Welche Apps können verordnet werden? (Teil 2)

Welche Apps können verordnet werden? (Teil 2)

2021-09-15

Auch wenn die sogenannten DiGA (digitale Gesundheitsanwendungen) an den Apotheken bislang weitestgehend vorbeigehen, hat sich die DAZ schon einmal angeschaut, welche DiGA es gibt und für wen – immerhin soll sich das ändern. Voraussetzung für die Erstattungsfähigkeit der DiGA durch die Krankenkassen ist die Aufnahme in das DiGA-Verzeichnis. In Teil 1 haben wir Ihnen bereits die fünf dort dauerhaft gelisteten Apps vorgestellt. In Teil 2 geht es nun um die dort in der Überzahl derzeit nur vorübergehend gelisteten Anwendungen. Für wen sind diese geeignet?

Derzeit werden im DiGA-Verzeichnis zwanzig Apps geführt – darüber hatte die DAZ in einem ersten Teil bereits berichtet. Fünfzehn der aufgeführten Anwendungen sind derzeit jedoch nur befristet (i. d. R. für 12 Monate) gelistet. Für sie konnte ein positiver Effekt auf die Patientenversorgung aktuell noch nicht abschließend belegt werden. Doch welche Apps sind das und für wen sind sie geeignet?

DiGA zulasten der GKV

Welche Apps können verordnet werden? (Teil 1)

Mehr Geld, mehr Nachwuchs, strengeres Makelverbot

Das sind die Anträge zum Deutschen Apothekertag

Interessant ist das, weil seit 2019 das „Digitale-Versorgung-Gesetz“ in Kraft getreten ist, digitale Gesundheitsanwendungen – kurz DiGA – zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung vom Arzt verschrieben werden können. Und Voraussetzung für die Erstattungsfähigkeit durch die Krankenkassen ist die Aufnahme in das DiGA-Verzeichnis. Außerdem wollen zwei Anträge auf dem Deutschen Apothekertag, der kommende Woche stattfindet, von der Apothekerkammer Berlin, dafür sorgen, dass Apotheken die Versorgung der Patienten mit diesen Apps sicherstellen, indem sie unter anderem gegen Honorar dazu beraten. Um Apotheker:innen dabei zu unterstützen, sollen DiGA dem weiten Antrag zufolge in die ABDA-Datenbank eingepflegt werden.

Cankado PRO-React Onco – Therapiebegleitung von Brustkrebspatienten

Die App bzw. Web-basierte Anwendung PRO-React Onco soll es Brustkrebspatienten ermöglichen, während der Therapie auftretende Beschwerden selbstständig zu erfassen und individuell abzuwägen, wie dringend eine ärztliche Rücksprache im jeweiligen Fall ist. Gleichzeitig soll die regelmäßige Erfassung des Gesundheitszustands dazu beitragen, dass das betreuende Fachpersonal sich besser auf den jeweiligen Patienten sowie seine Situation einstellen kann. Auf diese Weise seien ein stabilisierter Therapieverlauf sowie bis zu 59 Prozent weniger schwerwiegende unerwünschte Ereignisse zu erreichen. Weitere Infos unter https://diga.cankado.com/

Mika – Interaktiver Krebsassistent

Bei Patienten mit bösartigen Tumorerkrankungen (Malignom) soll Mika zur Linderung psychischer und psychosomatischer Folgen beitragen. Zu diesem Zweck setzt die App auf die regelmäßige Überwachung des Ist-Zustands (Wohlbefinden, Symptome) sowie die personalisierte Wissensvermittlung und Übungen zu den Themen Resilienz, Stressmanagement, Bewegung, Ernährung und Entspannung. Auf diese Weise sollen Begleitsymptome wie Fatigue und die psychische Belastung bei den Betroffenen reduziert werden. Weitere Infos unter www.mitmika.de

Esysta – Digitales Diabetesmanagement 

Esysta stellt ein Angebot für insulinpflichtige Diabetes-Patienten dar. Die App bzw. das Portal dient als digitales Tagebuch und kann entweder automatisch oder manuell mit Angaben zu Blutzucker, Insulinmenge und aufgenommenen Broteinheiten versehen werden. Für die automatische Dateneingabe sind smarte Insulinpens und Blutzuckergeräte des gleichen Herstellers oder kooperierender Hersteller (Beurer oder Aktivmed) notwendig. Die App wertet die Daten aus, erstellt eine Zielbereichsanalyse und gibt – in Form eines Ampelsignals – Rückmeldung über die jeweilige Stoffwechseleinstellung. Optional können die Daten für den behandelnden Arzt freigegeben werden. Die Anwendung kann für 90 Tage ärztlich verordnet werden, eine dauerhafte Nutzung wird seitens des Herstellers jedoch empfohlen. Weitere Infos unter www.emperra.com/de/esysta

