Ökonomischer Druck auf der Kinderstation: "Ich habe gekündigt"

Ökonomischer Druck auf der Kinderstation: "Ich habe gekündigt"

2021-01-13

Dreizehn Jahre lang habe ich eine Kinderstation geleitet. Von oben kam immer mehr Druck, zusätzliche Patienten aufzunehmen. Anfangs hatten wir 800 im Jahr, später 1400, bei fast gleicher Besetzung. Vor allem Neugeborene sollten wir versorgen, denn die bringen am meisten Profit. Doch das war ein Grenzgang: Vor allem Frühchen brauchen intensive Betreuung, das konnten wir mit unserem Personalschlüssel gar nicht leisten. An dem Tag, an dem ich entschied, dass ich so nicht weitermachen wollte, ging es um Zwillinge in der 32. Schwangerschaftswoche. Wir waren mit fünf Kindern überbelegt, eine adäquate Versorgung wäre nicht möglich gewesen. Ich lehnte die Übernahme ab. Am Ende saß ich bei der Klinikleitung, wo man mir vorrechnete, wie viel Gewinn dem Krankenhaus entgehen würde. Ich habe mich durchgesetzt. Und bald darauf gekündigt. Heute bin ich froh, stinknormale Kinderkrankenschwester auf der Intensivstation zu sein. Für den Stress als Stationsleitung verdiente ich 150 Euro mehr im Monat. Auf die verzichte ich gerne.

stern-Aktion – für eine Pflege in Würde!

→ Hier finden Sie alle Informationen zur Pflege-Petition

→ Hier können Sie die Pflege-Petition online zeichnen (Link gilt ab Donnerstag, 14.1., 9 Uhr)

→ Sie wollen die Pflege-Petition händisch zeichnen? Hier können Sie eine Unterschriftenliste zum Ausdrucken herunterladen

→ Sie wollen uns erreichen? Schreiben Sie an [email protected]

Über die Aktion:

Es geht um Ihre Kinder, Eltern und Großeltern, um unser aller Zukunft. Wir brauchen gute Pflege. Früher oder später. Deutschland altert schnell, und immer mehr Menschen sind im Alltag auf professionelle Pflege angewiesen. Doch in den Krankenhäusern, Heimen und bei den ambulanten Diensten herrscht ein enormer Pflegenotstand. Überall fehlen Pflegekräfte, weil die Arbeitsbedingungen schwer zumutbar sind und das Gehalt zu niedrig. Wir alle sind davon akut bedroht: Pflegekräftemangel führt zu schwereren Krankheitsverläufen, mehr Komplikationen und Todesfällen. Unsere Politiker:innen finden seit zwei Jahrzehnten keine wirksame Gegenmaßnahme. Es braucht einen ganz großen Wurf, um den Pflegekollaps noch aufzuhalten. Unser Umgang mit dem Thema Pflege entscheidet darüber, wie menschlich unsere Gesellschaft im 21. Jahrhundert bleibt.

Hier können Sie die Pflege-Petition ab dem 14.1.2020, 9 Uhr, online mitzeichnen.

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