Mit Jubel und Konfetti: Menschen in Melbourne feiern Ende des Corona-Lockdowns

Mit Jubel und Konfetti: Menschen in Melbourne feiern Ende des Corona-Lockdowns

2020-10-29

Nach fast vier Monaten wurde der wegen des Coronavirus verhängte Lockdown über die australische Metropole Melbourne aufgehoben. Nachdem erstmals seit Anfang Juni keine täglichen Neuinfektionen oder Todesfälle registriert wurden, endete die Ausgangssperre um Mitternacht in der Nacht zum Mittwoch.

Bei der Verkündung der von vielen Einwohnern sehnlich erhofften Aufhebung des Lockdowns am Montag bebte dem Premierminister des Bundesstaates Victoria, Daniel Andrews, die Stimme, er sprach von einem „emotionalen Tag“. Es sei ein „sehr schwieriges Jahr“ für die Menschen in dem Bundesstaat und er sei stolz „auf jeden einzelnen von ihnen“.

Jubel und Konfetti in Melbourne

Am Mittwoch feierten Einwohner und Geschäftsleute schließlich in der australischen Stadt Melbourne das Ende des monatelangen Corona-Lockdowns. In einigen Bars wurden die Sekunden bis Mitternacht wie zu Silvester heruntergezählt. Dann, um Punkt 0.00 Uhr, durften bis zu 20 Kunden durch die Türen strömen – begrüßt von Jubel und Konfetti.

„Wir haben sehr lange darauf gewartet“, sagte der Barbetreiber Greg Sanderson der Nachrichtenagentur AFP. Seine Bar sei zu rund 60 Prozent des Jahres geschlossen gewesen. Sanderson hatte sie erst im März eröffnet, drei Tage bevor er sie wegen der Pandemie wieder schließen musste. Sobald die Behörden wieder die Öffnung erlaubten, habe er Reservierungen für eine Champagner-Party entgegengenommen, sagte er.

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Auch die Kaufhaus-Managerin Magda Combrinck freute sich über die Wiedereröffnung nach mehr als hundert Tagen. „Auf diesen Tag haben wir schon so lange gewartet“, sagte sie AFP. Nach den Worten einer ihrer Kundinnen fühlte es sich jedoch noch nicht wie die Rückkehr zur Normalität an. 

Bei ihrem Bummel durch Melbournes Zentrum seien viele kleinere Läden noch geschlossen – oder vielleicht auch für immer geschlossen – gewesen, berichtete Lesley Kind. „Das war ein Schock – alles war so still“, sagte die 71-Jährige. „Es war schön, mal wieder in der Stadt gewesen zu sein – aber es war eine ganz andere Stadt.“ Schätzungen der australischen Regierung zufolge gingen durch den Lockdown täglich 1.000 Jobs verloren.

Daniel Andrews zeigt sich zuversichtlich

Premierminister Andrews sagte, zum ersten Mal seit Monaten seien nun wieder Besuche in anderen Haushalten erlaubt. Auch Schönheitssalons und Einzelhandelsgeschäfte dürfen wieder Kunden empfangen. Fitnessstudios bleiben noch bis 8. November geschlossen. Ab dann dürfen die Menschen in Melbourne auch wieder in andere Gegenden von Victoria reisen – bis dahin bleibt der Radius auf 25 Kilometer außerhalb der Metropole beschränkt.

AP Auch Sport im Freien ist wieder erlaubt.  

Anhand der zahlreichen Corona-Tests habe die Regierung eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie stark das Virus noch im Umlauf sei, fügte Andrews hinzu. Er zeigte sich zuversichtlich, eine erneute Ausbreitung des Virus rechtzeitig stoppen zu können. In ganz Victoria gibt es derzeit nur noch Dutzende aktive Coronavirus-Fälle und eine Handvoll Corona-Patienten im Krankenhaus.

Victoria ist der am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene Bundesstaat Australiens und bleibt weiterhin abgeschnitten vom Rest des Landes. Wegen der Corona-Pandemie gelten extrem strenge Auflagen, die Grenzen zwischen den einzelnen Bundesstaaten sind geschlossen. Insgesamt ist Australien bislang vergleichsweise gut durch die Krise gekommen, es gab bisher rund 27.500 Corona-Infektionen und 907 Todesfälle bei einer Einwohnerzahl von 25 Millionen.

Scharfe Kritik an den Einschränkungen

Die Ausgangsbeschränkung für die Menschen in Melbourne zählte zu den weltweit am längsten dauernden: Sie war bereits Anfang Juli eingeführt worden und galt damit 112 Tage. Damals waren fast 200 Neuinfektionen pro Tag registriert worden. Die Zahl stieg dann im August auf 700, bevor im Bundesstaat der Notstand ausgerufen wurde.

Die Zentralregierung in Canberra hatte die extrem strengen Regeln, unter anderem ein zwei Monate geltendes nächtliches Ausgehverbot, scharf kritisiert. Erst Ende vergangener Woche hatten Hunderte Menschen in Melbourne gegen die Einschränkungen protestiert. Dabei kam es auch zu Zusammenstößen mit der Polizei.

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