Butyrat wird hauptsächlich von nützlichen Bakterien im Darm bei der Verdauung von Nahrungsfasern gebildet und hier könnte auch ein Ansatz zur Prävention und Therapie von Diabetes liegen. So könnte beispielsweise versucht werden, die Butyrat-produzierenden Bakterien durch Änderung der individuellen Faseraufnahme und die Anpassung der Fasertypen an spezifische Mikrobiota zu stärken. Auch die Entwicklung entsprechender Probiotika könnte einen neuen Ansatz zur Diabetes-Prävention und -therapie eröffnen, betonen die Forschenden.

Hohes Potenzial für die Diabetes-Prävention und -therapie

„Unsere Studie zeigt deutlich, dass die Zusammensetzung der Darmmikrobiota ein großes Potenzial haben könnte, um die Risiken der Entwicklung von Typ-2-Diabetes zu verstehen und damit unsere Chancen zu verbessern, die Krankheit zu erkennen, zu verhindern und zu behandeln“, resümiert Professor Bäckhed. „In Zukunft werden wir vielleicht in der Lage sein, individuelle Ernährungsumstellungen vorzuschreiben oder neue Arten von Probiotika zu entwickeln, die die Krankheit verhindern oder vielleicht sogar behandeln können“, so die Hoffnung des Studienleiters. (fp)

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