Invirto – Angsttherapie mit Virtual Reality

Bei Agoraphobie (Platzangst), Panikstörung oder sozialen Phobien soll Invirto die digitale Behandlung von zu Hause aus ermöglichen. Die Anwendung wird dabei von einem Psychotherapeuten begleitet und basiert auf der Kombination aus Verhaltenstherapie und Expositionstraining. Um Letzteres von zu Hause aus zu ermöglichen, erhalten die Nutzer neben dem Zugang zur Smartphone-App auch eine Virtual-Reality-Brille und Kopfhörer. In drei therapeutischen Gesprächen, die per Video oder Telefon stattfinden, werden wichtige Schritte vorbereitet bzw. nachbesprochen. So sollen die Symptome der Angststörungen reduziert und Vermeidungsverhalten verringert werden. Nach Angaben des Anbieters kann Invirto als Intensivkurs in zwei Wochen absolviert werden oder über einen Zeitraum von 4–8 Wochen. Weitere Infos unter www.invirto.de

Mindable – Digitale Unterstützung bei Panikstörungen und Agoraphobie 

Mindable wurde für volljährige Patienten mit Panikstörungen und Platzangst (Agoraphobie) entwickelt und basiert auf Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie. Die App umfasst im Wesentlichen mehrere Bausteine: Wissensvermittlung zum Thema Ängste, Übungen zur Gewöhnung an Paniksymptome, unterstütztes Konfrontationstraining, Erstellung eines Angsttagebuchs sowie wöchentliche Fortschrittskontrollen. Auf Wunsch kann der Verlauf mit dem Arzt bzw. Therapeuten geteilt werden. Weitere Infos unter www.mindable.health

Selfapy – Drei Online-Programme bei psychischen Erkrankungen 

Depressionen, generalisierte Angststörungen oder Panikstörungen – für Betroffene mit diesen Indikationen bietet Selfapy drei Online-Kurse an. Diese basieren auf Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie und bestehen aus interaktiven Übungen (u. a. Expositionsübungen) sowie Strategien zum besseren Umgang mit den Beschwerden. Die Webanwendung ist in zwölf Lektionen (à 30–45 Minuten) unterteilt und bindet Audio- und Videoclips sowie Texte mit ein, wobei sich die Inhalte an die jeweilige Situation anpassen. Zur Überprüfung des Fortschritts sowie zur Unterstützung stehen Psychologen parat, die per Nachrichten kontaktiert werden können. Weitere Infos unter www.selfapy.de

Kalmeda – Mit Verhaltensänderung gegen Tinnitus 

Ob ein Tinnitus als störend empfunden wird oder nicht, hängt den Anbietern von Kalmeda zufolge entscheidend von der inneren Haltung ab. Deshalb soll die App mit Hilfe der kognitiven Verhaltenstherapie sowie Entspannungs- und Meditationsübungen dazu beitragen, die Belastung durch die Ohrgeräusche zu reduzieren. In fünf Leveln werden die Nutzer mit Hintergrundwissen versorgt, in Achtsamkeit geschult und zur Entspannung im Alltag ermutigt. Zusätzlich stehen den Nutzern Audiodateien mit angenehmen Hintergrundgeräuschen zur Verfügung. Eine ärztliche Verordnung ist für 90 Tage möglich und kann bis zu drei Mal verlängert werden. Weitere Infos unter www.kalmeda.de

M-sense Migräne – Digitale Unterstützung für Migränepatienten 

M-sense stellt ein Angebot für Migränepatienten dar. Die App umfasst ein Kopfschmerz-Tagebuch, das den Betroffenen helfen soll ihre Schmerzmuster zu analysieren und mögliche Trigger zu erkennen. Die gewonnenen Daten können als PDF mit dem Arzt geteilt werden. Um einem Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerz vorzubeugen, enthält die App einen Medikamenten-Tracker. Darüber hinaus umfasst die App physiotherapeutische Übungen zur Hilfe bei akuten Schmerzen, Entspannungsmethoden und die Möglichkeit, einen Trainingsplan zu erstellen. Weitere Infos unter www.m-sense.de

