In gewisser Weise fast lustig: Bill Gates wendet sich an Verschwörungstheoretiker

In gewisser Weise fast lustig: Bill Gates wendet sich an Verschwörungstheoretiker

2020-09-15

Seit langem schon gilt Bill Gates als das Ziel von zahlreichen Verschwörungstheoretikern, mit der Corona-Pandemie hat sich das verstärkt. Jetzt erklärt der Microsoft-Gründer, was er von derartigen Theorien hält und wann er mit einem Impfstoff gegen das Coronavirus rechnet.

Der nicht erst in der Corona-Pandemie zum Feindbild von Verschwörungstheoretikern avancierte Microsoft-Gründer Bill Gates ist tief besorgt über die Verbreitung von Desinformation und Lügen im Internet.

Microsoft-Gründer Bill Gates erwartet, dass bereits Anfang des kommenden Jahres mehrere Impfstoffe gegen das neuartige Coronavirus zur Verfügung stehen. Er rechne damit, dass "mit etwas Glück" im ersten Quartal "drei oder sogar vier" Impfstoffe zugelassen werden, sagte Gates der Internetsendung "Bild live" in einem am Dienstag veröffentlichten Interview.

Gates schließt sogar nicht aus, dass es bereits im Oktober eine Notfallzulassung für einen Impfstoff geben könnte. Es sei aber nur eine "winzig kleine Chance", sagte Gates dem "Spiegel".

Die Herausforderung werde dann aber sein, die Mittel in Massen herzustellen, betonte der US-Multimilliardär, dessen Stiftung die Entwicklung und Verbreitung von Impfstoffen fördert. Um die Corona-Impfstoffe weltweit sieben Milliarden Menschen zur Verfügung zu stellen, würden fast 14 Milliarden Dosen gebraucht: "Das wurde zuvor noch nie gemacht." Es handle sich um eine Notfallmaßnahme, die ganz neue Strategien erfordere.

Bill Gates: "In gewisser Weise ist es fast lustig"

Gates, der selbst im Zentrum vieler Verschwörungstheorien zum Coronavirus steht, warnte eindringlich vor Desinformation und Lügen im Internet über die Pandemie: "Diese verrückten Ideen verbreiten sich irgendwie schneller in den sozialen Medien als die Wahrheit."

Er sei "überrascht" darüber, dass sein eigener Name in den Verschwörungstheorien auftauche. "In gewisser Weise ist es fast lustig", so Gates weiter, "aber ich muss es ernst nehmen. Denn es könnte bedeuten, dass Menschen nicht an die Krankheit glauben, dass sie keine Masken tragen, oder dass sie – wenn der Impfstoff kommt – andere Menschen nicht schützen wollen, indem sie sich impfen lassen" sagt der Microsoft-Gründer gegenüber der "Bild"-Zeitung.

"Ich wünschte, die Vereinigten Staaten hätten es so gut gemacht wie Deutschland"

In Internet-Videos und teilweise auch bei den Demonstrationen gegen die Corona-Auflagen wird behauptet, Gates sei für die Verbreitung des neuartigen Coronavirus verantwortlich und wolle durch die Pandemie noch reicher werden.

Gates richtet sich an die Verschwörungstheoretiker

Gates unterstrich jetzt in dem Interview, es gehe ihm bei der Förderung von Impfungen darum, Leben zu retten. Er sei stolz darauf, "dass mehrere zehn Millionen Menschen dank der neuen Impfbemühungen, an denen wir beteiligt sind, gerettet werden konnten".

An die Adresse der Verschwörungstheoretiker sagte er: "Wir befinden uns inmitten einer Pandemie, und es ist wichtiger als je zuvor, sich mit den Tatsachen und der Wahrheit auseinanderzusetzen." Im "Spiegel"-Interview stellt Gates zudem noch einmal klar: "Ich habe das Coronavirus nicht erschaffen" – und er wolle auch niemandem Mikrochips einpflanzen.

Microsoft-Gründer kritisiert Trumps Umgang mit der Pandemie

Auch auf die Bekämpfung der Corona-Pandemie geht Gates ein. Diese erinnere uns daran, dass eine "verantwortungsvolle Regierung extrem wichtig ist", so Gates. "Deutschland hat insgesamt weniger Todesfälle als andere Länder zu verzeichnen. Es ist ein sehr positives Beispiel für eine ruhige politische Führung." Gates hätte sich gewünscht, "die Vereinigten Staaten hätten es so gut gemacht wie Deutschland", erklärte der 64-Jährige gegenüber der "Bild".

Im Interview mit dem "Spiegel" kritisierte Gates die Reaktion der US-Regierung unter Donald Trump auf die Pandemie scharf. "Die Reaktion der USA war sehr, sehr schlecht, allein schon bei den Tests. Wir hätten nie für Testergebnisse zahlen sollen, die länger als 24 Stunden brauchen." Die Verantwortung dafür sieht er beim Präsidenten: "Die Reaktion der USA ist so viel schlechter, als sie hätte sein sollen. Und dafür ist die politische Führung voll und ganz verantwortlich."


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  • "Die Pandemie hat den Fortschritt angehalten und uns zurückgedrängt"

    Derweil hat die Corona-Pandemie nach Gates' Einschätzung zahlreiche in den vergangenen Jahren erzielte Fortschritte bei der Bekämpfung von Armut und Krankheiten zunichte gemacht. "Die Pandemie hat den Fortschritt angehalten und uns zurückgedrängt", sagte der 64-Jährige bei einer telefonischen Pressekonferenz anlässlich der Veröffentlichung des "Goalkeepers"-Berichts am Dienstag. Der seit 2017 jährlich veröffentlichte Report bilanziert den bislang erreichten weltweiten Fortschritt beim Kampf gegen Armut und Krankheiten und prognostiziert, wie es weitergehen könnte.

    Die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben, sei seit Beginn der Pandemie beispielsweise um sieben Prozent gestiegen, heißt es in dem Bericht. Die weltweite Impf-Abdeckung von Menschen sei auf das Niveau der 90er Jahre zurückgefallen – und habe damit "die Welt in 25 Wochen um 25 Jahre zurückversetzt". Außerdem verstärkten die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie bestehende Ungleichheiten, da Frauen und Minderheiten sowie Menschen, die in extrem armen Verhältnissen leben, deutlich stärker betroffen seien.

    Bill Gates: "Dies ist eine gemeinsame globale Krise"

    Die Welt müsse deswegen gemeinsam die Pandemie und ihre Auswirkungen bekämpfen – vor allem durch die Entwicklung von Behandlungsmethoden und Impfstoffen, fordern Bill und seine Frau Melinda Gates in dem Bericht. "Dies ist eine gemeinsame globale Krise, die eine gemeinsame globale Antwort verlangt."

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