Krebs-Bekämpfung – Experte bremst Spahns Optimismus

Krebs-Bekämpfung – Experte bremst Spahns Optimismus

2019-02-01

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hält Krebsleiden in absehbarer Zeit für besiegbar. „Es gibt gute Chancen, dass wir in zehn bis zwanzig Jahren den Krebs besiegt haben“, sagte der CDU-Politiker der „Rheinischen Post“. Der medizinische Fortschritt sei immens, die Forschung vielversprechend. „Und wir wissen deutlich mehr. Es gibt Fortschritte bei der Krebserkennung, bei der Prävention.“

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) hingegen klingt in einer aktuellen Pressemitteilung deutlich pessimistischer. Demnach gehen Experten davon aus, dass die Zahl der neuen Krebserkrankungen in Deutschland bis 2030 auf bis zu 600.000 pro Jahr steigen wird. Grund dafür ist die alternde Gesellschaft.

Auch Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), schätzt die Situation vorsichtiger ein als Spahn. „Krebs ist durch seine biologische Vielfalt eine der komplexesten Erkrankungen“, so Baumann. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass wir mit zeitlichen Prognosen zu einem „Sieg über den Krebs“ nicht zu schnell sein sollten“.

Der Experte geht zwar davon aus, dass Forscher in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren spürbare Verbesserungen bei den Krebsüberlebensraten erzielen und Krebspatienten eine bessere Lebensqualität ermöglichen können. „In der Krebsprävention brauchen wir aber möglicherweise einen längeren Atem, bis Erfolge sichtbar werden“, sagt Baumann.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz äußerte sich empört über die Aussage Spahns. Angesichts der vielen Menschen, die an Krebs leiden, sei es „unverantwortlich“, solche Behauptungen aufzustellen, erklärte Vorstand Eugen Brysch. „Ein Gesundheitsminister sollte nicht für eine Schlagzeile das Vertrauen der Patienten verspielen.“

1971: Nixons „War on Cancer“

Das Bundesgesundheitsministerium hat gemeinsam mit DKFZ und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) diese Woche die „Nationale Dekade gegen den Krebs“ gestartet. Die Initiative hat das Ziel, Krebserkrankungen zu verhindern, Heilungschancen zu verbessern und die Lebensqualität von Betroffenen zu erhöhen. „Zum Erreichen dieser ehrgeizigen Ziele sind erhebliche Anstrengungen in der Krebsforschung erforderlich“, so Baumann.

In einem ersten Schritt fördert das BMBF praxisverändernde klinische Studien zur Prävention, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen. Hierfür werden im Rahmen der Dekade bis zu 62 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Weitere Initiativen sollen folgen.

Spahn ist nicht der erste Politiker, der einen Sieg über den Krebs prognostiziert. Bereits 1971 erklärte der damalige US-Präsident Richard Nixon den Kampf gegen Krebs, den „War on Cancer“. Beflügelt von den ersten Erfolgen der Chemotherapie stellte er 100 Millionen Dollar für die Erforschung neuer Medikamente zur Verfügung. Krebs solle in 25 Jahren heilbar sein, erklärte er. Dieses Ziel erreichen Ärzte heute immer häufiger – aber noch längst nicht bei allen Patienten.

In Deutschland ist Krebs nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache. 2015 waren Krebserkrankungen nach Angaben des Statistischen Bundesamts die Ursache für fast ein Viertel aller Todesfälle.

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