NichtraucherHelden-App – Rauchstopp digital begleiten 

Bei einer diagnostizierten Tabakabhängigkeit kann die App NichtraucherHelden durch den Arzt verordnet werden. Die App basiert auf Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie und soll die Patienten dabei unterstützen, die Abhängigkeit zu überwinden und Rückfällen vorzubeugen. Das Präventionsprogramm setzt sich aus Coaching-Videos, Übungen und Austausch mit einer Community zusammen. Die Nutzer analysieren im Vorfeld ihre persönlichen Hintergründe und ihr Rauchverhalten, bereiten dann den Rauchstopp gezielt vor und werden anschließend in einer Stabilisierungsphase weitere drei Monate durch die App begleitet. Weitere Infos unter www.nichtraucherhelden.de

Rehappy – Digitale Schlaganfall-Nachsorge 

Die digitale Gesundheitsanwendung Rehappy richtet sich an Schlaganfallpatienten und kann für 90 Tage verordnet werden. Mit Hilfe der Anwendung sollen Betroffene in der Nachsorge unterstützt und auf dem Weg der Genesung begleitet werden. Zu diesem Zweck vermittelt die App bzw. das Web-Portal individuell angepasste Hintergrundinformationen, bestärkt die Betroffenen in puncto Eigenverantwortung, motiviert sie mittels Push-Nachrichten und regt sie zu mehr körperlicher Aktivität an. Letzteres wird durch einen zuzahlungsfreien Aktivitätstracker unterstützt, der zum Programmstart den Anwendern übersendet wird. Die Daten können auf Wunsch exportiert und mit dem Behandler geteilt werden. Weitere Infos unter www.rehappy.de

Zanadio – Ein digitales Adipositasprogramm 

Zanadio möchte volljährigen Adipositas-Patienten (BMI 30 bis 40) dabei helfen, ihr Gewicht langfristig zu reduzieren, und basiert dabei, eigenen Angaben zu folge, auf der konservativen Adipositas-Therapie. Der Nutzer erhält ein individuelles Programm, bestehend aus Ernährungsplan und Bewegungsübungen, das dem jeweiligen Lebensstil angepasst ist. Mit Hilfe von Video-Lektionen werden Verhaltenstipps und Hintergrundwissen vermittelt. Darüber hinaus können Kalorienaufnahme und -verbrauch in der App erfassen werden. Zu diesem Zweck werden optional auch Fitnesstracker und WLAN-Waagen eingesetzt, die jedoch kein Bestandteil der Kassenleistung sind. Um die Motivation aufrechtzuerhalten, soll außerdem jederzeit eine individuelle Betreuung per Chat durch einen qualifizierten Coach möglich sein. Weitere Infos unter www.zanadio.de

Gut zu wissen: Was ist die konservative Adipositas-Therapie?

Dieser therapeutische Ansatz zur Behandlung der Adipositas (Fettleibigkeit, ab BMI von 30) basiert auf den vier Säulen: Ernährungsumstellung, Bewegungstherapie, Verhaltensänderung und (bei Bedarf) Medikamentengabe.

Vivira – Therapeutisches Training für zu Hause 

Vivira bietet seinen Nutzern ein personalisiertes therapeutisches Bewegungstraining für zu Hause. Laut Herstellerangaben eignet sich die Anwendung um Schmerzen zu lindern oder körperliche Funktionen wiederherzustellen – so ist die App z. B. bei akuten und chronischen Rücken-, Knie- und Hüftschmerzen verordnungsfähig. Nach einer Einführungsphase in der Beweglichkeit, Kraft und Koordination überprüft werden, wird ein personalisierter Trainingsplan zusammengestellt. Täglich erhalten die Nutzer sodann vier Übungen (Dauer circa 15 Minuten), deren Schweregrad anhand von Rückmeldungen kontinuierlich angepasst wird. In regelmäßigen Abständen werden Schmerz, Lebensqualität und Beweglichkeit erfasst und so Fortschritte visualisiert. Die Fortschrittsberichte können als PDF mit dem Behandler geteilt werden. Weitere Infos unter www.vivira.com

Mawendo – Abgestimmte Trainingsprogramme für zu Hause 

Über die App Mawendo können Ärzte ihren Patienten individuelle Trainingsprogramme zur Verfügung stellen. Je nach Krankheitsbild können durch den Behandler passende Übungsvideos und Gesundheitsinformationen zusammengestellt werden, die die Betroffenen beim eigenverantwortlichen Training unterstützen sollen. Die App wird durch eine Verlaufsdokumentation ergänzt. Das Therapieprogramm ist auf 12 Wochen ausgelegt, die Verordnung derzeit jedoch nur für Erkrankungen der Kniescheibe (Patella) möglich. Weitere Infos unter https://diga.mawendo.com/

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