RKI-Zahl zeigt traurige Realität: Den Corona-Toten wurden 10 Jahre Leben genommen

RKI-Zahl zeigt traurige Realität: Den Corona-Toten wurden 10 Jahre Leben genommen

2021-02-12

Das Robert-Koch-Institut hat erstmals die eingebüßte Lebenszeit durch Covid-19 berechnet. Das Ergebnis: Jeder Verstorbene hätte noch etwa 10 Jahre zu leben gehabt. Die Studie beweist, dass nicht nur Ältere und Vorerkrankte dem Virus erliegen.

Eine aktuelle Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigt, wieviel Lebenszeit Corona den Menschen in Deutschland gekostet hat. Die Arbeit wurde am Freitag im „Deutschen Ärzteblatt“ veröffentlicht und entstand in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt. Sie basiert auf den Covid-19-Todeszahlen des Jahres 2020.

Die Forschungsergebnisse erlauben es erstmals, das Ausmaß der Krankheitslast durch das Coronavirus mit anderen häufigen Todesursachen wie etwa dem Herzinfarkt zu vergleichen. Die Experten schätzten dabei, wie lange ein Mensch noch gelebt hätte, wenn er nicht in Folge einer Corona-Infektion gestorben wäre. Als Vergleich diente hier die durchschnittliche Lebenserwartung.

RKI-Forscher: Covid-19-Erkrankung kostete deutscher Bevölkerung 303.608 Lebensjahre

Die Methode berücksichtigt, wie alt die Menschen zum Zeitpunkt ihres Todes waren. Je jünger ein Mensch also bei seinem Tod war, desto mehr Lebensjahre verlor er bei der Berechnung. Als Todesfälle galten in der Studie jene, bei denen Covid-19 als klare Todesursache übermittelt wurde. Dies traf auf insgesamt mehr als 31.000 Fälle zu. 89 Prozent der Verstorbenen waren 70 Jahre alt und älter.

Den Forschungsberechnungen zufolge kostete eine Covid-19-Erkrankung der gesamten Bevölkerung Deutschlands insgesamt 303.608 Lebensjahre. Dabei gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen den Geschlechtern, wie aus der Studie hervorgeht: „Durchschnittlich verlor jede verstorbene Person 9,6 Lebensjahre; Frauen verloren weniger Lebensjahre als Männer (8,1 versus 11,0 Jahre).“

Männer sterben häufiger und öfter vor dem 60. Lebensjahr an Folgen einer Corona-Infektion

Dieser Geschlechterunterschied zeigt sich auch prozentual: Während 60 Prozent der verlorenen Lebensjahre auf Männer entfielen, waren es bei den Frauen lediglich 40 Prozent.

Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dp Der Mitarbeiter eine Bestattungsunternehmens transportiert die Leichen zweier Covid-19-Opfer in einem Fahrstuhl.

Dies lässt sich auf die Tatsache zurückzuführen, dass mehr Männer als Frauen an einer Corona-Infektion verstarben. Männliche Covid-19 Opfer trifft es zudem mit 60 Jahren oder jünger deutlich früher. „Dies entspricht der Befundlage, nach der sich Frauen etwas häufiger infizieren, Männer aber häufiger bereits in jüngerem Alter schwer erkranken“, heißt es in der Studie.

Studie zeigt: Es sterben nicht ausschließlich Ältere an Corona-Infektion

Die Studienergebnisse widerlegen Behauptungen, es würden hauptsächlich Menschen „über 80“ sowie Menschen, „die in einem halben Jahr sowieso tot wären“, an den Folgen einer Covid-19 Erkrankung sterben. Im Frühjahr 2020 hatte Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) mit derartigen Äußerungen in einem Interview provoziert. dpa/Tom Weller/dpabild Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) spricht.

Im Nachhinein hatte sich Palmer für seine Aussagen entschuldigt: „Niemals würde ich älteren oder kranken Menschen das Recht zu leben absprechen.“ Falls er sich „da missverständlich oder forsch ausgedrückt“ habe, tue es ihm leid.

Tödlichkeit der Covid-19 Erkrankung im Vergleich zu Herzinfarkt und Schlaganfall

In der Analyse verglichen die RKI-Wissenschaftler die Corona-Krankheitslast mit den fünf häufigsten nicht-infektiösen Todesursachen (in absteigender Reihenfolge): Herzinfarkt, Lungenkrebs, Schlaganfall, chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen und Darmkrebs.

Dabei zeigte sich: Covid-19 kostete während der ersten Welle im März und April 2020 ähnlich viele Lebensjahre wie Schlaganfall und Lungenkrebs; im Dezember sogar mehr, als dies bei Herzinfarkten der Fall war.

„Covid-19 hat über das gesamte Jahr 2020 im Mittel zum Glück nicht das Niveau der wichtigsten Todesursachen erreicht“, fassen die RKI-Forscher rund um Alexander Rommel zusammen. „Allerdings waren die pro Tag verlorenen Lebensjahre kurzzeitig sehr hoch und haben tageweise die durch wichtige Herz-, Kreislauf- oder Krebserkrankungen im Mittel verlorenen Lebensjahre überstiegen.“ Dies unterstreiche die Wichtigkeit, die Pandemie weiterhin effektiv einzudämmen.

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