Völlig sinnlos: Wut nach Kita-Verbot für schnupfende Kinder

Völlig sinnlos: Wut nach Kita-Verbot für schnupfende Kinder

2020-07-12

Die Corona-Pandemie hält die Welt weiterhin in Atem. Mehr als 12 Millionen Menschen haben sich bislang mit dem neuartigen Coronavirus infiziert, 198.546 davon in Deutschland. Die USA melden nahezu täglich neue Rekordzahlen.

Wut nach Kita-Verbot für schnupfende Kinder

Der Ausschluss von Kitakindern mit geringfügigen Krankheitssymptomen von der Betreuung stößt in Nordrhein-Westfalen auf breite Kritik.

Der Verband der Kinder- und Jugendärzte habe das Robert Koch-Institut gebeten, "Krankheitskriterien, die ein Fernbleiben von der Kita auslösen, risikoangepasst und umsetzbar zu präzisieren", berichtete der Sprecher des Landesverbands Nordrhein, Edwin Ackermann, der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf.

Die jetzige Regelung werde ansonsten "im Herbst zu einem Kollaps der Eltern und unsäglichen Praxisorganisationsproblemen führen", warnte der Kinderarzt aus Tönisvorst. "Kinder werden völlig sinnlos laufend aus der Betreuung heraus genommen." Ähnlich äußerte sich die SPD.

In einer "Handreichung für die Kindertagesbetreuung" des NRW-Familienministeriums heißt es: "Kinder dürfen generell nicht betreut werden, wenn sie Krankheitssymptome aufweisen. Die Art und Ausprägung der Krankheitssymptome sind dabei unerheblich."

Ackermann stellte fest: "Im derzeitigen Praxisalltag erleben wir Kinder- und Jugendärzte teilweise groteske Veranlassungen für Kita-Verbote – zum Beispiel Mückenstiche, laufende Nasen bei bekannter Gräserpollenallergie, Husten bei bekanntem und gut eingestelltem Asthma bronchiale, juckende Hautausschläge durch Schwitzen bei bekannter Neurodermitis." Dabei sei den Erzieherinnen kein Vorwurf zu machen, da sie letztlich selbst keinen Spielraum hätten und nicht abschätzen könnten, ob das betreffende Kind nun relevant krank sei oder nicht. Das unterstreicht auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Das helfe den Eltern aber kaum und belaste die Praxen trotzdem über Gebühr, stellte Ackermann fest. "Ein Elternteil muss jetzt wegen der laufenden Nase der Arbeit fern bleiben, benötigt dafür einen "Arbeitsunfähigkeitsschein Kind" und muss deshalb eine Arztpraxis aufsuchen." Im Ergebnis bedeute das: "Ein banaler Schnupfen führt zu einem mehrtägigen Kita-Verbot und das betreffende Kind erlebt keine konstante, sondern eine ständig unterbrochene Betreuung in der Kita."

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