Virus-Import über Schweinshaxen und Meeresfrüchte? Chinas krude Corona-Propaganda

Virus-Import über Schweinshaxen und Meeresfrüchte? Chinas krude Corona-Propaganda

2020-12-04

Zu Beginn der Pandemie hat China die Zahl der Corona-Infektionen heruntergespielt, nun behauptet die Regierung, das Virus stamme nicht aus Wuhan. Tiefkühlware aus dem Ausland soll den Erreger ins Reich der Mitte getragen haben –  jedenfalls, wenn man dem chinesischen Propagandaapparat glaubt.

"In Wuhan wurde das Coronavirus zum ersten Mal nachgewiesen, aber es ist nicht hier entstanden": Das sagte Zeng Guang, der frühere Chefepidemiologe der chinesischen Gesundheitsbehörden, am 19. November auf einer Online-Konferenz. Damit befeuert er eine Theorie, die Chinas Propaganda-Medien bereits seit einiger Zeit verbreiten.

Sie behaupten das Coronavirus stammt nicht aus dem Reich der Mitte, sondern wurde aus anderen Ländern importiert.

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Coronavirus angeblich über Tiefkühlprodukte nach China eingeschleppt

Konkret gibt die chinesische Regierung Tiefkühlkost aus den USA, Deutschland und Brasilien die Schuld an diversen Virus-Clustern. So soll eine aus Bremen eingeführte Schweinshaxe der Auslöser für einen neuen Corona-Fall in China gewesen sein, hieß es Anfang November. Staatlichen Medien zufolge waren Virusspuren an der Verpackung entdeckt worden, in Tianjin habe sich dann ein Kühlhaus-Arbeiter mit dem Erreger infiziert.

Nur einen Tag später behaupteten die chinesischen Behörden, auf Rindfleischimporten aus Südamerika Spuren des Coronavirus gefunden zu haben. Auf zwei Tiefkühlpackungen eines argentinischen Importeurs seien die Überbleibsel entdeckt worden, verkündete der chinesische Zoll und setzte die Einfuhren aus. "Immer mehr Beweise zeigen, dass gefrorene Meeresfrüchte oder Fleischprodukte Viren aus Ausbruchsländern nach China bringen können", kommentierte der chinesische Chefepidemiologe Wu Zunyou den Fall.

Für die "Volkszeitung", den offiziellen Kommunikationskanal der Kommunistischen Partei, stand schnell fest: Patient Null stammt nicht aus Wuhan. "COVID-19 begann nicht im zentralchinesischen Wuhan, sondern kam durch importierte Tiefkühlkost und -verpackungen ins Land", heißt es in einem aktuellen Bericht. In einem anderen Artikel beruft sich die Zeitung auf eine umstrittene italienische Studie. Wissenschaftler aus Mailand und Siena wollen herausgefunden haben, dass das Coronavirus bereits im September 2019 in Italien grassierte.

Dass einer der beteiligten Forscher betont, die Untersuchung sei kein Beleg dafür, dass der Virus-Ursprung nicht in Wuhan liege, wird im Bericht der "Volkszeitung" nicht erwähnt.

Weder Verpackungen noch Lebensmittel bekannter Corona-Übertragungsweg

Insgesamt sind weder Lebensmittel noch Verpackungen ein bekannter Corona-Übertragungsweg.  So erklärte ein Sprecher von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) im Zuge der Schweinshaxen-Causa: "Nach jetzigem Kenntnisstand ist also eine deutsche Schweinshaxe als Grund für einen Coronafall in China unwahrscheinlich." Er verwies auf Erkenntnisse des Bundesinstituts für Risikobewertung, wonach bislang keine Corona-Infektionen über den Verzehr von Fleisch oder den Kontakt mit Oberflächen bekannt seien. Auszuschließen sei ein solcher Übertragungsweg aber nicht.

Es ist nicht das erste Mal, dass die chinesische Regierung fragwürdige Informationen mit Blick auf die Ausbreitung des Coronavirus verbreitet. Wie der US-Sender "CNN" vor wenigen Tagen unter Berufung auf Dokumente der Gesundheitsbehörde der Provinz Hubei berichtete, soll China das Ausmaß des Corona-Ausbruchs heruntergespielt haben. So hätten die Behörden am 10. Februar von 2.478 neuen Fällen gesprochen, tatsächlich habe es aber allein in Hubei 5.918 Neuinfektionen gegeben.

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