In Spanien explodiert die Zahl der Neuinfektionen – das steckt dahinter

In Spanien explodiert die Zahl der Neuinfektionen – das steckt dahinter

2020-09-07

Corona-Alarm in Spanien und insbesondere in Madrid: Immer mehr Menschen infizieren sich dort mit dem Virus. Ministerpräsident Pedro Sánchez führt das auch auf die Nachlässigkeit der Menschen zurück. Doch es gibt noch mehr Gründe für die vielen Neuinfektionen.

In Spanien infizieren sich erneut immer mehr Menschen neu mit dem Coronavirus Sars-Cov-2. Kürzlich meldete Spanien mit 4503 an einem Tag positiv getesteten Menschen den Höchstwert der Neuinfektionen seit Ende des Lockdowns. Insgesamt haben sich dort laut Johns Hopkins Universität seit Beginn der Pandemie 498.989 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Fast 30.000 Menschen sind infolge der Viruserkrankung gestorben, 150.000 Infizierte gelten als genesen.

Besonders dramatisch entwickelt sich die Zahl der Neuinfektionen in Spaniens Hauptstadt Madrid. Hier hatte sich zuletzt etwa ein Drittel der Neuinfizierten angesteckt.

Surftipp: Alle Neuigkeiten zur Corona-Pandemie finden Sie im News-Ticker von FOCUS Online

Regionale Infektionsherde gebe es aber landesweit, schreibt das Auswärtige Amt, „insbesondere in den Autonomen Gemeinschaften Kantabrien, Kastilien und Léon, La Rioja, Navarra, im Baskenland, in der Hauptstadtregion Madrid sowie auf den kanarischen Inseln mit Schwerpunkt auf Gran Canaria und Lanzarote. Auf Mallorca ist insbesondere Palma de Mallorca betroffen“.

dpa Die Grafik zeigt die Corona-Fälle der letzten 7 Tage (Stand: 6.9.).  

Die Sieben-Tage-Inzidenz liege bei mehr als 50 Fällen pro 100.000 Einwohnern. Das Auswärtige Amt hat das Land deshalb als Risikogebiet deklariert und warnt aufgrund der hohen Infektionszahlen vor nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Spanien.

Wieso stecken sich derzeit in Spanien so viele Menschen an?

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez führt den starken Anstieg in Madrid und Umgebung auf verschiedene Ursachen zurück. Dem Radiosender Cadena Ser sagte er: „Die Gründe sind klar. Die Mobilität, das Nachtleben. Die Menschen sind nachlässiger geworden.“

Ein weiterer Grund: Insbesondere im Hotspot Madrid lebten viele Menschen auf wenig Raum, wie der spanische Forscher Miguel Otero-Iglesias dem "WDR" sagte. Das gilt insbesondere für Arbeiterviertel.  

Ein weiterer Faktor scheint in der spanischen Kultur begründet zu sein: „Spanien überhaupt ist ein Platz, ein Land, wo sich die Leute sehr viel berühren: Man küsst sich, man feiert und man spricht auch mit sehr viel Intensität“, erklärt Otero-Iglesias weiter.

Auf Mallorca seien so gut wie alle Neuinfektionen auf „Familientreffen, Trinkgelagen oder Großzusammenkünfte auf engem Raum“ zurückzuführen, schreibt das "Mallorca Magazin". Insgesamt sei die Großzahl der Neu-Infizierten symptomlos. endcoronavirus.org Die Zahl der Neuinfizierten steigt in Spanien rasant an.

In einem Bericht des „Spiegel“ werfen die Autoren der spanischen Regierung zudem vor, das Land zwar für Touristen geöffnet, gleichzeitig aber nicht genug Mitarbeiter zur Nachverfolgung von Infektionsketten eingestellt zu haben.

Mehr zum Coronavirus


  • Der große Test-Überblick zu Covid-19: Täuscht uns die Corona-Kurve?


  • Fliegen in Corona-Zeiten – Rechnung zeigt, wie hoch die Ansteckungsgefahr wirklich ist


  • Haarausfall, Erschöpfung, Lungenschäden – Was bleibt, wenn das Coronavirus geht


  • Corona bald nur noch harmloses Schnupfenvirus? Virologen ordnen These ein

  • Generell gilt Spaniens Gesundheitssystem durch Sparprogramme der Jahre nach der Finanzkrise 2008/2009 als angeschlagen. Durch die erste Corona-Welle war das dramatisch sichtbar geworden. Es fehlte an Schutzkleidung, Testmöglichkeiten, Beatmungsgeräten. Wartezeiten für Corona-Patienten waren lang. Zeitweise starben bis zu 1000 Patienten landesweit mit Corona – pro Tag.

    Nun stehen Gesundheitszentren angesichts der stark steigenden Corona-Zahlen und der wieder zunehmenden Zahl an Covid-19 erkrankter Patienten in manchen Regionen nach eigenen Angaben schon wieder vor Problemen. Es fehle an Personal, klagen Gewerkschaften und Berufsverbände. Viele Krankenpfleger und Ärzte seien noch wegen der ersten Corona-Welle krank geschrieben oder nicht voll einsatzfähig.

    Welche Schlüsse können wir daraus für Deutschland ziehen?

    Auch in Deutschland hatte die Zahl der Neuinfektionen im August wieder zugenommen. Allerdings längst nicht in dem dramatischen Ausmaß, wie es derzeit in Spanien zu beobachten ist. Woran liegt das?

    Einen entscheidenden Unterschied erläutert Virologe Rolf Kaiser aus Köln im "WDR": Durch gezieltes Testen habe man alle Glutnester in Deutschland aufgedeckt. In Spanien sei hingegen nicht mit ähnlich hoher Intensität getestet worden.  
     

    Dennoch verdeutlicht der erneute Anstieg der Zahlen in Spanien die enorme Bedeutung der Schutzmaßnahmen und deren Aufrechterhaltung. Werden zu viele Menschen zu nachlässig, wie es Spaniens Premier vermutet, kann das fatale Folgen für das Pandemie-Geschehen haben.

    Welche Konsequenzen zieht Spanien?

    Spanien will nun erneut Einschränkungen durchsetzen. Treffen sollen künftig nur noch mit maximal zehn Personen erlaubt sein, sofern sie nicht demselben Haushalt angehören. Zudem wird unter anderem die zugelassene Höchstzahl der Teilnehmer an Hochzeiten, Beerdigungen und anderen Veranstaltungen wieder deutlich reduziert.

    Einen landesweiten Notstand sieht Ministerpräsident Pedro Sánchez nicht. Strenge Ausgangssperren schließt er daher derzeit aus. Die Lage sei zwar besorgniserregend, aber mit der Situation von März nicht zu vergleichen", sagte er im Interview mit dem Radiosender Cadena Ser.

    Schauspielerin Alyssa Milano kämpft seit April mit Corona-Symptomen

    Bit Projects Schauspielerin Alyssa Milano kämpft seit April mit Corona-Symptomen

    Taube wird von Ratte attackiert – dann geht Passantin auf den Nager los

    FOCUS Online/Wochit Taube wird von Ratte attackiert – dann geht Passantin auf den Nager los

    Quelle: Den ganzen Artikel lesen